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Reden wir über Geld "Das Leben ist ein Spiel"

Hubertus von Hohenlohe über ein Leben zwischen Marbella und Klosterschule, die Lukrativität schlechten Skifahrens und warum der Jetset keine Oligarchen mag.
A. Hagelüken u. A. Slavik

Hubertus Prinz von Hohenlohe (50) empfängt erst mittags in seiner Wiener Stadtwohnung. Er kam abends zuvor aus New York, ist gerade aufgestanden, hat Jetlag, der Arme. Alltag für einen Jetsetter, der in der Glitzerwelt von Marbella aufwuchs. Und seitdem versucht, sich neu zu erfinden, als Musiker, als Skifahrer jenseits aller Bestzeiten - und als Fotograf.

Hubertus von Hohenlohe wuchs als Jetsetter auf - jetzt versucht er, sich neu zu erfinden. Auch als Fotograf. Auf diesem Bild ist der Paradiesvogel selbst zu sehen.

(Foto: Foto: oh)

SZ: Hubertus von Hohenlohe, reden wir über Geld. Sie wurden als Adliger in den Jetset von Marbella hineingeboren.Von Ihnen nimmt jeder an, dass Sie sowieso von allem wahnsinnig viel haben.

Hubertus von Hohenlohe: Ich habe die Möglichkeit, von allem irrsinnig viel zu haben, ja. Aber oft ist man ja nicht glücklich mit den Sachen, die man hat.

SZ: Sie wünschten sich etwas anderes?

Hohenlohe: Ich hatte Talente, die in meinem Stand nicht so gefragt sind. Dass jemand aus dem Hochadel Popmusik machen oder Skirennen fahren will, ist nicht alltäglich. Da gibt es dann im Umfeld viele Widerstände.

SZ: Wie stellen wir uns das Umfeld vor, in das Sie hineingeboren wurden?

Hohenlohe: Wie ein Schlaraffenland. Mein Vater hat mit seinem Fünf-Sterne-Hotel Marbella als Jetset-Ort begründet. Ich lebte dort wie in einem Selbstbedienungsladen. Wollte ich Wasserski fahren, konnte ich Wasserski fahren. Ich konnte im Restaurant alles bestellen, was ich wollte, ob es auf der Karte stand oder nicht. Ich war der Sohn des Prinzen. Ständig waren Angestellte um mich herum: Willst du ein Eis, willst du tauchen gehen, willst du dies oder das. Als Kind dachte ich, das ist bei allen Kindern so.

SZ: Im Hotel Ihres Vaters stiegen Schauspieler wie Sean Connery oder Ornella Muti ab. Wie wirkt das auf ein Kind?

Hohenlohe: Wenn die Eltern dauernd in der Zeitung stehen und ihre Freunde auch, denkt man, das wäre normal. Einmal wachte ich auf, weil eine Freundin meiner Eltern im Wohnzimmer laut sang. Ich ging runter und bat sie, weniger Krach zu machen. Es war Maria Callas.

SZ: Wann merkten Sie, dass es noch eine andere Welt gibt als Marbella?

Hohenlohe: Der große Schock kam, als mein Vater mich mit zehn Jahren in eine Klosterschule in Vorarlberg steckte. Die waren sehr streng, die Umgebung war karg und es regnete dauernd. Du kommst aus einer Welt, in der alles möglich ist, und plötzlich hast du gar nichts mehr.

SZ: Warum machte Ihr Vater das?

Hohenlohe: Mit 14, 15 Jahren begannen die reichen Kinder in Spanien, Drogen zu nehmen und sonst auszuticken. In Marbella feierten ja alle den ganzen Tag. Das war eine einzige Flucht vor der Realität. So gesehen war seine Entscheidung für das Internat in Ordnung. Ich lernte, dass es nicht nur Reiche und Schöne gibt.

"Ich bin eben der Paradiesvogel"

SZ: Wären Sie lieber von Anfang an unter weniger Reichen und Schönen aufgewachsen?

Hubertus von Hohenlohe nach einem erfolgreich überstandenen Super-G-Rennen bei der Ski-WM im italienischen Sestriere im Jahr 2003. Der für Mexiko startende Paradiesvogel trägt ein Trikot des italienischen Fußball-Klubs Juventur Turin.

