Politiker und die Occupy-Bewegung Am Anfang war eine US-Regierung

Heutzutage müssen Banken mehr als 190 Staaten finanzieren, gigantische Projekte ermöglichen, unvorstellbar viel Geld für die Gestaltung der Zukunft bereitstellen. Ohne Spekulation hätte es das Silicon Valley nicht gegeben, auch nicht andere Modernisierungsschübe der jüngeren Geschichte. Man muss sich nicht mit der Armut abfinden, darf aber doch sagen: Der Kapitalismus hat Wohlstand geschaffen, weltweit, und in Deutschland ganz besonders.

Aber es gibt Fehlentwicklungen, schwarze Schafe, falsche Anreizstrukturen - und neu ist, dass die Aussetzer einiger das ganze System gefährden. Darüber ist zu reden, hier müssen dringend Spielregeln geändert werden. Das aber wären Teilkorrekturen, kein Systemwechsel. Es ist eigenartig genug, dass sich der Zorn der Straße erst jetzt gegen die Banker entlädt und nicht vor drei Jahren - als sie es nämlich verdient hätten. Damals war die Krise geprägt von waghalsigen Konstruktionen, von ungeheurer Geldschöpfung, unverantwortlich riskanten Geschäften, kurz vom "Kasino-Kapitalismus".

Selbst damals war das nicht die ganze Wahrheit. Am Anfang der Kette war eine US-Regierung, die Menschen Hauseigentum zubilligen wollte, die sich das gar nicht leisten konnten. Da gab es Ökonomen, die Laissez-faire an den Finanzmärkten forderten und teilweise bekamen. Und hinter der Profitgier der Banken standen Millionen Anleger, auch aus Deutschland, die sich mit bescheidenen Vermögenszuwächsen nicht mehr begnügen wollten.

Heute ist die Schuld der Banken noch schwerer zu benennen. Die aktuelle Krise ist der Finanzkrise entwachsen, in der die Staaten Banken mit viel Geld retten mussten, das ist wohl wahr. Dahinter aber stehen gewaltige und davon unabhängige Schuldenstände von sehr vielen Staaten.

Die Banken haben diese Kredite gegeben, ja. Aber warum? Weil die Staaten die Rückzahlung garantierten, was immer geklappt hatte. Weil das Gesetz vorschreibt, dass eine Bank im Kreditfall Eigenkapital in Reserve halten muss, nicht aber, wenn sie diesen Kredit an Staaten gibt. Weil Versicherungen nur begrenzt vermeintlich unsichere Aktien kaufen dürfen, sie zum Kauf von Staatsanleihen vom Staat aber regelrecht gedrängt werden. Wie ist das denn, wenn der Bürger sich ein Häuschen kauft, das er sich eigentlich nicht leisten kann? Wenn das Institut Geld gibt und der Schuldner irgendwann pleite ist: Ist dann die Bank schuld - oder nicht doch vor allem der Schuldner?

Kritik an Banken ist zulässig, aber die aktuelle Krise ist zu einem großen Teil politisch gemacht - von Regierenden, die sich damit das Wohlwollen ihrer Wähler erkauften. Ein bisschen Selbstkritik täte vor allem den Politikern gut.

Mit Masken gegen Banken

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