2,19 Euro pro Kilo Röstkaffee: Eine Milliarde Euro nahm der Finanzminister im vergangenen Jahr durch die Kaffeesteuer ein. Jetzt soll eine Massenpetition die Abgabe kippen.
Salz und Zucker, Streichhölzer und Feuerzeuge, Glühlampen und Petroleumfunzeln - was hat der Staat nicht schon alles mit Steuern belegt. All diesen Waren ist gemeinsam, dass sie einst, wenn schon nicht als Luxus, dann doch als sehr spezifisches Gut galten, von dessen Ertrag sich der Fiskus gerne ein Scheibchen abschnitt. Die meisten dieser teilweise nur Bagatellbeträge für den Staatshaushalt einbringenden Steuern sind Geschichte, zuletzt kippte im Jahr 1993 die Teesteuer, ohne dass dies im Volk mit besonderer Dankbarkeit zur Kenntnis genommen wurde.
Eine Milliarde Euro brachte die Steuer auf Kaffee dem Bundesfinanzminister im Jahr 2008 ein. (© Foto: AP)
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Geblieben ist bis heute der Zugriff auf einen muntermachenden Stoff, den sich die Deutschen mehr als alle anderen einverleiben, von den Finnen einmal abgesehen. Nach wie vor schlägt der Staat auf Röstkaffee 2,19 Euro pro Kilogramm drauf, für löslichen Kaffee beträgt der Satz 4,78 Euro. Das ist zwar weniger als in den ersten Nachkriegsjahren der Republik, aber immer noch ein Betrag, der den Einkaufspreis der Rohware an der Börse je nach Qualität und Kursentwicklung übersteigen kann.
Dem Bundestag liegt deshalb eine Petition zur Abschaffung der Kaffeesteuer vor, die im Internet noch bis 25. August unterzeichnet werden kann (https://epetitionen.bundestag.de). Auf den Weg gebracht hat sie Jörg Volkmann von der Lobby-Organisation "Coffee Hunting", die weltweit die Produktion hochwertigen Kaffees und dessen Absatz in den Konsumländern fördern will.
Zur Begründung der Petition wird angeführt, ansonsten würden nur noch Belgien und Dänemark eine solche Steuer einfordern, und das in maßvoller Höhe. Dadurch entstünden den hiesigen Röstern unverhältnismäßig hohe Wettbewerbsnachteile, zumal Kaffee längst nicht mehr zu den Luxusgütern zu rechnen sei. Außerdem könnte die Ersparnis auch den Erzeugern in den zumeist armen Ländern zugute kommen.
Eine Milliarde Euro für Steinbrück
Ob das so kommen würde, ist allerdings zweifelhaft. Kaffee ist in Deutschland im Lauf der Jahrzehnte kaum teurer geworden. Nach dem Auslaufen diverser internationaler Abkommen und der Liberalisierung des Marktes von 1989 an fiel der Handelspreis der Rohware rasant ab und kletterte erst nach 2003 wieder auf ein höheres Niveau. Zahlreiche Bauern der Dritten Welt brachte das in bedrückende Not, während die den Kaffee verarbeitenden Unternehmen der großen Verbraucherstaaten in all der Zeit kaum an Profit verloren.
Möglich, aber nicht zwingend ist demnach, dass die Konsumenten hierzulande bei sinkenden Preisen verstärkt auf Produkte aus fairem Handel zugreifen. Theoretisch könnten sie die Ersparnis auch dazu nutzen, ökologische Anbaumethoden zu fördern. Die Produktion der Steinfrüchte hat seit jeher wertvollen Tropenwald vernichtet. Von der Anpflanzung bis zum Verkauf im Laden müssen zudem schätzungsweise 140 Liter Wasser eingesetzt werden, um am Ende eine Tasse mit dem Gebräu zu füllen.
Dem Bundesfinanzminister brachte der Kaffee 2008 eine Milliarde Euro ein - kein dominanter, aber ein willkommener Posten im Reigen der Verbrauchsteuern. Den größten Teil holt sich der Staat mit einem Aufschlag auf Brennstoffe, Strom, Kfz-Besitz und Versicherungen. Die Tabaksteuer brachte im Vorjahr trotz sinkender Nachfrage noch mehr als 13 Milliarden ein, die Abgabe auf Branntwein über zwei Milliarden. In dieser Relation mag die Kaffeesteuer eine Bagatelle sein, aber Peer Steinbrück wird das anders sehen.
