Ehemaliger Hedgefonds-Manager verurteilt Rigoros gegen den Insiderhandel

Die theoretisch mögliche Höchststrafe liegt bei 205 Jahren, schon auf jeden einzelnen Anklagepunkt stehen bis zu 20 Jahre Gefängnis und Geldstrafen bis zu fünf Millionen Dollar: Ein Gericht in New York hat den Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam des Insiderhandels für schuldig erklärt.

Von Nikolaus Piper, New York

In einem historischen Urteil hat die Jury beim US-Distriktgericht in Manhattan den wegen Insiderhandels angeklagten Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam in vierzehn Punkten des Wertpapierbetrugs und der Verschwörung für schuldig befunden. Das Urteil ist damit überraschend hart ausgefallen. Das Verfahren gegen Rajaratnam, Gründer des Hedgefonds Galleon, ist eines der größten gegen Insiderhandel in der Geschichte der Wall Street.

Schuldig des Wertpapierbetrugs und der Verschwörung: der Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam.

(Foto: dpa)

Das Strafmaß wird von dem zuständigen Richter in New York am 29. Juli festgelegt. Für jeden der Anklagepunkte drohen dem Verurteilten zwischen fünf und 20 Jahre Gefängnis und Geldstrafen zwischen 250.000 und fünf Millionen Dollar. Die theoretisch mögliche Höchststrafe liegt laut Angaben der Staatsanwaltschaft bei 205 Jahren Haft.

Die Jury aus acht Frauen und vier Männern war nach elf Verhandlungstagen zu ihrem Urteil gekommen. Rajaratnams Anwälte beteuerten dagegen immer wieder die Unschuld des Hedgefonds-Managers. Der führende Anwalt des Verteidigungsteams, John Dowd, erklärte, sein Mandant werde in die Berufung gehen.

Kaution von 100 Millionen Dollar

Bis zur Festsetzung des Strafmaßes wird Rajaratnam unter elektronischer Bewachung nach Hause entlassen. Er hatte nach seiner Festnahme eine Kaution von 100 Millionen Dollar hinterlegt, die durch 20 Millionen Dollar in bar gesichert war. Die Staatsanwälte hatten Bedenken gegen die Freilassung angemeldet. Die Fluchtgefahr sei groß und der Verurteilte habe noch umfangreiches Vermögen im Ausland.

Das Urteil ist ein großer Erfolg für den US-Staatsanwalt Preet Bharara, der es sich nach dem Ende der Finanzkrise zum Ziel gesetzt hat, mit dem Insiderhandel in der Finanzwirtschaft rigoros aufzuräumen. Deshalb bedeutet das Urteil auch einen Einschnitt für die Wall Street.

Die Staatsanwälte warfen Rajaratnam und anderen Mitarbeitern von Galleon vor, zwischen 2003 und 2009 systematisch von börsennotierten Formen sensible Geheiminformationen gesammelt und auf deren Basis Börsenwetten abgeschlossen zu haben. Zu den fraglichen Firmen gehören Goldman Sachs, IBM, McKinsey, Moody's, Market Street Partners, Akamai Technologies und Polycom.

Ein entscheidender Punkt in der Klage waren Rajaratnams Beziehungen zu der Investmentbank Goldman Sachs. So hat Rajat Gupta, ein Verwaltungsrat bei Goldman und früherer Direktor der Unternehmensberatung McKinsey laut Anklage Rajaratnam vorab von einem drohenden Quartalsverlust unterrichtete. Wegen dieses Vorwurfs musste auch Goldman-Chef Lloyd Blankfein als Zeuge vor Gericht aussagen. Insgesamt soll Galleon durch Insiderhandel 68 Millionen Dollar an illegalen Gewinnen gemacht haben.

Rajaratnam war im Oktober 2009 festgenommen worden. Mehrere Manager, die die Staatsanwälte als Mitverschwörer angeklagt hatten, haben sich inzwischen für schuldig erklärt. Ungewöhnlich an dem Verfahren gegen den Galleon-Gründer war auch die Tatsache, dass die Ermittler in großem Umfang auf abgehörte Telefongespräche setzten.

Ohne solche Instrumente ist Insiderhandel oft schwer nachzuweisen, weil er sich in einer Grauzone von Erlaubtem und Nicht-Erlaubtem abspielt. In einem der abgehörten Gespräche hatte Rajaratnam einem Bekannten gesagt: "Ich habe gestern von jemanden aus dem Verwaltungsrat von Goldman gehört, dass sie zwei Dollar pro Aktie Verlust machen werden. Die Wall Street erwartet einen Gewinn von 2,50 Dollar." Die Verteidiger des Verurteilten erklärten dagegen, genau diese Abhörpraxis zum Thema im Berufungsverfahren zu machen. Auf jeden Fall wird in New York erwartet, dass solche Abhöraktionen künftig zum Standard im Kampf gegen Insiderhandel gehören werden.

Aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet

Galleon gehörte ursprünglich zu den zehn größten Hedgefonds der Welt und verwaltete 2008 über sieben Milliarden Dollar. Der heute 53 Jahre alte Rajaratnam hatte den Fonds 1997 gegründet. Er ist ein Einwanderer aus Sri Lanka, der sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet hat. Wie das Magazin Forbes schrieb, hatte er im Jahr 2009 ein Vermögen von 1,3 Milliarden Dollar und stand auf der Liste der reichsten Menschen der Welt an 559. Stelle.

Staatsanwalt Preet Bjarera unterstrich in einer Erklärung die grundsätzliche Bedeutung der Verfahrens: "Die Botschaft heute ist klar: Es gibt Regeln und Gesetze, und sie gelten für jedermann, unabhängig davon, wie viel Geld er haben mag. Verbotener Insiderhandel sollte jeden empören, der an Finanzmärkte glaubt und sich auf sie verlässt. Insiderhandel hintergeht den normalen Anleger, macht die Firmen, deren Informationen gestohlen werden, zu Opfern und ist ein Affront nicht nur gegenüber der Fairness auf den Märkten sondern auch gegen die Herrschaft des Rechts."

In 18 Monaten hatten die Strafverfolger 47 Einzelpersonen des Insiderhandels angeklagt. Die Staatsanwaltschaft werde weiter "gegen die vorgehen, die glauben, über dem Gesetz zu stehen oder zu klug zu sein, um erwischt zu werden."