Reden wir über Geld: Sven Väth "Ich klaute mir eine Sonnenliege und baute ein kleines Lager im Pinienwald"

SZ: Sie feierten weltweit die wildesten Partys. Wie war es, als Sie 1980 aus Ihrem hessischen Kaff zum ersten Mal nach Ibiza kamen?

Väth: Ich war 16, schmiss meine Schlosserlehre, meldete mich arbeitslos. Eines Morgens stand der Postmann vor der Tür und gab mir mein Arbeitslosengeld. Ich rief einen Freund an und sagte: Hey Alder, supergeil, ich hab' da richtig Cash! Komm, wir hauen ab. Nach Ibiza. Ich hab' gehört, da soll es geil sein. Wir waren drei Monate unterwegs.

SZ: Der Umschlag vom Postmann reichte drei Monate lang zum Leben?

Väth: Nein, in Ibiza angekommen, war mein Geld aus. Ich klaute mir eine Sonnenliege und baute ein kleines Lager im Pinienwald. Ich verteilte Flyer, so kam ich in die Clubs.

SZ: Wieso blieben Sie so lange dort?

Väth: Das Leben da war so ungezwungen. Riesige Open-Air-Discos, es wurden Joints geraucht und alle flirteten wie die Wilden. Verzaubert kam ich nach Hause und erzählte Muddi davon.

SZ: Wie hat sie reagiert?

Väth: Sie war baff, wie gut ich aussah, und sagte: Dann wirst du Discjockey.

SZ: Das hat Ihre Mutter gesagt?

Väth: Klar! Und ich so: Ja genau, das isses Muddi! Ich werde Discjockey.

SZ: Haben Sie Ihrer Mutter von den Drogenerfahrungen auf Ibiza erzählt?

Väth: (lächelt)

SZ: Was sagen Sie Ihrer Tochter, wenn sie nach den Abstürzen von früher fragt?

Väth: Die braucht sich nur die Videos auf YouTube anzugucken (lacht). Ich nahm meine Tochter, Muddi und Oma ohnehin von Anfang an mit zur Loveparade, mietete die Terrasse vom Café Kranzler und stellte Champagner, Konfetti und Tröten hin.

SZ: Was verbinden Sie persönlich mit der Loveparade?

Väth: In Berlin hab' ich vor 1,2 Millionen Menschen aufgelegt. Ich sah die Energie in der Luft funken. Ich hab' das gespürt. Es war der Wahnsinn. Ich war so berührt, dass ich geheult hab'.