Preise für Immobilien Vier Zimmer - Küche - Panik

Viele Deutsche haben Angst um ihr Geld und kaufen deshalb Immobilien. Die Preise für Wohneigentum sind zuletzt doppelt so schnell gestiegen wie üblich und Makler in Ballungsgebieten feiern Rekordumsätze. Doch Experten warnen: Langfristig wird die Nachfrage eher sinken.

Von Angelika Slavik

Als die Zeiten unruhig wurden, als sich die komplizierten Anlageprodukte mit den lustigen Namen als Müll entpuppten, als die Zukunft der Währung plötzlich in Frage stand, da entdeckten die Deutschen: das Eigenheim. In den Krisenjahren entwickelten Immobilien eine längst vergessen geglaubte Anziehungskraft. Die Makler in den Ballungsräumen vermeldeten eine Rekordnachfrage.

Eine Altbauwohnung in München - vor allem in großen Städten sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Teilweise werden selbst minderwertige Objekte in schlechten Lagen zu kühnen Preisen verkauft.

(Foto: dpa)

Manche wollten mit dem Kauf einer eigenen Wohnung vor allem ihr Geld in Sicherheit bringen, sie fürchteten die Inflation. Andere fanden, die Gelegenheit sei selten besser gewesen, um sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen: Die niedrigen Zinsen machten die Kreditfinanzierung günstig wie nie zuvor.

Wobei, günstig? Das mag für die Angebote der Banken gelten - die Preise für Häuser und Wohnungen waren es jedenfalls nicht. 2011 legten Wohnimmobilien in Deutschland einen rasanten Preisanstieg hin, schreibt die Bundesbank in einem am Montag veröffentlichten Bericht. Um durchschnittlich 5,5 Prozent verteuerten sich Immobilien im vergangenen Jahr - der Preisanstieg ist damit mehr als doppelt so hoch wie noch im Jahr 2010, als lediglich 2,5 Prozent Teuerung verzeichnet wurden.

Erstmals seit der Wiedervereinigung sei ein Konjunkturaufschwung auch wieder "mit einer markanten Preisreaktion auf den Häusermärkten verbunden", heißt es in dem Bericht. Bislang galt der deutsche Immobilienmarkt traditionell als träge, war dafür aber auch weniger anfällig für Spekulationsblasen - wie es sie zuletzt etwa in den Vereinigen Staaten oder in Spanien gegeben hatte.

Große Zuversicht

Die Bundesbank erklärt den Preisanstieg nun mit der guten Lage am Arbeitsmarkt und mit spürbaren Einkommenszuwächsen. Zudem lägen die Zinsen für ein zehnjähriges Baudarlehen mit durchschnittlich 3,6 Prozent weiterhin auf einem historischen Tiefstand. Vor allem aber, so heißt es in dem Papier der Bundesbank, sei die Zuversicht der Deutschen "in Hinblick auf Beschäftigungs- und Verdienstperspektiven" durch die jüngsten wirtschaftlichen Turbulenzen nicht beeinträchtigt worden. All das lässt die Bürger am Immobilienmarkt zuschlagen.

Besonders deutlich war der Preisanstieg in den Ballungsräumen. Reihenhäuser und Wohnungen in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern verteuerten sich 2011 sogar um sieben Prozent. Diese Entwicklung lockt nicht nur private, sondern auch institutionelle Anleger. Kürzlich zahlte das Immobilienunternehmen Patrizia mehr als 1,4 Milliarden Euro, um 21.000 Wohnungen von der Landesbank Baden-Württemberg zu übernehmen. In Bayern stehen demnächst 33.000 Wohnungen zum Verkauf, auch hier haben private Gesellschaften bereits Interesse erkennen lassen.

Doch egal ob private oder institutionelle Käufer - die Frage ist, ob ihre Rechnung aufgeht. Die Bundesbank weist zumindest kritisch auf die langfristige Prognose für den deutschen Wohnungsmarkt hin. "Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Wohnraumnachfrage in längerfristiger Perspektive wesentlich von den relativ ungünstigen demographischen Eckwerten bestimmt wird, die selbst von der sich abzeichnenden verstärkten Zuwanderung nur ansatzweise veränderbar sind", schwurbelt es sich durch den Bericht. Soll heißen: Deutschlands Bevölkerung schrumpft. Und mit ihr folglich auch der Bedarf an Wohnraum.

Die Nachfrage wird womöglich nicht immer so hoch bleiben - und dann könnten sich die Gewinnvorstellungen der Käufer als utopisch erweisen. Es sei nicht sicher, dass "steigende Kaufpreise jederzeit durch zukünftige Mieteinnahmen gedeckt werden können", schreibt die Bundesbank. Manche Städte gelten schon jetzt als überhitzt: In Hamburg oder München würden minderwertige Objekte in schlechten Lagen zu kühnen Preisen verkauft, berichten Experten.