Von Harald Freiberger, Düsseldorf

Josef Ackermann bei Gericht, eine schwierige Sache: Dieses Mal liefert er kein Fotomotiv mit zweideutigen Gesten, aber ein wunderschön visualisiertes Beweismittel.

Josef Ackermann kommt um 11:27 Uhr, drei Minuten, bevor die Verhandlung beginnt. Drei Minuten lang umringen ihn Kameraleute und Fotografen. Er setzt sich an den Zeugentisch und lächelt, schaut sich links und rechts um, nickt dem Staatsanwalt zu, grüßt die beiden Verteidiger und den Angeklagten Stefan Ortseifen auf der anderen Seite.

Stefan Ortseifen und Josef Ackermann, Foto: dpa

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (rechts) begrüßt im Landgericht Düsseldorf den Angeklagten Stefan Ortseifen (links). (© Foto: dpa)

Anzeige

Drei Minuten, dann schickt Richterin Brigitte Koppenhöfer die Fotografen aus dem Saal. Noch bevor der Chef der Deutschen Bank das erste Wort gesagt hat, lässt sich schon behaupten, dass die Veranstaltung gut für ihn gelaufen ist. Es wird kein Bild mit einer zweideutigen Geste von ihm geben.

Ackermann vor Gericht, das ist eine schwierige Sache. Vor sechs Jahren zum Auftakt des Mannesmann-Prozesses entstand das berühmte Foto, das ihn breit grinsend mit Victory-Zeichen zeigt.

Kampf gegen ein Bild

Auch damals hieß die Richterin Brigitte Koppendörfer. Nichts hat seinem Image je so geschadet wie dieses Bild, das scheinbar einen arroganten Wirtschaftsführer zeigt, der die Würde des Gerichts missachtet und vorher schon weiß, dass er gewinnen wird.

Die Entourage des Deutsche-Bank-Chefs muss heute noch gegen dieses Bild ankämpfen. Bei jeder Gelegenheit sagt sie, dass das damals alles ganz anders war. Dass es vor Prozessbeginn eine Verzögerung gab und dass er und andere Beteiligte sich über alles Mögliche unterhalten haben. Auch über Michael Jackson, der damals gerade wieder einmal in den Nachrichten war.

Michael Jackson war berühmt für sein Victory-Zeichen. Und Ackermann ahmte es in der Unterhaltung einfach nach, weiter nichts. So erzählen es seine Mitarbeiter. Und dass man daraus gelernt habe. Nie wieder werde man ihn während einer Pause eine halbe Stunde einfach so irgendwo herumsitzen lassen.

Kurzes Nicken, dann ist er weg

Auch deshalb kommt Ackermann jetzt immer so knapp zu seinen Terminen. Und er verschwindet danach so schnell, wie er gekommen ist: Ein kurzes Nicken zur Richterin, zum Staatsanwalt, zur Verteidigerseite, dann ist er weg, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Dazwischen steht die Zeugenaussage eines Mannes, dem im Verlauf dieses Prozesses eine zentrale Rolle zugewachsen ist. Es geht um die IKB, jene Düsseldorfer Bank, die wie wild in verpackte US-Immobilienkredite investiert hatte und in der Finanzkrise als eines der ersten Institute überhaupt den Bach hinunterging, nämlich im Juli 2007.

Angeklagt ist der damalige Chef Stefan Ortseifen, und zwar in zwei Punkten: Er soll zum einen seine Dienstvilla auf Firmenkosten renovieren lassen haben. Die Richterin ließ aber schon durchblicken, dass man Ortseifen wohl nicht wegen Untreue belangen können werde.

Nur sieben Tage später faktisch pleite

Bleibt der zweite Vorwurf: Kursmanipulation. Ortseifen verschickte noch am 20. Juli 2007 eine Pressemitteilung, in der er die Anleger beruhigte. Die IKB sei von den Verwerfungen des US-Immobilienmarktes allenfalls mit einem einstelligen Millionenbetrag betroffen.

Nur sieben Tage später war die IKB faktisch pleite, sie musste mit insgesamt zehn Milliarden Euro gerettet werden, die überwiegend vom Bund kamen.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Vielen Dank, Herr Ackermann
  2. Wie ein "Fanal"
Leser empfehlen