Pfandbriefe gelten als die sicherste aller Finanzierungsquellen - dennoch brachten sie den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate an den Rand des Ruins.
Die ersten Bilder sind dramatisch. Ein Mann wirft sich von Alpträumen geplagt auf einem Bett hin und her. Eine Feuersbrunst droht seinen Besitz zu verschlingen. Ein zweiter Mann ruht entspannt auf dem Sofa. Der Grund für seinen ruhigen Schlaf liegt neben ihm auf einem Tisch: das Pfandbriefgesetz. Als ein Funke aus dem brennenden Kamin darauf überzuspringen droht, wischt er ihn mit einer Handbewegung beseite.
Pfandbrief der "Pommerschen Landschaft" aus dem Jahr 1855. (© Foto: oH)
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Eigentlich wollte Louis Hagen mit diesem Video-Clip über die Finanzkrise und den Pfandbrief eine beruhigende Botschaft unter die Journalisten bringen. Doch bezeichnenderweise missglückte dem Geschäftsführer des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (VdP) der erste Startversuch für den Film. Und natürlich dreht sich die Jahrespressekonferenz des VdP dann um die Frage, warum eine Mitgliedsbank nach der anderen, von der Hypo Real Estate (HRE) über die Landesbanken bis zu Commerzbank und Aareal Bank, nun Staatshilfe braucht - obwohl der Pfandbrief "sich auch in der Finanzkrise bewährt hat", wie VdP-Präsident Henning Rasche versichert.
Verlässliche Quelle für Banken
Pfandbriefe galten jahrzehntelang als sichere Anlage für Investoren und daher als ebenso verlässliche Quelle für Banken, um sich an den Finanzmärkten Geld zu holen. Dieses Geld nutzten sie, um Kredite für Immobilien, Staaten und Kommunen sowie den Schiffsbau zu vergeben (siehe Kasten). In der Finanzkrise waren jedoch selbst an der Sicherheit der Pfandbriefe zeitweise Zweifel aufgekommen. Vor allem Immobilienfinanzierer wie die Aareal Bank hatten noch im ersten Halbjahr 2008 die Refinanzierung über Pfandbriefe ausgedehnt. Insgesamt stiegen die Neuemissionen von Pfandbriefen 2008 noch um 13 Prozent.
Doch der Kollaps der HRE erschütterte das Vertrauen, weil erstmals eine große, teils über Pfandbriefe refinanzierte Bank vor der Insolvenz stand. Die HRE macht ungefähr zehn Prozent des deutschen Pfandbriefmarktes aus. Zwar gelten für Pfandbriefinvestoren auch im Pleitefall hohe Sicherheiten. "Auch der Pfandbrief einer HRE ist sicher", sagt Hagen. Wenn es auch nur zum Ausfall eines einzigen Pfandbriefes käme, hätte das gravierende Folgen, angesichts des Ausmaßes, in dem sich deutsche Banken über dieses Instrument refinanzieren.
In Schieflage geriet die HRE mit ihrer Tochter Depfa nicht wegen der Pfandbrief-Finanzierung sondern trotzdem. Die Probleme der Depfa resultierten nicht aus dem Pfandbriefgeschäft, sie seien bei Geschäften in Irland aufgetreten, sagt Hagen. Dort lieh sich die Bank kurzfristig Geld, ohne entsprechende Sicherheiten zu halten, und legte es langfristig an. Als die kurzfristigen Finanzierungsmärkte einfroren, brach dieses Modell zusammen. Weil andere Arten verbriefter Wertpapiere die Finanzkrise auslösten, hat auch das Image des Pfandbriefs gelitten. Die Krise hatte ihren Ursprung darin, dass Banken zweitklassige Immobilienkredite verbrieften, weiterverkauften und so aus der Bilanz bekamen.
Der Markt lebt
Professor Markus Rudolf von der WHU Otto Beisheim School of Management weist jedoch darauf hin, dass die Kredite, die hinter Pfandbriefen stehen, anders als bei amerikanischen Verbriefungsformen in der Bankbilanz blieben. "Es ist extrem unwahrscheinlich, dass eine Krise wie die momentane entstehen würde, wäre das globale System der Refinanzierung von Hypothekendarlehen wie das deutsche Pfandbriefsystem organisiert", glaubt Rudolf.
