Ein Kommentar von Ulrich Schäfer

Außer Kontrolle: Die Hüter der Währung werfen mit dem Geld um sich, um das restliche Vertrauen in einen baldigen Aufschwung noch aufrechtzuerhalten.

Für die gefallenen Helden der Wall Street war Alan Greenspan so etwas wie ein Gott, und die Institution, die er leitete, die amerikanische Notenbank, galt als nahezu unfehlbar. Die Federal Reserve Bank lieferte den Stoff, den die Investmentbanker für ihre riskanten Geschäfte benötigten, sie versorgte die amerikanische Wirtschaft mehr als reichlich mit Geld und trug entscheidend dazu bei, dass erst die Aktienkurse ins Unermessliche stiegen, und später auch die Preise für Häuser.

Notenbanken: Die Machtlosen

Um der Krise Herr zu werden, schmeißen die Notenbanken die Geldpressen an. (© Foto: Reuters)

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Die Fed hat die Amerikaner reicher gemacht. Sie war ein Garant des Wohlstands, ein zentraler Teil der entfesselten Marktwirtschaft, die sich seit den 80er Jahren rund um den Globus herausgebildet hat. Die Fed genoss einen Ruf wie einst die Bundesbank, über die der Franzose Jacques Delors, einer der Väter der europäischen Einigung, einmal gesagt hat: "Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle an die Bundesbank."

Dieser Glaube, dass die Notenbanken stets alles im Griff haben und den Wert des Geldes jederzeit stabil halten, gerät in der Weltwirtschaftskrise - wie so vieles - ins Wanken. Denn die Hüter der Währung, die Herren des Geldes, wie sie oft genannt werden, hüten das Geld nicht mehr, sondern werfen damit um sich. In den USA, aber auch in Europa und Japan schaufeln sie gewaltige Beträge auf die Kapitalmärkte: erst Dutzende, dann Hunderte von Milliarden Euro, Dollar und Yen. Sie versuchen so, den Wert der wichtigsten Währung aufrechtzuerhalten, den es in einer Marktwirtschaft gibt: den Wert des Vertrauens. Doch eben dieses Vertrauen in einen baldigen Aufschwung, in ein schnelles Ende der globalen Rezession schwindet.

Die amerikanische Notenbank hat deshalb nun ihre Krisenhilfe auf einen Schlag um eine Billion erhöht. Erstmals leiht sie der Regierung in Washington sogar direkt Geld. Die wichtigste Zentralbank der Welt wirft damit die Notenpresse an und versorgt nicht mehr nur die Geschäftsbanken mit Geld, sondern finanziert direkt die Schulden der Regierung Obama. So etwas hat es seit Jahrzehnten nicht mehr geben. Insgesamt über drei Billionen Dollar hat die Fed damit nun im Kampf gegen die Krise eingesetzt. Drei Billionen Dollar: Das entspricht den Schulden, die die ersten 42 Präsidenten der USA von George Washington bis Bill Clinton aufgehäuft haben.

Doch all die Billionen scheinen nichts zu nützen. Verzweifelt stemmen sich die großen Notenbanken der Welt gegen eine Krise, die ihre Kräfte zu übersteigen scheint. Die Wirtschaft stürzt seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers in atemberaubenden Tempo ab. Der Welthandel bricht ähnlich rapide ein wie vor acht Jahrzehnten. Die Wirtschaft steckt in jener "Liquiditätsfalle", die der britische Ökonom John Maynard Keynes bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts als Grund für die Große Depression ausgemacht hat: Es ist Geld in Hülle und Fülle vorhanden, mehr als genug - doch kaum jemand mag es ausgeben.

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