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Reden wir über Geld mit Barbara Schöneberger "Ich sah aus wie Mutter Beimer"

Na, welchen Blond-Faktor haben Sie? Mit einer Talkshow, in der es um diese Frage ging, gelang Barbara Schöneberger der Durchbruch. Heute moderiert, singt und schauspielert sie. Ein Gespräch über peinliche Momente in einer einsamen Jugend, getrennte Bankkonten in der Ehe und einen Ausrutscher, der ihr 9000 Euro an einem Abend brachte.
Alina Fichter und Hannah Wilhelm

Barbara Schöneberger, roter Mantel, schwarzer Rock, tritt aus dem Berliner Regen in ein leeres Restaurant. Elf Uhr morgens, eigentlich hat das Borchardt noch zu. Schöneberger bettelt um ein Schnitzel: "Nein? Dann um Punkt zwölf, ja?", sagt sie und bestreicht Weißbrot mit reichlich Butter. Bekannt wurde die 37-Jährige mit der Fernsehsendung "Blondes Gift", in der sie den Blond-Faktor ihrer Gäste ermittelte. Heute moderiert, singt und schauspielert sie. Endlich, das Schnitzel kommt, es lappt ein wenig über den Tellerrand. Guten Appetit.

Findet arbeiten cool: Moderatorin Barbara Schöneberger

(Foto: ddp)

SZ: Frau Schöneberger, reden wir über Geld. Wann wurde es wichtig für Sie?

Barbara Schöneberger: Mit vierzehn. Ich wollte eine Jeans für 149 Mark. Meine Mutter sagte: Nein. Also ging ich arbeiten.

SZ: Mit vierzehn?

Schöneberger: Ich war zu jung, um die Kasse zu bedienen, also verkaufte ich Knöpfe im Münchner Kaufhaus Beck am Rathauseck. Ich fand arbeiten cool. Später lief ich in den Sommerferien bei Modeschauen in Dirndl oder Bademode über den Laufsteg, in Käffern wie Bad Aibling oder Rosenheim. Da war auch dieser Typ, der in der Cliff-Werbung vom Fels gesprungen ist. Hach, der war toll.

SZ: Wie viel brachte das Modeln ein?

Schöneberger: 400 Mark am Abend, manchmal 500. Aber es war hart: eiliges Umziehen im fensterlosen Kabuff, überall Kleiderbügel. Wenn die Hose nicht gekauft wurde, hieß es: "Die saß bei dir nicht richtig." War am Ende des Sommers auch so. Meine Freundin und ich haben in den vier Wochen so viel gegessen, dass wir am Ende nicht mehr in die Kollektionen passten. Nach vier Jahren bat man uns, in den Verkauf zu wechseln.

SZ: Was fanden Sie denn so toll am Arbeiten?

Schöneberger: Beschäftigt zu sein. Ich wuchs in Gröbenzell auf - ein langweiliger Münchner Vorort. Ich hatte nie diesen 60-köpfigen Freundeskreis, der jeden Tag zum Baggersee fährt und abends grillt. Sonst wäre vielleicht manches anders gewesen.

SZ: Dann hätten Sie auch nicht bei der Foto-Love-Story aus der "Mädchen" mitgemacht?

Schöneberger: Oh Gott, da war ich fünfzehn, aber mich sprachen noch zehn Jahre später Leute drauf an. Ich musste pinke Leggins und pinken Lippenstift tragen und vom Fahrrad fallen. Furchtbar, ich sah aus wie Mutter Beimer.

SZ: Waren Sie die Coole in der Geschichte?

Schöneberger: Ich war nie die Coole. Ich war die mit der rosa Brille. Bis ich 30 war, hab ich nichts getrunken. Mein Vater sagte, das sei eine Einstiegsdroge. Ich kenne das gar nicht: Mit 17 im Vollrausch auf einer angesagten Party.

SZ: Hört sich nach ziemlich strengen Eltern an.

Schöneberger: Immer hieß es: Du bist zu jung, du bist um acht zu Hause. War ich dann auch, in unserem Mini-Haus.

