Konsequenz aus der Schuldenkrise in Griechenland: Finanzminister Schäuble hat die Schaffung eines Europäischen Währungsfonds nach dem Vorbild des IWF angeregt.
Als Konsequenz aus der Schuldenkrise in Griechenland hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Schaffung eines Europäischen Währungsfonds nach dem Vorbild des Internationalen Währungsfonds angeregt. "Wir planen keine Konkurrenzinstitution zum IWF, aber für die innere Statik der Eurozone brauchen wir eine Institution, die über die Erfahrungen des IWF und über analoge Durchgriffsbefugnisse verfügt", sagte der CDU-Politiker der Welt am Sonntag.
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Schaffung eines Europäischen Währungsfonds angeregt. (© Foto: AP)
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Nötig sei eine gründliche Diskussion über die Konsequenzen aus der Griechenland-Krise: "Dabei sollten wir keine Vorschläge von vornherein ausschließen, auch nicht die Einrichtung eines Europäischen Währungsfonds." Schäuble kündigte an, rasch konkrete Vorschläge in dieser Richtung zu unterbreiten.
"Der Euro hat sich bewährt"
Mit Blick auf die Konsequenzen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise sagte Schäuble, die europäische Wirtschafts-und Währungsunion müsse nicht komplett neu erfunden werden. Der Euro habe sich in der Krise bewährt. Gleichwohl gelte es zu prüfen, "ob Fortentwicklungen oder Ergänzungen des institutionellen Rahmens sinnvoll sein können", sagte der CDU-Politiker.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle begrüßte unterdessen, dass Schäuble seinen Vorschlag, einen europäischen Währungsfonds einzurichten, aufgegriffen habe.
Der IWF unterstützt Länder in Zahlungsschwierigkeiten mit Krediten und verlangt im Gegenzug häufig weitreichende Markt-Reformen in den betroffenen Staaten. Deutschland und die anderen Euro-Staaten haben bislang direkte Finanzhilfen für das unter einer dramatischen Staatsverschuldung leidende Griechenland abgelehnt und zugleich dafür plädiert, die griechische Krise innerhalb Europas zu lösen.
Mehr Transparenz
Auch Schäuble betonte neuerlich, die Eurozone strebe an, ihre Probleme aus eigener Kraft lösen zu können. "Die Annahme finanzieller Hilfen durch den IWF wäre meiner Meinung nach ein Eingeständnis, dass die Euroländer aus eigener Kraft ihre Probleme nicht lösen können", sagte er. Der IWF hilft bereits Ländern in Europa, so etwa Ungarn und Lettland. Ein Staat der Euro-Zone hat aber noch nie Unterstützung des IWF angefordert.
Wie zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte auch der Finanzminister für mehr Transparenz und Regulierung der Märkte für Kreditversicherungen (CDS), um Spekulationen gegen Staaten einzudämmen. Spekulationen seien zwar nicht die Ursache für die Krise, sie verstärkten sie aber. "Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere gemeinsame europäische Währung zum Spielball von international angelegten Spekulationen wird", bekräftigte Schäuble.
Wie am Freitag Merkel sagte auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Samstag den griechischen Reformbemühungen seine Hilfe zu. "Wir müssen Griechenland unterstützen, weil es eine Anstrengung unternimmt und weil es andernfalls keinen Euro mehr gibt", sagte Sarkozy. Kein Mitglied der Euro-Zone dürfe fallengelassen werden, forderte er. Sarkozy trifft am Sonntag mit Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou zusammen.
Griechische Bevölkerung ist gespalten
EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark dringt darauf, andere Staaten sollten aus der Schuldenkrise Griechenlands ihre Lehren ziehen. "Ich sage, es ist ein Weckruf, der die Regierungen dazu auffordert, die öffentlichen Haushaltsdefizite nicht ausufern zu lassen, sondern auf den Konsolidierungspfad zurückzukehren", sagte Stark in einem vorab aufgezeichneten Interview der ARD-Sendung Bericht aus Berlin.