Aber jetzt kämpfen auch die Pfandbriefbanken mit den Folgen der Krise und der staatlichen Reaktion darauf. Die Bundesregierung gewährt Banken Garantien für die Ausgabe von Anleihen mit einer Laufzeit bis zu drei Jahren und erwägt, sie auf fünf Jahre auszudehnen. Zwar ist es für Emittenten günstiger, sich über Pfandbriefe zu refinanzieren als über staatlich garantierte Anleihen. Das liegt daran, dass Banken für Garantieanleihen nicht nur Zinsen an die Anleger zahlen, sondern auch Gebühren an den Staat. "Doch der Markt ist nur begrenzt aufnahmefähig, deshalb verdrängen Garantieanleihen zum Teil den Pfandbrief", sagt Hagen. "Der Pfandbrief droht durch diese Wettbewerbsverzerrung weiter an den Rand gedrängt zu werden", fürchtet Rasche.
Tot sei der Markt aber nicht. Im Januar habe sich das Geschäft wieder belebt, sogar so genannte Jumbo-Pfandbriefe, die ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro haben, konnten die Postbank und die Landesbank Baden-Württemberg wieder platzieren. Anleger fassen offenbar wieder Vertrauen in die älteste Form der Verbriefung.
- Hypo Real Estate Enteignung nur letztes Mittel 16.02.2009
- Hypo Real Estate Deutschlands tollste Bank 11.02.2009
- Martin Blessing Der Minus-Mann 09.01.2009
(SZ vom 17.02.2009/mel)
Eurovision Song Contest
Es wird nicht nur gemunkelt, dass über die Hypo Real Estate ungeliebte Risiken von der HVB Bilanz entfernt wurden - das ist explizit so und auch gar kein geheimnis. Die Hypo Real Estate vormals HVB Real Estate beinhaltete das gewerbliche Hypothekengeschäft der HVB, das in den Jahren 2001-2003 unter die Räder kam. Die Hypo Real Estate wurde damals - ausgestattet mit einem nicht unbeträchtlichen Risikoschirm (ich glaube mich erinnern z können, dass es etwa EUR 750 Mio - EUR 800 Mio waren) mit dem Ziel abgespalten, das Portfolio abzubauen. Der Risikoschirm wurde voll ausgenutzt und das alt Portfolio schneller als ursprünglich geplant abgebaut. Eventuelle Haftungsfragen sind komplett Gegenstandslos.
nach wie vor eine sichere Angelegenheit. Es kommt drauf an was gemacht wird.
Das Problem sind die emittierenden Institute, die sich zum Teil nicht nur auf die Vergabe von mit werthaltigen Grundschulden und Hypotheken besicherten Krediten begnügen wollten, sondern zur Steigerung der Rendite und des "shareholder value" noch andere Dinge trieben, wie zum Beisoiel Fristentransformation großen Umfang. Solange die Zinsstrukturkurve normal ist, das heißt kurzfristige Kredite einen niedrigeren Zinssatz haben als langfristige, ist dies ein einträgliches Geschäft. Das Risiko liegt darin, daß eine Zinstruktur auch invers werden kann und in bestimmten Konjunkturphasen oder wenn die Angst zusammen mit der Gier regiert, auch wird.
Die Risiken der Fristentransformation haben schon viele Institute in der Vergangenheit erfahren, die DZ Bank zum Beispiel. Das Rad, das die Hypo Real Estate bzw. deren irische Tochter Depfa Bank plc drehte, war wohl etwas zu groß.
Außerdem wird gemunkelt, daß bei Gründung der HRE die HypoVereinsbank ihre schlechten Risiken entsorgte. Zur Erinnerung, die HypoVereinsbank übernahm vom Fusionspartner Bayerische Hypotheken- und Wechselbank ein exquisites Portfolio Kredite, Beischerung Zweifel an der Werthaltigkeit aufkommen ließ. Vielleicht sollte mal die Schaffung der HRE durch die HypoVereinsbank und eventuelle Haftungsfragen etwas genauer besehen werden.
Der beste Witz am Rande ist, das die DePfa ursprünglich der Bundesrepublik Deutschland gehörte und 1991 im Zuge eines Börsenganges privatisiert wurde. Anscheinend ist eine Privatisierung kein Garant für einen langfristigen Unternehmenserfolg. Dies sollten sich die inzwischen etwas ruhiger gewordenen Privatisierungsmarktschreier durch den Kopf gehen lassen.