SZ: Was bitte ist ein Mini-Haus?

Schöneberger: Das Haus meiner Eltern ist winzig. Wenn ich aufs Klo ging, rief meine Mutter: "Barbara, spü-len!" Oder: "Was machst du so lang im Bad, drückst wieder Pickel aus? Ab ins Bett jetzt!"

SZ: Nervte das nicht?

Schöneberger: Durch die Enge zu Hause entstand in mir ein unheimlicher Wunsch: mich dieser Beobachtung zu entziehen. Wenn mein Vater, ein Klarinettist, im Schloss Schleißheim spielte, phantasierte ich als Kind, wie ich dort alles einrichten würde: hier eine Trennwand, da das Sofa.

SZ: Sie zogen dann aber nicht ins Schloss, sondern in eine Studentenbude nach Augsburg.

Schöneberger: Die zahlten mir meine Eltern. 500 Mark bekam ich von ihnen, den Rest verdiente ich selbst.

SZ: Nebenbei studierten Sie noch Soziologie.

Schöneberger: Einen Abschluss hab ich nie gemacht, irgendwann kam ja das Fernsehen und ich dachte: Jetzt hab ich für sonst gar nichts mehr Zeit. War Quatsch, als Assistentin von Elmar Hörig bei der Spielshow "Bube Dame Hörig" brauchten sie mich vier Tage im Monat. Mehr nicht.

SZ: Und die restliche Zeit?

Schöneberger: Jobbte ich als Hostess. Auch noch 1999, als ich Gast in der NDR Talkshow war, bei Hubertus Meyer-Burckhardt. Ich saß da mit Bernd Eichinger, Marcel Reich-Ranicki und erzählte stolz, dass ich jetzt beim DSF moderiere. Wenig später verteilte ich Regenschirme auf den Münchner Medientagen. Hubertus war auch da und sagte: "Hä? Du hier?"

SZ: Heute moderieren Sie die NDR Talkshow zusammen mit Hubertus Meyer-Burckhardt. Wann hörten Sie denn auf, Regenschirme zu verteilen?

Schöneberger: Als ich mit der Talkshow "Blondes Gift" anfing. Ich kriegte 700 Euro pro Sendung, kaum mehr, als fürs Regenschirme verteilen. Ich hätte es aber auch umsonst gemacht. Es gibt zwei Motivationen für einen Job: Entweder macht er sehr viel Spaß oder er bringt sehr viel Geld.

SZ: Gibt es Grenzen? Was würden Sie für viel Geld nicht tun?

Schöneberger: Einmal habe ich mich prostituiert, vor zehn Jahren, zum Start eines Musicals: Ich musste als Sissi verkleidet rumlaufen und sagen, wie toll ich Musicals finde. Glatt gelogen. RTL Explosiv wollte mit mir über den Afghanistan-Krieg sprechen. Ich sagte zu denen, schaut mal, ich trage gerade eine Barockperücke, ich kann jetzt nichts zum Krieg sagen. Der Abend brachte 9000 Euro, aber es war schrecklich, ich würde es nie wieder machen.

SZ: Was war Ihre erfolgreichste Sendung?

Schöneberger: Die Serie Girlscamp: Ich bekam siebzehn Folgen bezahlt, musste aber nur vier drehen, weil es katastrophal lief. Im Fernsehen hatte ich noch nie besonderen Erfolg. Ist auch egal. Der kommerzielle Erfolg hängt von dem ab, was ich nebenher mache - Werbung, Events moderieren.

SZ: Haben Sie immer mehr verdient als Ihre Partner?

Schöneberger: Ja, immer. Ich hatte auch nie einen reichen Freund.

SZ: Warum nicht?

Schöneberger: In der Schule sagten alle: Die Barbara macht Modenschauen, die hat sicher einen reichen Freund. Ich bin halt blond und habe eine Riesenoberweite. Aber dem Vorurteil wollte ich entgegenwirken und habe mir keinen Typen mit BMW Cabrio gesucht. Leider.