(Foto: Foto: dpa)

Hohenlohe: Nein. Aber von Marbella nach Vorarlberg war einfach ein zu harter Bruch. Es muss harmonischer gehen als erst in dieser Scheinwelt von Schönheit und Überfluss aufzuwachsen und dann von einem Tag auf den anderen völlig auf sich allein gestellt zu sein. Ich dachte: Was alles im Leben passieren kann. Du musst schauen, dass du auf die gute Seite des Lebens fällst. Irgendwie.

SZ: Wie entkamen Sie dem Internat?

Hohenlohe: Eine Tante holte mich raus. Die lebte mit sieben Kindern in der Steiermark und dachte, auf ein achtes kommt es auch nicht mehr an. Das war zwar nicht Marbella, aber ganz okay.

SZ: Warum haben Sie nicht Ihren Eltern gesagt, dass Sie aus dem Internat wollen?

Hohenlohe: Hab ich, aber ich war elf und mein Vater war da ziemlich unzugänglich. Und meine Mutter hatte nicht viel zu melden, weil wir nach der Scheidung dem Vater zugesprochen waren.

SZ: Warum traten Sie später nicht die Nachfolge Ihres Vaters an und übernahmen das Hotel in Marbella?

Hohenlohe: Mein Vater hatte eher meinen Bruder dafür vorgesehen, aber daraus wurde auch nichts. Generell brauchen große Persönlichkeiten wie mein Vater viel Raum. Es ist schwer, neben ihnen zu wachsen. Ich habe deshalb etwas eigenes gesucht. Pop, Fotografie, Skifahren.

SZ: Das ist doch mehr eine Show. Sie fahren seit 30 Jahren internationale Skirennen, immer der Weltspitze hinterher, in ein paar Wochen wieder bei Olympia. Sie dürfen überhaupt nur teilnehmen, weil Sie im Sonnenstaat Mexiko einen Skiverband gründeten.

Hohenlohe: Normalerweise verliere ich zehn Sekunden auf die anderen Teilnehmer. Bei einer Strecke von drei, vier Kilometern finde ich das ganz in Ordnung.

SZ: Aber Sie werden immer Letzter.

Hohenlohe: Ich werde fast nie Letzter! Ich bin schließlich nicht der einzige Exot. Ein Freund von mir startet für Aserbaidschan. Eine Zeitlang waren wir eine richtig bunte Truppe. Aber das wird jetzt weniger.

SZ: Warum?

Hohenlohe: Der Weltskiverband versucht, uns die Teilnahme so schwer wie möglich zu machen. Die hätten das gerne als exklusive Veranstaltung. Keine Typen mit verrückten Kostümen wie ich.

SZ: Spötter hängten an der Piste ein Transparent auf: "Lieber Prinz, wir bitten Dich, komm nach Haus bei Tageslicht!"

Hohenlohe: Ich verstehe das. Österreich ist skiverrückt, alle möchten teilnehmen. Und da kommt so ein kleiner Arsch und macht es einfach. Man muss das mit Humor sehen. Das Leben ist ein Spiel.

SZ: Verdienen Sie eigentlich auch Geld oder geben Sie es nur aus? Die richtig fetten Sponsoringverträge bekommen doch nur Spitzenläufer.

Hohenlohe: Ich bin eben der Paradiesvogel, der Lustige und komme deshalb immer überall im Fernsehen und sonst vor. Daher zahlen Firmen mir auch mal 30.000 Euro pro Saison.

SZ: Und das ist Ihr einziger Verdienst?

Hohenlohe: Nein. Ich mache ja viele verschiedene Dinge, schon seit frühester Jugend. Ich bekomme Tantiemen für die Songs, die ich geschrieben habe. Ich verkaufe meine Fotos, die gehen sehr gut.

SZ: Und das hat Ihren ganzen Lebensstil finanziert?

