Das EU-Rettungspaket für die Hellenen zeigt: Der Europäische Währungsfonds arbeitet bereits - obwohl es ihn noch gar nicht gibt.
Giorgos Papandreou hat ein drastisches Bild verwendet, um den jetzt beschlossenen Notfall-Mechanismus zur Stützung seines Landes zu beschreiben. Der Revolver liege geladen auf dem Tisch. Er zeigt nach Meinung des griechischen Regierungschefs auf die Spekulanten, die es nun nicht mehr wagen könnten, auf eine Pleite des Euro-Mitglieds Griechenland zu wetten. Es ist die letzte Drohung aus dem taktischen Arsenal Papandreous und seiner EU-Partner. Gelingt es nun Athen trotzdem nicht, in den nächsten Tagen Milliarden am Kapitalmarkt einzusammeln, muss und wird tatsächlich Geld vom IWF, aus Deutschland und anderen EU-Staaten nach Griechenland fließen.
Weg aus der Krise: Die EU leiht dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou und seinem Finanzminister George Papaconstantinou (Foto) ein Stück des Vertrauens, das Investoren in die Eurostaaten haben. (© Foto: Reuters)
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Papandreous Mittel und Möglichkeiten sind zu Ende. Die Gläubiger Griechenlands glauben von Woche zu Woche weniger, dass das Land seine Schulden aus eigener Kraft zurückzahlen kann. Spekulanten haben zunächst getestet, ob die Euro-Partner Griechenland stützen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen bejahten die Frage widerstrebend, doch das reichte nicht. Die Investoren wollten wissen, zu welchem Preis das Geld der Partner fließen wird.
Jetzt steht fest, sie werden Zinsen verlangen, die Athen tragen kann und die weit unter den letzten Marktzinsen liegen. Das ist eine Subvention, auch wenn nun die Marktzinsen wieder sinken dürften. Die EU-Partner und der IWF leihen Griechenland ein Stück des Vertrauens, das Investoren in ihre Stärke haben. Das ist gut so, denn die Hellenen sind Teil einer Währungsunion, von der alle Partner politisch wie wirtschaftlich profitieren.
Die jetzt gefundene Lösung zeichnet zugleich einen Weg für das weitere Krisenmanagement vor. Auch Portugal, Spanien, Irland und Italien haben hohe Haushaltsdefizite und könnten einmal Probleme bekommen, ihre Schulden zu bedienen. Merkel und Co. werden diesen Partnern nicht verwehren können, was sie Athen gewährten.
Auch künftig dürften die Euro-Staaten schwächelnden Mitgliedern der Währungsunion zu Konditionen helfen, die den Zinsen und Auflagen des IWF ähneln. Faktisch entsteht ein Europäischer Währungsfonds, ehe er formal gebildet wurde. Wichtig ist nun, rasch die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Eurozone stärker zu integrieren, damit Stützungsaktionen wie die für Griechenland so selten wie möglich nötig werden.
Den Euro könnte die Aussicht auf weitere Hilfen für schwache Mitglieder mittelfristig schwächen. Ein Drama ist das vorerst nicht, die Währung bewegt sich auf hohem Niveau. Ein etwas schwächerer Euro könnte der Union helfen, aus der Rezession zu finden. Wie schwer das wird, zeigt wiederum Griechenland: Seit die Regierung dort einen harten Sparkurs angekündigt hat, ist die Konjunktur erneut eingebrochen. Die Hilfen der EU-Partner sind nur ein kleiner Schritt zur Gesundung, sie kaufen Zeit. Es ist dies Zeit, die Papandreou braucht, um Griechenland behutsam zu sanieren, ohne die soziale Kluft im Land zu vergrößern.
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(SZ vom 12.04.2010/hai/tob)
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Immer wenn es um die EU und vor allem um ihre Wirtschaft und ihre Finanzen geht strotzen die SZ-Artikel nur so von Perlen. So wie diese hier:
"Griechenland importiert Vertrauen"
Und vor allem fremdes Geld fuer lau. Da ist leicht vertrauen.
"Das ist gut so, denn die Hellenen sind Teil einer Währungsunion, von der alle Partner politisch wie wirtschaftlich profitieren."
Wirklich? Wie bei Animal Farm - alle sind gleich und alle profitieren. Nur scheint es dass ein paar "Partner" ein bisschen mehr profitieren...
"Auch Portugal, Spanien, Irland und Italien haben hohe Haushaltsdefizite und könnten einmal Probleme bekommen, ihre Schulden zu bedienen."
Echt? Gut dass alle "profitieren" denn das ist das ja kein Problem, oder?
"Merkel und Co. werden diesen Partnern nicht verwehren können, was sie Athen gewährten."
Das stimmt leider. Aber, kein Problem, siehe oben.
"Faktisch entsteht ein Europäischer Währungsfonds,..."
Tja. Der Euro ist die einzige individuelle Waehrung der Welt die ihren eigenen Währungsfonds braucht. Wie der IWF halt - und wem hilft der in der Regel? Genau...
"Seit die Regierung dort einen harten Sparkurs angekündigt hat, ist die Konjunktur erneut eingebrochen."
Erstaunlich in einem Land in dem der Staat die treibenden Wirtschaftskraft ist - wer haette des gedacht?
Es ist abzusehen dass Merkel Griechenland so professionell rettet wie das Weltklima.
Operation Griechenland gelungen, Patient Deutschland tot.
Fuer die aktuelle Regierung sieht es doch so aus : die Schulden sind schon sehr hoch, die eigene Klientel zwingt zu noch mehr Schulden, der einzig einigende Glaube heisst "Wachstum" - heisst Export - also hilft nur eins : Inflation, zumindest gedaempft. Und raten Sie mal, wer dabei der Dumme ist? Richtig, der Arbeitslose, der Rentner,...
Also laesst sich Ihre Frage ("wie bekloppt sind wir?") zumindest fuer die schwarz-gelb-Waehler relativ einfach beantworten.
Ja ja , Herr Hesse ! Die Zeit , oder besser : den Audschub , kaufen die EU-Partner für sich selbst ! Es steht doch jetzt schon fest , dass sie mit der "Hilfe" nur die Wahl zwischen Pest und Cholera haben .
Und am schönsten auch der Schlußsatz :
"Es ist dies Zeit, die Papandreou braucht, um Griechenland behutsam(!) zu sanieren(!), ohne die soziale Kluft im Land zu vergrößern. "
Die Konjunktur ist schon "behutsam" eingebrochen - wer hätte das gedacht ! Und Griechenland "sanieren" ? Was könnten Sie damit meinen , Herr Hesse ? Absinken auf das Armutsniveau eines Drittweltlandes ?
Rettung kommt. Die Retter rufen hinunter: "Hier ist die Bergwacht!"
Die Antwort: "Mir gäben Nichts!"
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