Reden wir über Geld: Markus Lüpertz "Ich will groß sein. Also bin ich es"

SZ: Ihre Partys gelten als legendär.

Lüpertz: Mein Fünfzigster war reine Hybris. 600 Leute, ich hatte in Berlin das Theater des Westens gemietet mitsamt dem Stück, es wurde gespielt "Menschen im Hotel" mit Leslie Caron. Den 60. Geburtstag feierte ich mit 350 Männern, alle im Frack. Als alternder Macho muss man ab und zu ein Statement geben.

SZ: Sie sind ein Macho?

Lüpertz: Es wird mir nachgesagt. Es stimmt nicht. Ich entspreche meinem öffentlichen Bild in keiner Weise. Aber ich spiele ironisch damit. Und: Ich war natürlich mein Leben lang ein Opfer der Liebe, wie jeder Mann.

SZ: Sie entsprechen Ihrem öffentlichen Bild nicht? Heißt das, Sie sind gar kein Genie, wie immer über Sie gesagt wird?

Lüpertz: Ich bin ein Genie. Das ist das Einzige, was mir nicht nachgesagt wird, das muss ich selbst behaupten.

SZ: Was bedeutet es, ein Genie zu sein?

Lüpertz: Als Maler den höchsten Anspruch an sich selbst zu stellen. Das ist ein Kompliment an jene, die sich für Kunst interessieren, speziell für meine. Ich versichere Ihnen damit, dass ich mir die größte Mühe gebe.

SZ: Ist es auch ein Versprechen, dass Ihre Kunst wertbeständig ist?

Lüpertz: Das kann man nicht versprechen. Sie können in der Zeit, in der Sie leben, nicht beurteilen, wer ein großer Künstler ist. Das wird Ihnen geglaubt oder eben nicht. Über die Ewigkeit entscheidet die Nachwelt.

SZ: Kann man Kunst mit Geld messen?

Lüpertz: Nein, aber die Zeit tut es. Wir haben ein ganz einfaches Prinzip: Der teuerste Künstler ist der beste Künstler.

SZ: Und das ist falsch?

Lüpertz: Nein. Millionen Menschen können doch nicht irren. Das ist jetzt kein Vorwurf an die Zeit, aber sie hat die Götter, die Ideale, die Hierarchien abgeschafft. Und nun haben wir kein Maß mehr außer dem Geld.

SZ: Wenn es nach dem Geld geht, sind Sie nicht der Beste.

Lüpertz: Nein.

SZ: Zumindest scheinen weder Flucht noch die Pleite Ihres Vaters an Ihrem Selbstbewusstsein gerüttelt zu haben.

Lüpertz: Passen Sie auf: Ungewollte Verletzungen werden schnell verantwortlich gemacht für die eigene Unzufriedenheit. Ich bin überzeugt, dass man sich selbst erfinden muss. Damit befreit man sich vom Elternhaus und von Unglücken, die einem passieren. Ich wollte nie nur erfüllen, was mir angeboren ist. Da wäre ich Opfer. Und ein Opfer wollte ich nie sein.

SZ: Sie sind Ihre Erfindung?

Lüpertz: Ich habe mein Genie erfunden, mein Talent, meine Welt und mein Leben. Ich hab meinen Gott erfunden. Ich will nicht geizig sein, also bin ich großzügig. Ich mag keinen Neid, also bin ich nicht neidisch. Ich will groß, stark, schön sein. Also bin ich es.

SZ: Aber es hört sich wahnsinnig anstrengend an, sehr selbstkontrolliert. Können Sie sich auch fallen lassen?

Lüpertz: Müsste ich darüber nachdenken. Ich habe es nie versucht.

SZ: Sie sind sehr diszipliniert, oder?

Lüpertz: Ich taumle zwischen Chaos und Disziplin. Wobei die Disziplin meist gewinnt. Also, ich gehe nie soweit, dass es mir schadet. Nach drei durchzechten Nächten denke ich an die Leber. Und bin dann 14 Tage diszipliniert.