Jürgen Schrempp träumte vom deutsch-amerikanisch-japanischen Konzern und schuf den drittgrößten Autobauer der Welt. Damit ist sein Nachfolger Dieter Zetsche bis heute beschäftigt - Die Chronologie der Mega-Fusion.

Mai 1998 Der Stuttgarter Autohersteller Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation mit Sitz in Detroit schließen sich nach mehrmonatiger Vorbereitung zusammen. Die Chefs beider Unternehmen, Jürgen Schrempp (Daimler-Benz) und Robert Eaton (Chrysler), geben die Megafusion vor der Presse in London bekannt. Mit dem Zusammenschluss entsteht der drittgrößte Autokonzern der Welt. Werksschließungen oder Entlassungen soll es nicht geben, versprechen Schrempp und Eaton. Sie wollen den Konzern drei Jahre lang gemeinsam leiten. Schrempp spricht von einer "Hochzeit im Himmel".

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September 1998 Nachdem die EU-Kommission und die US-Kartellbehörde mit der Fusion einverstanden sind, stimmen auch die Aktionäre von Daimler mit über 99 Prozent und die Chrysler-Eigner mit mehr als 97 Prozent zu.

November 1998 Am 17. November betreten die Aktien von DaimlerChrysler erstmals das Parkett und werden zu 66,50 Euro gehandelt.

Juli 2000 DaimlerChrysler beteiligt sich mit rund vier Milliarden Mark am japanischen Autobauer Mitsubishi. Der Konzern zahlt auch 428 Millionen Dollar für eine zehnprozentige Beteiligung am südkoreanischen Fahrzeughersteller Hyundai. Beide Investitionen werden in den nächsten Jahren bei DaimlerChrysler überwiegend begativ zu Buche schlagen. Schließlich zieht der Vorstand 2005 die Notbremse und trennt sich wieder vollständig von beiden Beteiligungen.

November 2000 Zwei Jahre nach dem ersten Handelstag des deutsch-amerikanischen Konzerns entpuppt sich die US-Tochter als überteuerter Bremsklotz. Chrysler schreibt im dritten Quartal rote Zahlen. Das Minus beträgt 600 Millionen Euro. Schrempp schickt Chrysler-Chef James Holden in die Wüste und wird alleiniger Vorstandschef des Konzerns. Für Holden geht der Deutsche Dieter Zetsche nach Detroit. Der bisherige Chrysler-Nutzfahrzeugchef versucht, mit Streichungen den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Sechs Werke und 26.000 Jobs fallen seinem Rotstift zum Opfer. Dem von asiatischer Konkurrenz bedrängten US-Unternehmenszweig geht es unter Zetsches Führung allmählich wieder besser.

Oktober 2000 Konzernchef Schrempp äußert in einem Interview die Ansicht, er sehe die Fusion beider Autokonzerne nicht als Zusammenschluss unter Gleichen.

November 2000 Der US-Investor Kirk Kerkorian klagt gegen DaimlerChrysler. Er sei benachteiligt worden, weil die angebliche Fusion von Gleichen im Jahr 1998 eine Übernahme gewesen sei. Ein US-Gericht weist Kerkorian schließlich ab.

Februar 2001 Die Rabattschlacht in den USA belastet Chrysler. Daimler pumpt vier Milliarden Euro in die Sanierung der US-Tochter, damit die 2002 wieder schwarze Zahlen schreibt. Der Konzern kündigt an, wegen der Verluste bei Chrysler 2001 in die roten Zahlen zu rutschen.

Februar 2002 Chrysler fährt fünf Milliarden Euro Verlust ein. Zetsche will die Sanierung beschleunigen.

Januar 2004 Der operative Jahresgewinn von DaimlerChrysler bricht im Geschäftsjahr 2003 von 6,8 Milliarden auf 5,6 Milliarden Euro ein. Für diesen Zeitraum weist Chrysler einen Verlust von 506 Millionen Euro aus. Geplant war wenigstens eine schwarze Null.

Februar 2005 Die Sanierungsbemühungen zeigen allmählich Wirkung: Das Sorgenkind fährt aus den roten Zahlen. Chrysler trägt einen operativen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro zum DaimlerChrysler-Ergebnis bei. Dafür brechen die Ergebnisse von Mercedes wegen Qualitätsproblemen ein - um Synergien zu nutzen, baute der Konzern Chrysler-Bestandteile bei Mercedes ein.

Juli 2005 Nach dem Ausstieg bei Mitsubishi und den Problemen bei Mercedes und Smart gibt Schrempp seinen Rücktritt zum Ende des Jahres bekannt.

Januar 2006 Dieter Zetsche wird als Nachfolger von Schrempp Vorstandsvorsitzender des Konzerns.

September 2006 Für das laufende Jahr werden hohe Verluste bei der US-Sparte erwartet. Zetsche muss seine Gewinnprognose für 2006 senken.

Februar 2007 Chrysler meldet für 2006 einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro. Zetsche kündigt dort tiefe Einschnitte an. Bis 2009 sollen bei Chrysler 13.000 Stellen gestrichen und die Produktion um 400.000 Fahrzeuge verringert werden. Erstmals schließt der Konzernchef eine Trennung von Chrysler nicht mehr aus.

April 2007 Der Vorstandschef bestätigt erstmals Gespräche mit potenziellen Interessenten für die angeschlagene US-Tochter.

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(sueddeutsche.de/dpa/AFP)