Reden wir über Geld: Robert Harris "Bekomme keine Weihnachtskarten mehr"
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SZ: Stimmt es, dass Sie bei Tony Blair waren, als er 1997 die Wahl gewann?
Harris: Ich schrieb eine Kolumne für die Sunday Times, er lud mich ein, ihn im Wahlkampf zu begleiten. Er hoffte wahrscheinlich, dass ich die Times für ihn einnehmen könnte. Auf jeden Fall war ich als Einziger mit ihm am Wahlabend in seinem Wohnzimmer, als sein Sieg im Fernsehen gemeldet wurde.
SZ: Wie war das?
Harris: Bill Clinton rief an. Und im Garten tauchten plötzlich Kerle mit Maschinengewehren auf, weil er Premier war. Ich mochte ihn immer. Aber dann stritten wir uns über die Entlassung Mandelsons aus dem Kabinett und über den Irak-Krieg.
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SZ: Sie schrieben einen unfreundlichen Roman über einen britischen Premier, der seine Ideale verrät. Wann sprachen Sie Blair zuletzt?
Harris: Vor mehr als vier Jahren. Mandelson war bei meiner Geburtstagsfeier, telefonierte mit ihm und reichte mir den Hörer weiter. Blair sagte nur kurz "Alles Gute", das war's. Ich bekomme auch keine Weihnachtskarten mehr.
SZ: Der Sieg von New Labour war für Sie die Chance Ihrer Generation, etwas im Land zu ändern.
Harris: Wir haben es zwar nicht total verbockt, aber die Chance verpasst. Wenn Blair gegen den Irak-Krieg gewesen wäre, hätte George Bush wahrscheinlich nicht angreifen können. Der zweite große Fehler war, die Londoner Finanzbranche nicht zu kontrollieren und dieser ganzen Ego-Generation nichts entgegenzusetzen. Und er hätte den Briten die Wahrheit zumuten können, dass unser Land ohne den Euro womöglich einmal isoliert ist.
SZ: Sie kritisieren Blair, dass er beim Euro zauderte?
Harris: Meine Frau und ich waren 2003 bei den Blairs zum Dinner. Der Irak-Krieg kam auf, Tony: Lass uns nicht darüber reden. Ich: Du bist weiter weg von Europa als dein konservativer Vorgänger John Major. Er braust auf: Pass auf, wir halten nächstes Jahr ein Referendum über den Euro und gewinnen! Tja, das kam nie.