IG-Metall-Chef Berthold Huber über seine radikale Vergangenheit, Prügel vom Musiklehrer, Verlockungen aus der Privatwirtschaft - und sein Gehalt.
Berthold Huber, 60, ist seit drei Jahren Vorsitzender der IG Metall. Einen solchen Arbeiterführer stellen sich viele Menschen laut und fordernd vor; "heißer Herbst", "Ende der Bescheidenheit" und so. Huber war schon immer anders - und hat es doch an die Spitze von Europas größter Gewerkschaft geschafft. Im Gespräch erzählt er sehr persönlich über Brüche und Umbrüche in seinem Leben. Beim Abschied sagt er: "Ich hoffe, ich wollte Sie nicht zu sehr überzeugen."
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Ist längst nicht mehr so radikal wie früher: Berthold Huber. (© dpa)
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SZ: Berthold Huber, reden wir über Geld. Sie hatten sechs Geschwister. War das Geld knapp?
Huber: Mein Vater verdiente als Ingenieur gut. Aber bei sieben Kindern sind Sie immer arm. Ich trug die Kleider meiner älteren Geschwister auf und gab sie an die jüngeren weiter. Taschengeld gab es nicht. Als ich 14 war, arbeitete ich auf dem Bau, danach in einer Brauerei. Ständig klirrte es. Die Leute hielten das nur mit massivem Alkoholkonsum aus. Ich musste mit einer Hand vier Flaschen vom Band in die Kiste heben. Nach drei Tagen hab ich aufgehört.
SZ: Ihre Hände zittern.
Huber: Das hatte ich schon als Kind. Mein Vater schleifte mich durch Unikliniken, aber die fanden nichts. Meine Mutter hat eine einfache Erklärung: Als sie mit mir im siebten Monat schwanger war, starb meine dreijährige Schwester. Das war bestimmt ein Trauma.
SZ: Wie war das in der Schule, wenn einem die Hände zittern?
Huber: Manche Lehrer sagten: Du zitterst ja wie mein Opa. Dann lachten die anderen Kinder. In der siebten Klasse war ich Klassensprecher. Der Musiklehrer zwang mich, gerade Notenlinien an die Tafel zu malen, obwohl ich ihm sagte, dass ich das nicht kann. Als ich schiefe Linien malte und die ersten Kinder lachten, schlug er mir den Geigenbogen ins Gesicht. Ich drehte mich zur Klasse um, die mir nicht half, und sagte: Ihr seid richtige Arschlöcher, sucht Euch einen anderen Klassensprecher. Solche Erlebnisse haben mich stark geprägt.
SZ: Sie gelten als großer, aber moderater Reformer unter den Gewerkschaften. Waren Sie früher radikaler?
Huber: Ja, ich war in kommunistischen Gruppen.
SZ: Aber in der Uni wollten Sie den Marx nicht lernen. Warum haben Sie nach dem Abitur nicht studiert?
Huber: Aus Protest gegen meinen Vater. Der wollte, dass ich Jura studiere. Da hab ich mir was gesucht, wo ich mich selbst finanzieren konnte: Werkzeugmacher bei der Busfirma Kässbohrer in Ulm. Ich nahm von meinem Vater keine müde Mark an.
SZ: Wollten Sie die Arbeiter bei Kässbohrer klassenkämpferisch aufwiegeln, so wie Joschka Fischer bei Opel?
Huber: Ich wollte die Weltrevolution, das ist doch klar. Aber das können Sie ja in einer Fabrik nicht bewerkstelligen. Das hat sich dann schnell gegeben. Ich hab begonnen, die Lehrlinge für die IG Metall zu organisieren - und hab den Betriebsräten unterschriebene Mitgliedsanträge von den anderen Lehrlingen überreicht. Das hat die Funktionäre aber eher misstrauisch gemacht. (lacht)
SZ: Ihr Vorvorgänger Franz Steinkühler sagte mal, in einer Lohnrunde müsse man "aus Scheiße Gold machen können". Wann haben Sie das schon mal gemacht?
Huber: Da müsste ich Steinkühler fragen, ob er das ernst gemeint hat. Mein Prinzip war eher immer Wahrheit und Klarheit in den Tarifabschlüssen. Wenn ich den Leuten lange erklären muss, wie ihre Lohnerhöhung ausfällt, habe ich schon verloren.