Nach Einschätzung von Ratingagenturen und anderen EU-Regierungen steht und fällt die Glaubwürdigkeit Griechenlands mit der strikten Umsetzung der beschlossenen Sparmaßnahmen, zumal die wirtschaftliche Entwicklung des Landes die Konsolidierungsbemühungen zusätzlich gefährden könnte. Die griechische Bevölkerung ist jedoch in ihrem Urteil über die harten Einschnitte gespalten. Einer am Samstag in der Zeitung To Vima veröffentlichten Umfrage zufolge unterstützen 46,6 Prozent das drastische Sparpaket der Regierung, das unter anderem eine Anhebung der Mehrwertsteuer vorsieht. 47,9 Prozent der 1044 Befragten lehnen die harten Einschnitte ab.
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(sueddeutsche.de/Reuters/aho)
Christopher Lee zum 90.
oder ist er so sehr guter Parteisoldat? Von Frau Merkel, wobei es ihr gut angestanden hätte jene nachträglich zu erwerben, erwarte ich nicht viel finanztechnische Bildung, aber Herr Schäuble ist doch vom Fach! Ob er allerdings, heute, übersieht, was ein Europäischer Währungsfond bewirken würde, wage ich zu bezweifeln. Calvas Frage, womit denn ein solcher bestückt werden sollte, halte ich für nachrangig, denn der politische Wille, EU um keinen Preis zu gefährden, wird auch im Falle des Einrichtens eines solchen Fonds siegen, abgesehen davon die Idee, ob sich nicht private fonds einbringen mindestens auf dem Spielbein vergnügliche Aspekte hat.
Ob Griechenland aber langfristig ökonomisch wettbewerbsfähig bleibt, ist höchst fraglich, denn so richtig der Sparkurs, so verheerend die ökonomischen Folgen für das Land dennoch, da die Binnenkonjunktur auf Null gefahren werden wird.
Weshalb man die seinerzeitig passable Lösung -Stichwort Ecu - nirgendwo im Munde führt - oder ist das zu kompliziert für Berichte unter "Finanzen" - ?
Der Euroraum kann sich selbst nur helfen, wenn alle ein hartes Sparprogram auffahren. Was politisch wohl kaum durchsetzbar scheint.
Dass der Euro überbewertet ist (man schaue sich die Staatsverschuldungen und die Wirtschaftsleistungen an), daran besteht kein Zweifel. Es sind ja vorallem die starken Wirtschaftsnationen wie Deutschland und Frankreich, die nicht vom Fleck kommen, sprich, für Investoren uninteressant sind (Steuern, Arbeitsrecht, Administrationsaufwand, Arbeitszeit, etc.).
Einen Euro-Währungsfonds zu äuffnen ist eine überflüssige Idee, mal abgesehen von der Frage mit welchen Mitteln der Fonds denn überhaupt lanciert werden kann und wie, ist eher ein weiteres Vertuschungsmittel der harten Realität. Der IWF wird früher oder später eh ins Spiel gebracht werden müssen.
Was die CDS anbelangt ist's ganz einfach so, dass CDS uninteressant und überflüssig sind, wenn Staaten (oder Unternehmen) sich nicht übermässig verschulden und liquide sind. Alles andere ist geschönt und wird früher oder später so oder so eine Korrektur erfahren, meistens auf schlimmere Art und Weise. Insofern sind CDS ein gutes Mittel, wenn auch von unfähigen Politikern als gefährlich eingestuft, den realen Wert aufzuzeigen und dem übermässigen Leben auf Pump ein Ende zu setzen.
Dass man mit CDS spekulieren kann und viel Geld verdienen kann, ist vielleicht nicht ganz die feine Art, die Ursache liegt aber nicht bei den Spekulanten (die wird es immer geben, ist menschlich), sondern darin, dass die Politiker Europas in ihrem Machtwahn und der Abgehobenheit, die Realität vergessen haben. Gross mit der Giesskanne Geld verteilen, wer's bezahlt fragt keiner. Wie Kreisky (SPÖ) mal sagte: "Ein Staat kann nicht pleite gehen". Die Realität ist anders. Ein Verbot oder Einschränkung der CDS ist lediglich Symptombekämpfung.