Reden wir über Geld: Alice Schwarzer Ich mache prinzipiell keine Schulden

SZ: Wie kam das?

Schwarzer: Ob über Arbeiterstreiks oder Reform der Psychiatrie oder alternative Kultur, nie hatte ich als Korrespondentin ein Problem gehabt, meine Artikel zu veröffentlichen. Schwierig wurde es erst, als ich mit Frauenthemen ankam. Da hörte ich: Das hatten wir schon. Oder: Frauen sind zu engagiert bei solchen Themen, da sollen doch lieber Männer drüber schreiben. Und meinen engagierten Kolleginnen ging es nicht anders.

SZ: Um welche Themen ging es?

Schwarzer: Es fing an mit der Abtreibung, da sollte nun nicht mehr vom Leben der Frau und der selbstbestimmten Mutterschaft die Rede sein, sondern von Bevölkerungspolitik und ethischen Fragen. Es ging weiter mit Gewalt, eben mit all den brisanten Themen der 70er Jahre.

SZ: Eine Viertelmillion Mark Startkapital reichte?

Schwarzer: Damals galt die achtfache Summe als das Minimum, zuzüglich journalistischer Gratisarbeit und einem billigen Druck. Die meisten gaben mir deswegen null Chance. Allerdings hatten mich das Streitgespräch mit der Autorin Esther Vilar und "Der kleine Unterschied" populär gemacht. Mein Name war also für den Start von Emma mehr wert als die Viertelmillion.

SZ: Und Emma war unabhängig?

Schwarzer: Ist unabhängig, vom ersten Tag an. Dabei zahlen wir übertarifliche Gehälter und angemessene Honorare. Etwa so viel wie die Zeit zum Beispiel, trotz kleiner Differenz in der Auflage.

SZ: Gab es mal Schwierigkeiten?

Schwarzer: Nicht wirklich. Ich habe Honorare, Gehälter und Druck immer pünktlich gezahlt. Das geht auch gar nicht anders. Eine ökonomisch abhängige Emma wäre nach wenigen Ausgaben erledigt.

SZ: Wie wichtig ist Ihre Präsenz im Fernsehen, um die Marke Alice Schwarzer zu stärken?

Schwarzer: Auf die Marke Alice Schwarzer pfeife ich. Acht von zehn Fernsehauftritten mache ich allerdings wegen Emma, das dürfte doch klar sein. Wir haben schließlich kein Geld für Werbung.

SZ: Sie haben für die Bild-Zeitung geworben. Viele warfen Ihnen einen Verrat an den eigenen Idealen vor.

Schwarzer: Ich scheine der letzte Mensch zu sein, dem man noch Ideale zutraut. Es war eine Imagekampagne von Bild. Und apropos Geld: Das habe ich an ein Projekt für türkische Mädchen gespendet.

SZ: Müssen Sie als Verlegerin in der Wirtschaftskrise sparen?

Schwarzer: Etwas, aber nicht einschneidend. Ich hatte die Zeitschrift von Anfang an so konzipiert, dass sie sich zu 90 Prozent durch den Verkauf des Heftes trägt. Und so ist es bis heute. Deswegen haben wir keine Probleme. Ich erinnere mich noch genau an die Gespräche mit meinem Steuerberater oder Bankern in den Anfangsjahren. Alle rieten mir: mach Schulden. Da habe ich geantwortet: Ich mache prinzipiell keine Schulden. Dabei ist es geblieben.

SZ: Auch privat standen Sie nie in der Kreide?

Schwarzer: Niemals (lacht).

SZ: Gehen Frauen anders mit Geld um als Männer?

Schwarzer: Sicher, das belegen auch viele Studien. Frauen haben ja noch gar nicht lange eigenes Geld. Bis 1958 verlor eine deutsche Frau ihr Vermögen, wenn sie einen Mann heiratete. Wenn sie sich scheiden ließ, hatte sie gar nichts mehr. Und erst 1922 durfte die erste Frau in Deutschland eine Börse betreten. Viele Frauen sind es noch immer nicht gewöhnt, überhaupt eigenes Geld zu haben oder mehr zu verdienen, als sie zum Leben brauchen. Wir Frauen müssen also noch lernen, mit Geld umzugehen.