Bayerns Sparkassen wollen das Angebot der Staatsregierung annehmen und die Mehrheit an der BayernLB kaufen. Gleichzeitig soll der Weg für die viel diskutierte Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg zum zweitgrößten deutschen Finanzinstitut frei gemacht werden.
Bayerns Sparkassen wollen das Angebot der Staatsregierung annehmen, die Mehrheit an der Bayerischen Landesbank (BayernLB) zu erwerben. Gleichzeitig mit diesem Schritt soll die seit langem diskutierte Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg zum zweitgrößten deutschen Finanzinstitut erfolgen. Der Umfang der drohenden Kreditausfälle könnte sich weiter erhöhen.
Bayerns Sparkassen wollen das Übernahme-Angebot der Staatsregierung annehmen und die Mehrheit an BayernLB kaufen. (© Foto: dpa)
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Siegfried Naser, der Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes, begrüßt das Angebot von Finanzminister Erwin Huber (CSU), den kommunalen Kreditinstituten die Mehrheit an der Landesbank zu überlassen. Naser sagte am Wochenende der Süddeutschen Zeitung, er wolle den Sparkassen und den Kommunen vorschlagen, darüber zu verhandeln.
"Ich habe Huber bereits im Oktober 2007 informiert, unter welchen Bedingungen ich bereit bin, solche Gespräche anzuregen. Dieses Angebot, über den Erwerb von Anteilen des Freistaats an der Landesbank durch die Sparkassen zu reden, gilt weiterhin."
Minister Huber hatte Ende vergangener Woche in einem SZ-Interview angekündigt, die CSU-Regierung sei bereit, Anteile des Freistaats an der BayernLB abzugeben. "Wenn uns ein offizielles Angebot gemacht wird mit einem vernünftigen Preis, dann können wir über alles verhandeln."
Bedingung für Übernahme: Freie Bahn für Fusion
Derzeit gehört die Landesbank dem Freistaat und den Sparkassen jeweils zur Hälfte. Die Sparkassen werden von den Städten und Landkreisen getragen. Aus Kreisen der kommunalen Kreditinstitute verlautete, es gebe eine ganz klare Bedingung für die Übernahme der BayernLB: Die Sparkassen müssten dann freie Bahn für eine Fusion der BayernLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) haben.
Eine solche "Südschiene" lasse sich leichter durchsetzen, wenn der Freistaat sich aus der BayernLB zurückziehe, hieß es aus dem Aufsichtsgremium der Münchner Sparkasse, dem Verwaltungsrat. "Wir könnten uns an einer solchen Aktion beteiligen." Die Münchner Sparkasse ist die größte in Bayern.
Bayerns Sparkassenpräsident Siegfried Naser und sein baden-württembergischer Kollege Peter Schneider planen schon lange, die beiden Landesbanken im Süden zusammenzulegen und so das zweitgrößte Finanzinstitut in der Bundesrepublik nach der Deutschen Bank zu schaffen.
Ausweitung der nationalen und internationalen Geschäfte
Beide versprechen sich davon eine Ausweitung der nationalen wie internationalen Geschäfte. Die neue SüdLB würde vom Saarland bis nach Sachsen reichen. Die saarländische Landesbank gehört zur BayernLB, die rheinland-pfälzische zur LBBW. Außerdem übernimmt die LBBW derzeit die finanziell stark angeschlagene SachsenLB.
Die SüdLB soll nach den Vorstellungen führender Sparkassenfunktionäre eine "ganz normale Geschäftsbank" sein, weitgehend frei von staatlichem Einfluss. Die neue Großbank könne später sogar an die Börse gebracht werden, besagen interne Pläne. Beherrschender Anteilseigner blieben aber auf alle Fälle die Sparkassen.
Nach Angaben aus Kreisen der kommunalen Kreditinstitute haben zahlreiche Sparkassendirektoren und -funktionäre am Wochenende die neue Lage am Telefon besprochen. Sie sollen sich weitgehend einig gewesen sein, eine SüdLB anzustreben. Hubers Vorstoß wurde bei diesen Gesprächen als "Sensation" bezeichnet.
Man habe nicht erwartet, so schnell die Chance zur Übernahme der BayernLB und zur Fusion mit der LBBW zu erhalten. Vor drei Monaten noch hatte die CSU-Regierung auf Betreiben von Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein ihren Einfluss bei der BayernLB noch dazu genutzt, ein Veto gegen eine solchen Zusammenschluss einzulegen.
Die jetzige Kehrtwende ist nach Äußerungen aus Sparkassenkreisen leicht zu erklären. Nach den heftigen Turbulenzen um die von Huber nur zögerlich eingestandenen Milliardenrisiken der BayernLB bei US-Immobilienkrediten habe die Regierung offenbar erkannt, dass es für sie das beste sei, sich aus der Landesbank zurückzuziehen.
Sonst sei die Regierung bei jedem Problem der BayernLB weiterhin von der Opposition angreifbar. SPD und Grüne hatten Finanzminister Huber vorgeworfen, er habe die Risiken bis nach den Kommunalwahlen am 2. März verschweigen wollen.
Die drohende Belastung der BayernLB durch den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts und die dadurch ausgelöste weltweite Finanzkrise war Mitte Februar vom Vorstand und vom Verwaltungsrat mit 1,9 Milliarden Euro beziffert worden. In Landesbank-Kreisen werden weitere Belastungen erwartet.
Sparkassenpräsident Naser hatte bereits von einem Vierteljahr intern gemahnt, man müsse sich lange gedulden, bis das ganze Ausmaß der Risiken absehbar sei. "Abgerechnet wird am Schluss", erklärte Naser damals. Er leitet den Verwaltungsrat.
Die drohenden Belastungen führen nach Angaben aus Sparkassenkreisen dazu, dass die geplante Übernahme der BayernLB und Fusion mit der LBBW nicht schnell erfolgen könne. Erst müsse man wissen, welche Belastungen bei beiden Banken zu verkraften seien.
Bei der LBBW sollen die Kreditrisiken derzeit zwischen ein und zwei Milliarden Euro betragen. Beide Landesbanken stehen derzeit offenbar besser da als die WestLB oder gar die SachsenLB, bei denen Stützungsmaßnahmen erforderlich sind. Bei den Sparkassen wird davon ausgegangen, dass die Übernahme und Fusion nach langen Vorarbeiten bis Mitte 2009 vereinbart und dann rückwirkend zum 1. Januar 2009 vollzogen werden könne.
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(sueddeutsche.de/dmo)
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