SZ: Haben Sie selbst mal gezockt?

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Weber: Ich habe mich mal mit einem geschlossenen Fonds an einem großen Haus in London beteiligt. Das ist so ziemlich das Dümmste, was man machen kann, weil die Gebühren extrem hoch sind und man das Investment nur schwer verkaufen kann. Der Fonds wurde nach zwei Jahren aufgelöst, kurz vor der Hochphase des Immobilienbooms. Ich habe 50 Prozent an dem Haus verdient. Es war definitiv eine miserable Entscheidung mit einem extrem guten Ertrag. Man kann eben auch mal Glück haben.

SZ: Viele Anleger suchen ihr Glück noch immer in Zertifikaten. Gute Idee?

Weber: Warum soll ein komplexes Anlageprodukt besser sein als ein einfaches? Das ist mir nie klar geworden. Komplexer ist teurer. Das muss so sein - von der Logik der Sache her. Ein komplexes Produkt wäre ja nur besser, wenn ich damit den Markt schlagen könnte. Aber die Idee, dass mir die Bank das Geld schenkt, ist doch idiotisch.

SZ: Aber Bonus- und Garantiezertifikate verkaufen sich gut. Wollen Sie das verbieten?

Weber: Man dürfte Zertifikate nur verkaufen, wenn sie der Aufsichtsrat der Bank innerhalb kürzester Zeit verstehen und erklären kann. Da sitzen ja schließlich gebildete Leute. Oder man müsste einen Stempel draufhauen...

SZ: ...so wie auf die Zigarettenschachtel? "Dieses Wertpapier kann zu einem langsamen und schmerzhaften Verlust Ihres Vermögens führen."

Weber: Kein schlechter Vorschlag.

SZ: Haben Sie sich selbst schon einmal die Finger verbrannt an der Börse?

Weber: Klar. Mit meinem allerersten eigenen Investment. Ich hatte in den Semesterferien in einer Bank gearbeitet und mein sauer verdientes Geld im März in eine Bayer-Option gesteckt. Die lief sechs Monate. Im September war ich in Griechenland mit dem Rucksack unterwegs, und die Option verfiel wertlos. Die ganze Arbeit von einem Monat war weg.

SZ: Was war Ihre Lehre daraus?

Weber: Ich habe nie wieder Optionen gekauft.

SZ: Heute sind Sie nicht nur Hochschullehrer, sondern managen auch einen Fonds. Was wollen Sie beweisen?

Weber: Dass ich es besser kann als alle anderen. Nein, im Ernst: Die Wissenschaft weiß schon einiges über die Finanzmärkte. Das wollte ich weitergeben.

SZ: Glauben Sie ernsthaft, dass Erfolg an der Börse berechenbar ist?

Weber: Ich bin überzeugt davon. Wir streuen nach wissenschaftlichen Kriterien optimal über verschiedene Anlageklassen- Aktien, Anleihen, Rohstoffe - bei möglichst geringen Kosten. Das wird langfristig schon laufen. Ob wir nach drei Monaten im Plus sind oder nicht, ist eine andere Frage. Nach dem ersten halben Jahr läuft es immerhin sehr gut.

SZ: Wissenschaftler reizt es immer wieder, ihre Theorien mit echtem Kapital an der Börse zu testen. Besonders erfolgreich sind die Professoren-Investments nicht. Macht Ihnen das keine Angst?

Weber: Viele US-amerikanische Kollegen beraten Fonds erfolgreich. Ein viel diskutiertes Beispiel sind Robert Merton und Myron Scholes, die mit ihrem Hedgefonds LTCM Milliarden verspielten. Die haben an ihre Modelle geglaubt, und der Markt hat sich einfach anders entwickelt. Das ist dumm gelaufen. Das Beruhigende daran ist, dass diejenigen, die LTCM übernommen haben, nachher keinen Verlust gemacht haben. Der Fall ist schon faszinierend.

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  1. "Nicht verrückter als auf dem Fußballplatz"
  2. "An der Börse geht es auch nicht verrückter zu als auf dem Fußballplatz"
  3. Sie lesen jetzt "Erfolg an der Börse ist berechenbar"
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(SZ vom 05.06.2009/tob)