Plus-Energie-Haus "Die Menschen sind aufgewacht"

Ein von der TU Darmstadt entwickeltes Haus gewinnt Energie. Immer mehr Bauherren setzen auf nachhaltige Gebäude.

Von Von Silke Lode

Auf den ersten Blick kann man den Holzbungalow am Münchner Marienhof für ein normales Wohnhaus halten. Oder auch für einen Messepavillon - modern, leicht und billig. Auffällig ist die große Glasfront, und das viele helle Holz, das an der Fassade verbaut worden ist. Das außergewöhnliche Gebäude ist eine Mischung aus Kraftwerk und Passivhaus, ein sogenanntes Plus-Energie-Haus.

Studenten der TU Darmstadt haben es unter der Leitung ihres Professors Manfred Hegger entworfen. Sie haben die für Passivhäuser typische kompakte Bauweise und gute Dämmung mit aktiven Systemen zur Energiegewinnung wie Solarzellen und einer Wärmepumpe kombiniert. Serienreif ist das Haus noch nicht, aber es hat im Jahr 2007 in den USA den Solar Decathlon-Wettbewerb gewonnen und tourt jetzt auf Kosten des Bundesbauministeriums durch Deutschland.

Dioden hinter Plexiglas

An den Holzschiebetüren schimmern kleine Lamellen. "Das sind Dünnschicht-Photovoltaikzellen", erklärt Jürgen Ujlaki von Schott Solar, dem Hersteller der Solarzellen. Jede einzelne Lamelle trägt ein solches Modul. Man kann einzelne Flügel aufschieben, um Licht und die wärmende Sonne ins Haus zu lassen. Wenn die Studenten der TU Darmstadt oder ihre Partner aus der Industrie Besucher durch das Gebäude führen, weisen sie stolz auf technischen Feinheiten wie die Solarlamellen hin.

Warmes Wasser wird mit Hilfe von Solarthermie erzeugt, statt mit gewöhnlichen Glühbirnen wird das Haus mit Leuchtdioden erhellt, die eine sehr lange Lebensdauer haben und selbst Energiesparlampen als Stromverschwender vorführen. "Die Beleuchtung ist trotzdem sehr angenehm, da die LEDs hinter Plexiglasscheiben angebracht sind, die das Licht streuen", sagt Tomislav Kovacevic, einer der Entwickler aus Darmstadt, der inzwischen mit seinen Kommilitonen ein Architekturbüro gegründet hat.

Eine Öl-, Gas- oder Holzheizung gibt es nicht. Doch obwohl die Haustür wegen des großen Besucherandrangs ständig offensteht und draußen frostige Temperaturen herrschen, ist es drinnen wohlig warm. "Auf dem Dach gibt es weitere Solarzellen", erklärt Kovacevic. "Mit der Sonnenenergie wird unter anderem der elektrische Motor einer Wärmepumpe betrieben, die wir zum Lüften, Heizen oder Kühlen brauchen." Ein raffiniertes System entzieht der Abluft 80 Prozent ihrer Wärme und hält diese im Haus.

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