Reden wir über Geld: Patrick Broome "Sich selbst vergessen, wenn der Kopf durchdreht"

Hund und Baum: Yogalehrer Patrick Broome über die Nähe von Leben und Tod, die Last des Besitzens - und wann Poldi einschläft.

Interview: Alina Fichter und Hannah Wilhelm

Fußball und Yoga? Bis vor kurzem wäre das so eine Kombination gewesen wie Motorradfahren und Müsli-Essen. Doch als Jürgen Klinsmann die deutsche Fußballnationalmannschaft trainierte, mussten die Spieler plötzlich den nach unten schauenden Hund machen. Und den Baum. Klinsmann blieb nicht lange. Aber Patrick Broome, 42, Yogatrainer aus München, ist immer noch da. Zeit für ein Gespräch.

SZ: Herr Broome, reden wir über Geld.

Broome: Das große Geld ist nicht mehr mein Thema. Bei mir ist das furchtbar in die Hose gegangen. Ich habe so viel verloren.

SZ: Womit?

Broome: Ich habe ja mein kleines Yogacenter in Schwabing, größer habe ich nie gedacht. Aber irgendwann kam eine Bekannte und wollte expandieren. Ich ließ mich darauf ein. Ich dachte, es wäre doch schön, mal viel Geld zu haben. Die Idee war nicht unmoralisch. Ich wollte in fünf, sechs großen deutschen Städten ein Center haben, mehr Lehrer ausbilden, Kleidung machen und die in einer Boutique verkaufen.

SZ: Ist es nicht anstößig, mit Yoga Kohle zu scheffeln?

Broome: Nein. Es ist nicht falsch, Geld zu haben. Nur: Viel Besitz zu haben, das widerspricht Yoga. Menschen mit Aktien sind nie glücklich. Irgendwelche verlieren immer gerade an Wert. Menschen mit Ferienhäusern sitzen in dem einen und machen sich Sorgen um das andere. Für mich wäre Geld eine Beruhigung, dass ich weiterarbeiten kann wie bisher und die Familie trotzdem versorgt ist.

SZ: Es ist aber schief gegangen?

Broome: Und wie. Ich habe das Berliner Center wieder dicht gemacht - und zahle nun die Schulden ab, 100.000 Euro. Ich kam dann zurück nach München, und dann ging es hier auch noch mit meinen Geschäftspartnern auseinander.

SZ: Das klingt nach einer Lebenskrise.

Broome: Es kam viel zusammen. Ich war auch sehr krank. Ich musste mich ein Jahr behandeln lassen. In Phasen, in denen man mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert wird und gleichzeitig ein Kind bekommt, da bewertet man plötzlich alles anders. Ich fand das "Größer, Schneller, Weiter" nicht mehr stimmig für mich. Deshalb habe ich mich von meinen Geschäftspartnern getrennt und mache jetzt nur noch mein kleines Studio in Schwabing. Ich merke, dass mein Leben ruhiger und besser wird.

SZ: Welche Krankheit haben Sie?

Broome: Lymphatische Leukämie. Deshalb musste ich eine Chemotherapie machen. Jetzt gleich sind die Abschlussuntersuchungen, es ist alles wieder gut. Aber die Diagnose war ein furchtbarer Schock.

SZ: Wann haben Sie davon erfahren?

Broome: Ich war im Kreißsaal bei meiner Frau. Ich bin nur kurz raus und da rief der Arzt auf dem Handy an und teilte mir mit, dass ich wohl Krebs habe. Ich saß da draußen und dachte, das darf nicht wahr sein. Dann rief mich die Hebamme, mein Sohn kam auf die Welt.