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(SZ vom 05.08.2009/tob)
Eben nicht, ihre Argumentation ist quasi klassisch Neokolonialistisch. Die bauern werden gedrängt Rohstoffe für den Weltmarkt zu produzieren, teuer zu investieren, teure Pflanzenschutzmittel in den Industriestaaten zu kaufen, aber die Verarbeitung und Hauptwertschöpfung der Produkte findet dann wieder in den Industriestaaten statt, und die lokalen Bauern verdienen kein Geld, haben aber nichts mehr zu Essen, da sie ja Kaffee statt Essen anbauen.
Was für ein tolles beispiel für keine Ahnung aber zu allem ne Meinung:
- Neoliberalismus, ist der Gedanke die Marktwirtschaft besser zu zügeln und in eine soziale Marktwirtschaft zu verwandeln. Das ist ein Gedankenkonstrukt der nach den marktwirtschaftlichen Übertreibungen des frühen 20 Jhd. Salonfähig geworden ist. Wenn dann würden Neoliberale die Besteuerung von Kaffe befürworten.
- Eine Einschränkung würde die Bauern in der Dritten Welt nur noch weiter in den Ruin treiben, nicht nur weil sie noch weniger für Ihre Waren bekommen sondern weil sie auch unbezahlte Investitionen getätigt haben und somit Verluste erleiden. Sowieso ist der Konsumverzicht bei in der dritten Welt hergestellten Güter das schlimmste was man diesen Menschen antun kann, die Leben von unserem Konsum...
Mir persönlich stößt nicht die Kaffeesteuer sauer auf. Wenn man sich überlegt, dass wohl der größte Teil des gekauften Kaffees immernoch billigster Filterkaffee für teilweise unter 3.50/Pfund ist, dann wird das auch nicht so sonderlich viel ändern. Andererseits kosten 250g Espressobohnen der Firma Illy im Supermarkt um die 7 - in der Schweiz bekommt man einen 500g Beutel für etwa das gleiche Geld... das hängt nun garantiert nicht mit der Kaffeesteuer zusammen.
Das einzige was mir bei dem Thema wirklich misfällt ist, dass man beim Import in Teufels Küche geraten kann. Es gibt keinerlei Freimengen für Kaffee beim Import, es greift lediglich die Bagatellgrenze unter der keine Warenumsatzsteuer erhoben wird. Brisanterweise gilt das nicht nur für Drittländer, wo das ja noch verständlich wäre, sondern auch für EU Staaten. Es Widerspricht meinem Verständnis des Sinnes der EU, wenn man als Privatperson sich nicht unbehelligt seinen Kaffee aus z.B. den Niederlanden schicken lassen kann.
Steuern dienen in erste Linie der Erzielung von Einnahmen. § 3 der Abgabenordnung sagt dazu: "Steuern sind Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen und von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft; die Erzielung von Einnahmen kann Nebenzweck sein."
Nur der letzte Hinweis, dass die Erzielung von Einnahmen nur Nebenzweck sein kann, deutet darauf hin, dass ggf. auch gesteuert werden soll (z.B. mit der "Ökosteuer"). Bei der Kaffeesteuer wird aber sicherlich die Erzielung von Einnahmen der Hauptzweck sein, und damit gibt es keinen sachlichen Grund, diese Steuer abzuschaffen.
"Steuern sollen ja bekanntlich steuern, also in Diesem Falle den Kaffeekonsum senken, dies ist auch durchaus sinnvoll, denn ein erhöhter Kaffekonsum ist insbesondere bezüglich der Auswirkungen auf die Anbauländer wenig unterstützenswürdig"
Hä? Wie? Was? Hat man also bei der Einführung der Kaffeesteuer nur die umweltpolitischen Aspekte im Auge gehabt? Die Anbauländer freuen sich über jeden Dollar der rein kommt und die Bauern brauchen jeden Cent.
Ob denen damit geholfen ist, den Kaffeekonsum zu zügeln ist mal mehr als fraglich. Fraglich ist auch ob der Konsum steigen würde, fiele die Steuer weg. Warscheinlich würde nur die Marsche der Händler größer.
Ich finde den Kaffee in Deutschland auch nicht zu teuer und ich hab auch Verständnis dafür das der Staat jeden Steuercent braucht.
Anders wäre ja ein so verschwendericher Umgang mit Geld kaum möglich.
Aber wie wäre es denn wenn das Geld aus der Kaffeesteuer direkt in Umweltschutzprogramme fließen würde? Ach? Das geht nicht? Schade!
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