Die Deutsche Bank steckt in neuen Nöten: Die geplante Beteiligung an der Postbank steht für den bitter notwendigen Strategiewechsel - doch der neue Partner ist selbst defizitär.

Noch im vergangenen Herbst schien die Deutsche Bank eine praktische Lösung für all ihre Probleme gefunden zu haben: Die Großbank hatte in jüngerer Zeit ganz auf das Investmentbanking gesetzt, doch im Zuge der Finanzkrise war dieses einstige Zugpferd ins Straucheln geraten. Der Ausweg: Deutschlands größte Bank wollte sich im großen Stil bei Deutschlands größter Privatkundenbank - der Postbank - einkaufen.

Logos der Deutschen Bank und der Postbank, Foto: dpa

Die Postbank sollte der Deutschen Bank neue Perspektiven verschaffen (© Foto: dpa)

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Schon im Dezember wurde allerdings klar, dass sich die Deutsche Bank mit diesem Deal verheben würde. Vorstandschef Josef Ackermann, der kurz zuvor noch betont hatte, dass er wegen der weltweiten Verwerfungen keine staatliche Hilfe brauche, musste nun doch zumindest mittelbar vom Bund gestützt werden: Damit der Postbank-Einstieg nicht noch scheitern würde, kaufte die Post ein Aktienpaket der Deutschen Bank. Im Gegenzug vereinbarte die Deutsche Bank mit ihrem neuen Partner Post, dass sie dessen Mehrheitsbeteiligung an der Postbank zu einem späteren Zeitpunkt zu einem vereinbarten Preis übernehmen werde. An der Post ist der Staat aber noch zu etwa 30 Prozent beteiligt - bei dem Institut redet die Regierung also seit Neuestem mit.

Jetzt kommt es für Deutsche Bank noch dicker. Statt einer soliden Ertragsbringerin zeigt sich die Postbank plötzlich als mögliche künftige Kostgängerin: Das Institut ist inzwischen stark defizitär. Erstmals schrieb die Postbank im vergangenen Jahr rote Zahlen.

Unter dem Strich verzeichnete das Finanzinstitut im Krisenjahr 2008 einen Verlust von 821 Millionen Euro. 2007 hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 856 Millionen Euro erwirtschaftet.

Zuversicht

Das Institut musste zur Risikovorsorge etwa 408 Millionen Euro zurücklegen, 70 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers sorgte bei der Postbank für Abschreibungen in Höhe von 35 Millionen Euro.

Für 2009 sei mit einem anhaltend schwierigen Umfeld zu rechnen, die Erträge würden entsprechend beeinträchtigt, teilte das Institut weiter mit. Der Vorstand zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Gesamtbelastungen im Jahr 2009 "deutlich unter denen des vergangenen Jahres liegen werden". "Alles in allem sind wir für das laufende Jahr vorsichtig optimistisch", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Postbank AG, Wolfgang Klein, am Donnerstag in Frankfurt. An den Märkten gebe es "erste zarte Anzeichen für eine Beruhigung der Lage", für die Postbank sei das Jahr gut angelaufen. Insgesamt sei aber die "Gefahr einer erneuten Eskalation" noch nicht gebannt. Einen Stellenabbau plant der Konzern im 100. Jahr seines Bestehens derzeit nicht.

An der Börse verlor die Aktie der Postbank in den ersten Handelsminuten in einem gut behaupteten Markt knapp zwei Prozent. Die Zahlen seien "wie erwartet schwach", hieß es.

Positiv hoben die Marktteilnehmer hervor, dass die Bank trotz der anhaltenden Krise und weiterer Belastungen ihre Mittelfrist-Ziele bestätigte. Das Institut sieht sich auf gutem Weg, mittelfristig eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 13 bis 15 Prozent zu erzielen.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum sich das Schlussquartal so verheerend auf die Postbank-Bilanz auswirkte

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