Hohenlohe: Ich habe das Geld meines Vaters nie gebraucht, falls Sie das meinen. Er ist ja 2003 gestorben, auch sein Erbe habe ich noch nicht angefasst. Ich könnte gar nicht: Das Geld ist eingefroren, weil die spanischen Behörden sich nicht einigen können, wie viel Erbschaftssteuer dafür fällig wird. Aber natürlich wusste ich, dass immer genug Geld da gewesen wäre, wenn ich welches gebraucht hätte. Das gibt einem die Möglichkeit, mehr zu riskieren. Das ist der größte Vorteil daran, eine vermögende Familie zu haben.

Der Kalender des Jetsets

SZ: Sie wurden in den Jetset hineingeboren, und das erleichtert Ihnen natürlich auch, Ihre Aktivitäten wie die Fotografien zu vermarkten. Dabei zeigen Sie in letzter Zeit am liebsten Promis wie Heidi Klum, Zinédine Zidane oder Karl Lagerfeld - und auf den meisten Ihrer Fotos sind Sie auch selbst mit drauf, mehr oder weniger versteckt. .

Hohenlohe: Die Idee ist, die Welt zu reflektieren und sich selbst. Es geht eigentlich mehr um das Foto, nicht darum, die Promis herzuzeigen, auch wenn es natürlich lustig ist, wenn bekannte Gesichter auf den Fotos sind. Was den sogenannten Jetset angeht, verstehe ich mich als Beobachter. Nur als einer, der eben Zugang zum innersten Kreis hat.

SZ: Was muss jemand tun, um Zugang zum Jetset zu bekommen? Lässt sich das erkaufen?

Hohenlohe: Wirklich dazu zu gehören ist schwierig. Sie müssen auf jeden Fall immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, das funktioniert so. Es sind immer die gleichen Menschen, nur die Orte, an denen sie feiern, ändern sich.

SZ: Es gibt einen Jetset-Kalender?

Hohenlohe: Die Reise beginnt in St. Moritz, Gstaad und Aspen. Da sind die Leute im Winter, an Weihnachten und im Februar. Dann sind sie auf der Antilleninsel Saint Barth oder seit Neuestem auch in Careyes, Mexiko. Das ist jetzt gerade Jetset geworden. Die Zwischensaison müssten Sie dann in Amalfi, auf Capri oder in Biarritz verbringen. Danach geht's ab nach Saint Tropez, Sardinien, Monte Carlo, Marbella. Und zwischendrin machen Sie Abstecher in die Metropolen: Paris, New York, London. Und natürlich müssten Sie zu den wichtigen Events: zur Biennale nach Venedig zum Beispiel, oder zu den Festspielen nach Salzburg.

SZ: Wie viele Menschen machen das?

Hohenlohe: Das ist eine feste Gruppe von vielleicht 3000 Leuten, da gibt es wenig Wechsel. Die sehen sich, und wissen, wer sie sind. Und dann gibt es noch welche, die zwar dabei sind, aber nicht richtig dazu gehören. Viele Oligarchen zum Beispiel.

SZ: Oligarchen gehören nicht dazu?

Hohenlohe: Man muss sich vorstellen, da tauchen einfach ein paar reiche Russen auf, protzen, was das Zeug hält, aber es kennt sie ja keiner. Wenn du nicht zufällig eine Zeitung in der Hand hast mit einem Foto, bei dem steht, das ist ein Oligarch, dann erkennt den doch kein Mensch. Andere werden in diese Kreise reingeboren, die kennt natürlich jeder. Aber manche der Russen machen das auch ganz geschickt: Die fliegen mit dem Privatjet schnell mal rüber nach Sardinien zum Billionaire's Club von Flavio Briatore und schreien laut: Wer will mitfliegen? Denen gelingt die Integration schneller (lacht).

SZ: Sie bekommen viele Heiratsanträge, hört man. Von Frauen, die Prinzessin werden wollen.

Hohenlohe: Auch deshalb, weil sie mich süß finden, hoffe ich - nicht nur wegen des Titels. Aber es gibt eben Leute, die gerne in diese Welt reinschnuppern möchten. Das kann ich verstehen. Ich wurde in diese Welt hineingeboren und deshalb weiß ich schon sehr lange, dass es bei den Reichen und Schönen so toll gar nicht ist. Dass man sich auf jeden Fall ein anderes Ziel im Leben suchen muss, um glücklich zu werden.