Reden wir über Geld: Werner Kieser "Viele Männer definieren ihre Potenz über Geld"

Der Schweizer Werner Kieser hat mit seinen speziellen Kraftstudios viel Geld verdient. Ein Gespräch über Schmerz als Antrieb, seine Millionenverluste und eine Waffenlieferung an den spanischen König.

Interview: Oliver Bilger und Alexander Mühlauer

Werner Kieser, 70, ist klein und kräftig. Seit mehr als 40 Jahren predigt der Schweizer, dass ein starker Rücken keinen Schmerz kenne. Und er macht damit ein gutes Geschäft: Mehr als 150 Kraftstudios gibt es, die seinen Namen tragen, allein neun davon in München. Kieser ist mit dem Zug aus Zürich nach Bayern gekommen. Nun sitzt er in einem seiner Betriebe und sagt, dass ihn Geld überhaupt nicht interessiere. Wer's glaubt.

Der Schweiter Kraftguru Werner Kieser.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

SZ: Werner Kieser, reden wir über Geld ...

Kieser: ... ach, hören Sie mir auf damit. Geld ist ein Betrugsmittel, die Rübe, die man dem Esel vor die Nase setzt, damit er arbeitet. Viele Männer definieren ihre Potenz über Geld.

SZ: Wie ist es bei Ihnen?

Kieser: Geld ist ein Betriebsmittel, wie das Blut im Kreislauf. Für mich als Unternehmer heißt das: Ohne Geld steht die Maschine still.

SZ: Dabei ist Ihr Geschäftsmodell ganz einfach: Die Leute zahlen dafür, bei Ihnen zu schuften.

Kieser: Ja, das ist absurd. Aber die Leute schuften, weil sie erkennen, dass sie was tun müssen. Und es geht ihnen besser, wenn sie zur Tür rausgehen.

SZ: Wer kommt zu Ihnen?

Kieser: Viele, auch die Sporthasser, die zu viel vor der Glotze und dem Computer sitzen. Das Training dauert eine halbe Stunde. Das ist nicht viel, genügt aber.

SZ: Viele kommen erst, wenn es zu spät ist.

Kieser: Schmerz ist das stärkste Motiv, zu uns zu kommen. Die Evolution hat kein Interesse, dass Sie älter als 25 werden, das ist Ihr Ablaufdatum. Danach sind Sie aus genetischer Sicht überflüssig. Die Knochen lösen sich auf, die Muskeln schwinden. Dagegen muss man was tun. Wir hätten auch keine Zähne mehr, wenn wir sie nicht putzen würden.

SZ: Was war Ihr Antrieb zu trainieren?

Kieser: Ich hatte eine Rippenfellquetschung vom Boxen und riesige Schmerzen. Das Krafttraining beschleunigte die Heilung - es war wie ein Wunder. Das wollte ich weitergeben und eröffnete 1963 mein erstes Studio.

SZ: Wie sah es dort aus?

Kieser: Sehr einfach. Ich holte mir Alteisen vom Schrottplatz und habe die Geräte geschweißt, gebohrt und gefeilt.

SZ: Sind Sie Schmied?

Kieser: Nein, Tischler. Und ich war Eisenbieger am Bau. Das war gut bezahlt, man wurde per Tonne entlohnt.

SZ: Aber das Geld für die Maschinen und Geräte kam doch nicht allein vom Bau?

Kieser: Doch, anfangs schon. Mich hätte auch niemand finanziert.