Verrichten Banken Gottes Werk? Kaum. Vielmehr sollten sie von übergroßen Risiken abgehalten werden und ihre Rettung möglichst selbst bezahlen.
Lloyd Blankfein steht der US-Großbank Goldman Sachs vor. Seine Bank verdient wieder sehr viel Geld und bezahlt ihren Bankern dieses Jahr 20 Milliarden Dollar Boni, während der Rest der Menschheit unter der Krise ächzt, die Goldman&Co. auslösten.
Nach Schätzung der EU-Kommission kostet die Rettung maroder Geldhäuser allein in Europa bis zu 1,8 Billionen Euro. (© Foto: Reuters)
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Wahrscheinlich ist es kein Wunder, dass Lloyd Blankfein die Welt von oben betrachtet und nichts dabei findet, sein Gewerbe in den Himmel zu heben. Die Geldhäuser verrichten "Gottes Werk", glaubt Blankfein. Einer der Romane von John Irving heißt auf Deutsch "Gottes Werk und Teufels Beitrag". Wahrscheinlich hält ein guter Teil der Menschen, die anders als Herr Blankfein unter der Krise ächzen, das Wirken der Banken derzeit eher für Teufels Beitrag.
Nach Schätzung der EU-Kommission kostet die Rettung maroder Geldhäuser allein in Europa bis zu 1,8 Billionen Euro. Das wären 3500 Euro für jeden einzelnen Europäer, Säuglinge und Greise eingerechnet. Angesichts solcher Dimensionen erstaunt es, wie wenig die Branche an den Kosten ihres Handelns beteiligt wird. Schon die Gehaltsgrenze für Vorstände geretteter Institute findet manche Finanzgröße abstoßend.
Dabei besteht kein Zweifel, dass Banken gegenüber anderen Wirtschaftszweigen bevorzugt werden. Weil der Kollaps wichtiger Finanzkonzerne den Geldkreislauf und damit die Wirtschaft lahmlegen würde, können sich die Akteure auf ihre Rettung durch den Steuerzahler verlassen. Eine Einladung, übergroße Risiken einzugehen und dem Rest der Menschheit weitere Billionenschäden aufzubürden.
Um diesen Teufelsbeitrag zu verhindern, sollten die Banken von übergroßen Risiken abgehalten werden und ihre Rettung möglichst selbst bezahlen. Dies etwa durch eine Spekulations- oder andere Art von Strafsteuer zu leisten, galt bis vor kurzem als Idee linker Spinner.
Im September reihten sich unter die Spinner die zentralen Politiker Deutschlands und Frankreichs, die Konservativen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy. Nun steht womöglich die entscheidende Wende bevor. Mit Gordon Brown kommt erstmals Unterstützung vom Regierungschef eines großen Landes, in dem die Finanzbranche entscheidend ist. Jetzt sind von den mächtigsten Wirtschaftsnationen nur noch die USA dagegen - ein hohes Hindernis, aber kein unüberwindbares.
Gegen besondere Abgaben für Banken und Spekulanten werden viele Argumente vorgebracht, von denen keines wirklich sticht. Die Geldhäuser verdienen über lange Sicht genug, um sie für Finanzkrisen selbst zahlen zu lassen.
Wenn sich die wichtigsten Industrienationen auf ein solches Modell einigen, können sich die Banken kaum durch Umzug entziehen. Fehl geht auch das Argument, die großen Geldhäuser würden ihre Geschäfte dann eben über Karibikinseln laufen lassen. Das würde keine Bank wagen, die die Ächtung durch die westlichen Industrienationen fürchten muss, in denen sie weiter mit hunderten Millionen Kunden Geschäfte machen will.
Kapital lässt sich einfangen, das zeigt die Schlacht gegen Steueroasen. Wie eine Spekulationssteuer vor wenigen Monaten als spinnerte Idee galt, galt auch der Kampf gegen Steuerhinterziehung bis vor kurzem als weitgehend aussichtslos.
Das hat sich geändert. Seit die USA, Deutschland und andere Nationen gemeinsam gegen die Bankgeheimnisse der Schweiz oder Liechtensteins vorgehen, veröden die Oasen. Eine solche Strategie ist wiederholbar, um die Banken an den Kosten der Krise - und künftiger Rettungen - zu beteiligen.
Welches Modell das beste ist, sollten die Fachleute in den nächsten Monaten austüfteln. Womöglich wäre es einfacher, die Banken und andere Finanzakteure durch eine Art Pflichtversicherung zur Kasse zu bitten, als sich auf die Jagd nach jedem einzelnen Spekulationsgeschäft zu begeben.
Doch diese Frage ist nicht entscheidend dafür, ob überhaupt etwas geschehen muss. Die Banken müssen zahlen, um ihren Dienst an der Gesellschaft zu leisten, vom Werk Gottes sollte vielleicht nicht gleich die Rede sein. Und US-Präsident Barack Obama sollte erkennen, wie peinlich es ist, der letzte Bremser zu sein.
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(SZ vom 10.11.2009/hgn)
Bruce Springsteen in Frankfurt
offensichtlich "meschugge" dieser Bänker. Arroganz pur (z. B.eines Nonnenmacher) , wenn man von oben die Ameisen da unten so wuseln sieht. Die Soziologie des "Ameisenstaates"aber haben sie nicht kapiert ! Dass sie selbst mitten drin im Strudel sind , wenn der in den "Orkus" fährt dank ihrer maßlosen Gier, weil man den den Hals nicht voll kriegen kann , obwohl es schon lange reicht. (Ringswandl: "Kannst nix mitnehma, diese himmlische Erleuchtung kommt ihnen einfach nicht ) Herr , laß Hirn herunter.
Da bin ich aber gespannt , lieber zensor, ob sie diesen "Befund" durchlassen, und wenn nicht wenigstens Gründe nennen, warum nicht !
ganz meine Meinung. Die Finanzbranche MUSS ihre Rettung selbst nachfinanzieren. Alles andere ist unerträglich ungerecht.
Die obere Banker-Kaste leidet völlig unter Realitätsverlust. So wie in der Physik die Energie erhaltung gilt, so gilt in der Finanzwelt, das reale Wertschöpfung nicht aus dem Nichts entstehen kann. Das Bankensystem hat sich von Symbiont der Realwirtschaft zum Parasiten entwickelt. Dieser Entwicklung muss entgegen getreten werden. Dem Artikel kann ich nur zustimmen.
möglichst in "Vielmehr sollten sie von übergroßen Risiken abgehalten werden und ihre Rettung möglichst selbst bezahlen. " bitte streichen.
Ich erwarte nur, dass der Staat mit den Banken genau so umgeht wie eine Bank mit einem ihrer Schuldner. Negative Zahlungsbilanz, schlechte Aussichten, wohnt vielleicht in der falschen Gegend (bzw. ist in der falschen Branche), das wars.
Für unser Wirtschaftssystem gibt es angesichts der immer mächtiger werdenden Finanzindustrie nur zwei Möglichkeiten:
Entweder wir können die Finanzindustrie durch eine Finanzabgabe (Tobin- Tax) wieder in den Dienst der Realwirtschaft stellen;
oder sie wird über kurz oder lang die Realwirtschaft endgültig ruinieren und damit auch unser gesamtes Gesellschaftssystem.