SZ: Leider?

Schöneberger: Ist doch angenehm, Schwiegereltern, die sagen: "Wir kaufen euch jetzt mal ein Haus." Obwohl, eigentlich habe ich lieber selbst die Kohle. Wenn ich früher mit einem Jungen essen war, stritt ich mich immer fürchterlich, um die 15 Mark für den Salat mit Hühnchenbrust selbst zu zahlen.

SZ: Und später?

Schöneberger: Kaufte immer ich alles, Möbel zum Beispiel. Ich wusste genau, was ich wollte, entschied alleine und zahle auch gleich. Bis ich geheiratet habe, kaufte ich noch nie auch nur einen Vorhang zusammen mit einem Mann. Wenn ich dann auszog, konnte ich alles mitnehmen. Beziehungen gehen halt kaputt.

SZ: Ihre jetzige Ehe auch?

Schöneberger: Ich bin naiv genug, zu denken, dass die hält, auch wenn alle anderen zerbrechen. Es ist gut, sich spät zu binden, mit Ende 30 weiß man, in jeder Beziehung kann der Punkt kommen, an dem man sagt: Wenn wir nicht im Bett sind, muss ich ja gar nicht mehr über ihn lachen.

SZ: Haben Sie eine Strategie, wie Sie mit der Öffentlichkeit umgehen?

Schöneberger: Man selbst sein, aber nicht ganz. Ich habe bewusst vor ein paar Jahren entschieden: Die Hochzeit und mein Familienleben mit dem Baby sind draußen kein Thema.

SZ: Die Medien haben darauf reagiert wie zurückgewiesene Liebhaber. Die Chefredakteurin der Bunten schrieb ein beleidigtes Editorial.

Schöneberger: Sie hat reagiert, als hätte ich gesagt, ich will nicht mehr mit dir spielen. Aber wenn man jemanden wirklich liebt und das die schönste Geschichte ist, die dir in deinem Leben passiert ist, dann willst du eben nicht, dass die Bild darüber spekuliert, ob er ein "gerngesehener Gast auf Adelsfeiern" ist.

SZ: War es schwer für Sie, nach der Hochzeit alles zusammenzuwerfen?

Schöneberger: Das ist dann Liebe. Jetzt kaufe ich wenigstens die Möbel mit ihm zusammen. Für mich schon ein großer Schritt! (lacht) Aber wir haben kein gemeinsames Konto.

SZ: Was machen Sie eigentlich mit Ihrem Geld?

Schöneberger: Ich habe erst 2005 angefangen, es auszugeben - als ich mir sicher war, dass es auch im nächsten Jahr noch gut laufen wird. Bis dahin dachte ich, bald fliege ich auf. Dann merken die alle, dass ich nichts kann.

SZ: Und jetzt?

Schöneberger: Weiß ich, was ich kann. Und gebe für alles Geld aus.

SZ: Sie legen nichts zurück? Haben keine Aktien?

Schöneberger: Ich glaube, ich habe auch Aktien. Ich weiß es gar nicht so genau, wo mein Geld ist. Darum kümmert sich ein Vermögensberater. Der macht das gut. Das sagen alle, ich weiß. Sprechen Sie mal mit Menschen, die von ihren Beratern reingelegt wurden, wie der Sänger Matthias Reim.

SZ: Haben wir.

Schöneberger: Tja.

SZ: Ihnen ist Geld wichtig, um unabhängig zu sein. Und dann vertrauen Sie Ihrem Berater blind?

Schöneberger: Wäre natürlich schlecht, wenn das ganze Ersparte verloren ginge, ist ja meine Rente. Ich habe den Berater auch länger nicht telefonisch erreichen können. Als ich ihn zuletzt sah, hatte er eine lustige Motivkrawatte an und meinte, ich müsse mir keine Sorgen machen, er wäre jetzt erst mal länger in Urlaub. Ach, ich bin ganz optimistisch.

Interview: Alina Fichter

und Hannah Wilhelm