Pleite-Bank Northern Rock Das Wrack taucht wieder auf

Die schlimme Krise im Jahr 2007? Die Staatsgelder, die das Institut bis heute bekommt? Alles egal. Die britische Pleite-Bank Northern Rock verkauft ihren Kunden hochspekulative Baufinanzierungen - eine kritische Entwicklung.

Von Andreas Oldag

Die britische Pleitebank Northern Rock hängt immer noch am Tropf des Steuerzahlers. Das hält das Institut aber nicht davon ab, seinen Kunden hochriskante Baufinanzierungen anzubieten. So will die Bank Medienberichten zufolge Hypothekendarlehen anbieten, die bis zu 90 Prozent des Immobilienwertes als Beleihungsgrundlage betragen. Bisher lag die Grenze für das Institut bei 85 Prozent.

Experten sehen die Strategie kritisch, weil das Ausfallrisiko zu hoch sein könnte. Die Erholung am britischen Immobilienmarkt lässt auf sich warten. Die Käufer halten sich zurück, da das verfügbare Einkommen auch durch die Sparmaßnahmen der Regierung gesunken ist. Im vergangenen Jahr gerieten die Hauspreise weiter unter Druck. Der durchschnittliche Wert privater Immobilien lag um etwa 13 Prozent unter dem Höchststand von Ende 2007.

Northern Rock, einst von seinen Kunden als "the rock" (der Felsen) bewundert und in den schwierigen Zeiten dann in "the wreck" (das Wrack) umgetauft, schlitterte im September 2007 in die Krise. Die Bilder von Briten, die vor den Filialen Schlange standen und ihr Erspartes retten wollten, gingen um die Welt. Nur ein Notkredit der britischen Notenbank und staatliche Garantien im Volumen von 55 Milliarden Pfund retteten Großbritanniens fünftgrößten Baufinanzierer mit Firmensitz in Newcastle vor der Pleite. 2008 wurde das Institut verstaatlicht und dann in eine Geschäftsbank und in eine Bad Bank (schlechte Bank) aufgespalten.

Die Bank, die in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres mit 140 Millionen Pfund (164 Millionen Euro) in der Verlustzone war, will nun offenbar mit den risikoreicheren und damit höher verzinsten Krediten ihre Marge steigern und neue Kunden gewinnen.

Die neue Kreditvergabe-Strategie zielt wohl darauf ab, das Institut für einen Verkauf fit zu machen. Erobert die Bank einen größeren Anteil am Hypothekenmarkt, könnte das mehr Investoren anlocken. Als Interessenten gelten das Finanzinstitut des britischen Unternehmers Richard Branson, Virgin Money, aber auch der amerikanische Investor Christopher Flowers.

Nicht nur Northern Rock, sondern auch die Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds Banking Group, an denen der Staat seit der Finanzkrise mehrheitlich beteiligt ist, kämpfen um ein Zukunftskonzept. Noch immer steht der Steuerzahler mit mehr als 500 Milliarden Pfund an Garantien für die angeschlagenen Banken gerade. RBS schloss im vergangenen Jahr mit einem Verlust von 1,13 Milliarden Pfund ab. 2008 waren es sogar noch 24,3 Milliarden Pfund gewesen. Lloyds ist immerhin auf dem Weg der Erholung. Das Institut konnte seinen Verlust von 6,3 Milliarden Pfund im Jahr 2009 auf 320 Millionen Pfund im vergangenen Jahr verringern.

Eine von der Regierung eingesetzte unabhängige Bankenkommission (Independent Banking Commission IBC) prüft derzeit, inwieweit die Banken künftig eine stärkere Trennung von Privatkundengeschäft und Investmentbanking vornehmen müssen. Dadurch soll verhindert werden, dass hochriskante Spekulationsgeschäfte Banken in den Abgrund treiben, wofür dann am Ende der Steuerzahler aufkommen muss. Ein Zwischenbericht der IBC wird Anfang April erwartet.

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