Von Martin Hesse

Der Entry Standard der Deutschen Börse zieht viele Firmen an - ist aber nichts für Kleinanleger / Kaum Transparenz und nur wenige Regeln.

Der Entry-Standard der Deutschen Börse ist zugleich ein großer Erfolg und eine ziemliche Enttäuschung. Seitdem die Börse das Segmentes am 25. Oktober 2005 als Einstiegsplattform für Neulinge kreiert hat, haben sich dort 84 Unternehmen notieren lassen - das ist beachtlich.

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Der Entry-Standard-Index, der die 30 meistgehandelten Aktien umfasst, liegt jedoch trotz der Hausse der vergangenen Jahre nur knapp zehn Prozent über seinem Startniveau von 1000 Punkten. Seit seinem Hoch bei 1652 Punkten, erreicht im April 2006, hat der Index sogar fast 34 Prozent verloren. Für Anleger hat das junge Segment also schon jede Menge Enttäuschungen bereit gehalten. Mit dem Telefondienstleister Eutex gab es Anfang 2007 bereits die erste Pleite.

Da mag sich manch einer an den Neuen Markt erinnert fühlen, der zunächst binnen weniger Jahre aufblühte und dann noch schneller in sich zusammenfiel. Doch der Entry Standard ist kein neuer Neuer Markt. So predigt es die Deutsche Börse, die das Negativ-Image des 2003 beerdigten Skandal-Segmentes vom Entry Standard fernhalten möchte. Und tatsächlich gibt es mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen beiden Börsensegmenten.

Die Börse richtet sich jetzt an andere Zielgruppen

So sind die Anforderungen für Firmen, die in den Entry Standard wollen, geringer als einst am Neuen Markt. "Der Entry Standard ist eher eine aufgehübschte Version des Freiverkehrs, die Transparenz ist sehr gering", sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Die Unternehmen müssen keinen Börsenprospekt vorlegen, 75 Prozent tun es nach Angaben der Börse dennoch. Die Standards, die einst am Neuen Markt galten, entsprechen eher den Vorschriften des heutigen Prime und General Standards.

Und so finden sich auch die ehemaligen Neuer-Markt-Unternehmen, sofern sie überlebt haben, in diesen strenger regulierten Segmenten und nicht im Entry Standard.Trotz der geringen Anforderungen in dem neuen Segment, haben Experten von den dort notierten Firmen eine gute Meinung. "Die Qualität der Unternehmen ist höher als zu Zeiten des Neuen Marktes", sagt Heinrich Lind, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Negativschlagzeilen seien bisher selten, die Geschäftsmodelle seien in der Regel ausgereifter.

Die Börse richtet sich mit dem Entry Standard an eine andere Zielgruppe als zur Zeit des Neuen Marktes. "Damals ging es vorwiegend um junge Firmen aus neuen Technologiebranchen, heute sollen auch typische Mittelständler aus etablierten Industrien angesprochen werden", sagt Lind. Darin ähnelt das Segment eher der lose regulierten, britischen Börsenplattform AIM. Über den Entry Standard tasten sich Firmen an die Börse heran.

Aktien im Wert fünf Millionen Euro

Etwa die Hälfte der Unternehmen lässt sich zunächst nur notieren, ohne neue Aktien auszugeben. Sie haben das Ziel, sichtbarer zu werden, vielleicht später eine Kapitalerhöhung durchzuführen oder in ein Börsensegment zu wechseln, wo mehr Anleger aktiv sind. Drei Firmen haben diesen Schritt bereits gemacht. Im Entry Standard werden durchschnittlich am Tag nur Aktien im Wert von drei bis fünf Millionen Euro gehandelt.

Das ist auch der Grund, weshalb sich der Entry Standard nicht für Firmen eignet, von denen Risikokapitalgeber sich trennen wollen. "Wir sehen den Entry Standard nicht als Exit-Markt", sagt Roland Manger, Partner bei der Venture-Capital-Firma Earlybird. Die geringe Liquidität mache es schwer, große Aktienpakete zu platzieren.

Wer aussteigen wolle, bringe seine Firma lieber in den Prime Standard. Dennoch schließe der Entry Standard eine Lücke: "Wenn eine Firma außerhalb der Börse nicht genügend Risikokapital bekommt, kann sie sich dort notieren lassen und zusätzliches Geld hereinholen", erklärt Manger. So könnten auch Venture-Capital-Firmen die Plattform als Vorstufe zum Ausstieg nutzen.

Aus Anlegersicht ist der Entry-Standard allerdings mit Vorsicht zu genießen: "Für Privatanleger ist es sehr riskant, dort Geld zu investieren", sagt DSW-Sprecher Kurz. Es sei zu begrüßen, dass sich in dem Segment vorwiegend institutionelle Investoren tummeln. Auch das war am Neuen Markt anders.

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(SZ. v. 05.03.2007)