Ein Jahr nach den pompösen Spielen veröden in China Hotels, Bürotürme, Stadien - und die Hoffnung auf politischen Wandel und Verbesserung der Menschenrechte sinkt.
Das größte verlassene Vogelnest der Erde steht in Peking. Das Olympiastadion wird kaum noch genutzt. Straßenhändler verhökern vor seinen Toren falsche Goldmedaillen an Touristen. "Olympische Goldmedaillen, billig, billig", rufen sie. Touristen zahlen dafür, die leere Arena fotografieren zu dürfen. Aber als Sportstadion oder für Konzerte ist der riesige Prestigebau mit seinen 90.000 Plätzen zu groß. Genau ein Jahr nach den Olympischen Spielen in Peking symbolisiert das Vogelnest das zweifelhafte Erbe dieser Mega-Party.
Das riesige Olympiastation von Peking, genannt "Vogelnest", ist verwaist. Allenfalls dient es noch als Kulisse - hier für ein öffentliches Tischtennisturnier. (© Foto: Reuters)
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Wie schon bei der Eröffnungsfeier am 8. August 2008 soll nun wieder Regisseur Zhang Yimou mit einem Massenspektakel das Nest füllen. Zum 60. Geburtstag der Kommunistischen Partei im Herbst wird der Künstler seine Version der Puccini-Oper Turandot neu inszenieren. Die Olympiastätte dient also weiter dem propagandistischen Glanz der Einparteien-Diktatur. Kritische Fragen hingegen, welches wirtschaftliche Erbe diese Spiele der Stadt hinterlassen haben, Fragen also, wie sie in jeder anderen ehemaligen Olympiastadt selbstverständlich wären, dürfen von Chinas gleichgeschalteter Presse nicht gestellt werden.
Leerstand allenthalben
Mehr als 100 Millionen Euro Profit wollen die Kommunisten mit den Spielen gemacht haben. Aber wer glaubt das in einem Land, in dem Wirtschaftsstatistiken genauso gefälscht werden wie das Alter der turnenden Olympiakinder? Der "post-olympische Blues" jedenfalls ist in Peking deutlich zu spüren. Dass kurz nach den Spielen die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen ist, hat die Sache nicht besser gemacht.
Die Hotels in Peking waren in diesem Juni nur zu 49,7 Prozent belegt. Und die Zimmer, die noch gebucht waren, erwirtschafteten 28,1 Prozent weniger Einnahmen als im Vorjahr. Im "Central Business District" der Hauptstadt stehen viele Bürohochhäuser leer, die im vorolympischen Bauboom wie Bambussprossen hochgeschossen waren.
Doch ein Regime, das seinen Bürgern gegenüber nicht rechenschaftspflichtig ist, braucht sich um all das keine Sorgen zu machen. Die ganz großen Immobiliengeschäfte, möglicherweise ein heimlicher Hauptgrund für die Ausrichtung olympischer Spiele schlechthin, hatten die Parteibonzen ohnehin schon im Vorfeld gemacht.
Nur hier und da musste einer geopfert werden, der es übertrieben hatte. Du Shicheng, Ex-Parteisekretär von Qingdao, wo die olympischen Segelwettbewerbe ausgetragen wurden, war schon vor den Spielen verhaftet worden, weil er knapp eine Million US-Dollar an Bestechungsgeldern kassiert hatte.
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und die Realität so biegen, wie sie gebraucht wird, auch - klaro. Oder ist Realität sowieso verbogenen Wirklichkeit - an die Philosophen, Taoisten und Konfuzianer im Kader gerichtet?
Die Leerstände und die unveränderte Lage der Menschrechte waren doch absehbar. So what? Dabeisein ist alles.
gerade Events, die Moral, Ethik und Völkerverbund gespiegelt in der Verbindung von Ego und Körper nach altem griechischem Ideal, hoch halten möchten - gerade diese Events sind Indikatoren für grosse Realitäten. Solche Indikatoren sind für das überlebensnötige Feedback unabdingbar.
Über den chinesischen KADER und Bonzen muss hier nicht wieder von mir geschrieben werden: ich setze auf das Kulturmenschen Chinas. Und auf die 55 "integrierten" Völker, die auf Autonomie hoffen dürfen. Und ich setze auf den natürlichen und wissenschaftlich begründeten Zerfall grosser Einheiten. Dagegen stinkt auch der chinesische Kader nicht an.
So sehr ich die Berichterstattung aus Peking schätze, in zwei wichtigen Punkten dieses Artikels hat Henrik Bork Unrecht. Erstens ist nächstes Jahr nicht der sechzigste Geburtstag der Partei, die wurde schon 1921 gegründet. Es ist der sechzigste Jahrestag der Ausrufung der Volksrepublik. Und zweitens stimmt es nicht, dass sich die chinesische Regierung weigert die Schadstoffe in der Luft zu messen. Aktuelle Daten finden sich auf der Seite des Umweltschutzministeriums unter www.mep.gov.cn. Strittig ist eher die Kategorisierung der Messwerte. Sprich, was ist ein "blauer Tag", ab welchen Grenzwerten gilt die Schadstoffkonzentration als gesundheitsgefährlich. Da legt China gänzlich andere Maßstäbe an als die EU oder die WHO. Dass sie sich weigern die Schadstoffe überhaupt zu messen kann aber nicht behauptet werden.
Es hat doch im Ernst niemand geglaubt, dass wegen ein paar Sportlern dieses Unterdrückerregime seinen Kurs ändert. Der ganze "Aufschwung" Chinas ist doch nur möglich, weil die Massen klein gehalten werden. Ein kommunistischer Kapitalismus - dass ich sowas noch erleben darf!
Paging