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Wenn Berthold Huber damals die Weltrevolution wollte, warum will bzw. hat er unter seiner Führung Kolleginnen und Kollegen aus der IG Metall ausgeschlossen, die eben gerade dies heute noch wollen ?? Warum wird an dem undemokratischen Unvereinbarkeitsbeschlüssen gegen bestimmte linke Parteien festgehalten ?? Das ist doch einer Gewerkschaft unwürdig, wenn sie Kolleginnen und Kollegen ausschließt, nur weil sie auf der offenen Liste einer Partei für den Bundestag kandidiert haben, die für einen echten Sozialismus eintritt und erklärter Maßen die sozialistische Revolution will ?? Fragen über Fragen!!
nur umgekehrt. Ich bin einer Gewerkschaft beigetreten und arbeite gerne mit diesen Zusammen. Ich bin auch gerne bereit mit in die Schlacht zu ziehen, um die Mindestansprüche, die der Gesetzgeber den Arbeitnehmern zugesteht auch beim Arbeitgeber durchzusetzen. Betriebliche Mitbestimmung zum Beispiel. Die wird nämlich bevorzugt vom Arbeitgeber verleugnet, daß sie existiert und wo es nur geht hintertrieben.
Das hat irgendwie überhaupt nicht mit Klassenkampf zu tun. Aber wenn sie meinen, das ist das Problem gehen sie doch in die Christliche Gewerkschaft Metall und verkaufen sie ihre Haut ganz billig. Das fände ich gut, weil was ich hier immer so von ihnen lese, da wären sie ein prima Kandidat der CGM zu schaden.
ich finde den Huber sympathisch. Aber obwohl ich ein paar Jährchen älter als er bin, wünsche ich mir schon noch ne Weltrevolution. Vielleicht täte es auch mal eine in Deutschland-Merkelland?...
Sie können ja Ihrem Arbeitgeber erzählen, dass Sie ihn gerne enteigenen und einen volkseigenen Betrieb draus machen würden. Da wird er sich sicher freuen und Ihnen zukünftig das Doppelte zahlen...
Ich bewundere Herrn Huber, dass er die Dinge realistisch angeht und so auch was im Dialog mit den Arbeitgebern bewegen kann.
Leider gibt es sowas bei unserer Gewerkschaft nicht, weshalb ich (wie so viele andere auch), nicht beitrete, sondern lieber gegen diese Maulhelden kämpfe:
Trommeln und kein Wort mit dem Klassenfeind sprechen, sich aber rechtzeitig verstecken, wenn´s darum geht, Probleme zu lösen, ist eben nicht gerade produktiv.
Vielen Gewerkschaftlern geht´s weniger um den Angestellten als ums eigene Kämpferimage samt Märtyrerstatus.
Leider ziehen diese Märtyrer auch gerne andere in ihre Propagandaschlachten mit rein. Pardon wird nicht gegeben, nicht gegen den Klassenfeind -
in Sachen Berufsethos und Ehrgefühl steht da so mancher Gewerkschaftler den Offizieren in wilhelminischer Zeit ja in nichts nach.
Aber nicht jeder Arbeiter oder Angestellte will unbedingt Kanonenfutter und somit Märtyrer des Klassenkampfes werden:
Manche wollen auch nur unter akzeptablen Arbeitsbedingugen ihr Geld verdienen.
Aber genau das scheint für viele Gewerkschaftler unvorstellbar zu sein...
Er wollte die Weltrevolution, der Herr Huber.
Und ist dann in die Fußstapfen von Herrn Ackermann getreten, als er sich von der Kanzlerin das Geburtstagsmeue ausrichten ließ.
Wäre ja nicht schlimm, wenn denn das stimmte, was er über Frau Merkel gesagt hat, der Herr Huber: Sie sei eine berechebare Politikerin, die zu den Arbeitnehmern immer fair gewesen sein.
Hä? Von wem sprach der Mann? Hier steht eine beinharte Kapitalistin, konvertiert aus der SED zwar, aber - Finger in den Wind und ab zur CDU - nur den Herrschenden im Land verpflichtet.
So wird man vom Weltrevolutionär zu Merkels geschätztem Gewerkschafter. Un ddas ist wahrhaft kein Kompliment, wenn man sich tatsächlich afu der Seite der Arbeiter sieht, herr huber!
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