Von Helga Einecke

Die Währungsunion hat die Preise weiter auseinandergetrieben - das Gegenteil war erhofft worden.

Sollte der Euro nicht die Preise in den Ländern der Währungsunion angleichen helfen? So dachte man wenigstens vor einem Jahrzehnt. Die gemeinsame Währung sollte auch das Preisniveau generell drücken, weil der stärkere Wettbewerb und Preisvergleiche keine Ausreißer nach oben mehr zulassen würden.

euro

Waschmaschinen: Die Differenz zwischen den Preisen im günstigsten und im teuersten Fall weitete sich trotz Euro-Einführung von 16 Prozent auf 27 Prozent aus (© Foto: dpa)

Anzeige

Diese Erwartungen erweisen sich als Illusion, folgt man einer neuen Untersuchung der Bundesbank. Vielmehr driften einige Preise seit dem Euro-Start wieder auseinander. Plausible Erklärungen dafür bietet die Notenbank nicht an, nennt aber drei mögliche Ursachen.

Starke Preisveränderungen

Erstens könnten die unterschiedlichen Lohnsteigerungen der Mitgliedsländer auf die Preise durchgeschlagen sein. Zweitens mögen aggressive Strategien zur Preissenkung oder neue Vertriebswege die Unterschiede erklären. Drittens fällt der Untersuchungszeitraum mit dem starken Anstieg der Benzinpreise zusammen, der die Transportkosten beeinflusst haben könnte.

Für den Preistest des Euro wählten die Forscher eine Waschmaschine aus. Die wird regelmäßig gehandelt, häufig gekauft und weist eindeutige Merkmale auf. Dazu gehören Fassungsvermögen, Schleuderdrehzahl und Marke. Unterscheidungen wie Frontlader oder Toplader, eingebaute oder freistehende Geräte lassen sich statistisch gut abgrenzen.

Vor der Euro-Einführung war die Standardwaschmaschine in Frankreich, Belgien, Griechenland und auch in Deutschland etwas teurer als im EU-Durchschnitt. In den Niederlanden war sie ein Zehntel billiger. Seit dem Euro-Start fielen die Preise für das Gerät um ein Fünftel bis zu einem Drittel, vermutlich nicht nur wegen der Einführung der neuen Währung.

Am stärksten war der Rückgang in Deutschland, das zuvor zu den Ländern mit den höchsten Preisen gehört hatte. Auch Österreicher und Finnen konnten die Geräte günstiger erwerben. Dagegen mussten Griechen, Italiener, Spanier und Franzosen deutlich mehr bezahlen.

Die Differenz zwischen den Preisen im günstigsten und im teuersten Fall weitete sich aber trotz Euro-Einführung aus, von 16 Prozent auf 27 Prozent. Das Fazit der Bundesbank lautet daher: "Weder die Gründung der Währungsunion noch die Euro-Bargeldeinführung hat für das Produkt zu einer wahrnehmbaren Anpassung der Preise geführt". Im Gegenteil: "Seit 2000 scheinen die Waschmaschinenpreise der Tendenz nach sogar auseinanderzulaufen".

Nun dürfte es nur wenige Bürger geben, die eine Waschmaschine günstiger in Deutschland kaufen und sie bis Griechenland transportieren. Sinnvoller seien die grenzüberschreitenden Käufe bei fahrbaren Waren, wie Autos oder Zweirädern. Aus der Zeit der hohen Benzinpreise ist bekannt, dass Autofahrer schon mal über die Grenze fahren, um billiger zu tanken. Aber das lohnt nur bei kurzen Strecken.

Der Euro hat nicht nur den Waschmaschinen-Test durchlaufen. Auch andere Studien zeigen, dass die gemeinsame Währung nicht zwangsläufig zu einheitlichen Preisen führt. "Eindeutige Fortschritte sind weder bei Waren noch bei Dienstleistungen erkennbar" , fasst die Bundesbank die Ergebnisse zusammen.

Eine Erklärung dafür wäre, dass es bereits vor der Einführung des Euro zu einer Angleichung der Preise gekommen ist - soweit dies in dem Gebiet der Europäischen Union möglich war.

Vor dem Euro verzerrten nicht nur die Kosten zum Umtausch der nationalen Währungen die Preise. Zwischen den europäischen Nationen gab es auch sichtbare Landesgrenzen mit Schlagbäumen. Ausweise wurden ebenso kontrolliert wie Kofferräume nach Schnaps oder Zigaretten durchsucht. Im Handel zwischen den heute im Binnenmarkt vereinten Ländern gab es Zölle, Einfuhrkontingente oder unterschiedliche technische Standards.

Die Transportkosten hingen früher nicht nur am Spritpreis, sondern auch an nationalen Vorschriften für einzelne Waren. Außerdem erhoben die EU-Länder - wie noch heute - unterschiedlich hohe Sätze bei der Mehrwertsteuer.

Leser empfehlen 

(SZ vom 24.03.2009/hgn)