Neue Fünf-Euro-Banknote Scheinwelt

Der neue Fünf-Euro-Schein. Von Mai an sollen nach und nach drei Milliarden Stück der überarbeiteten Banknote in Umlauf gebracht werden - hergestellt von Druckereien in Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und Griechenland.

(Foto: dpa)

Er ist irgendwie bunter, außerdem schwerer und er zerfleddert nicht so leicht wie bisher: Der neue Fünf-Euro-Schein. Nun werden die alten Banknoten gegen eine neue Serie ausgetauscht. Warum eigentlich?

Von Harald Freiberger, Frankfurt

Irgendetwas war anders bei diesem Schatz am Silbersee. Am Mittwoch vergangener Woche ging ein 41-Jähriger mit seiner Familie am Ufer des Badesees spazieren, bei Dülmen westlich von Münster. Dort fand er einen blauen Geldschein, der aussah wie eine 20-Euro-Note. Statt der "20" war allerdings eine "30" darauf gedruckt. Offensichtlich hatte sich da jemand mit dem Farbkopierer einen Scherz erlaubt. Der Mann steckte den Schein in seine Geldbörse, "damit die Kinder keinen Unsinn damit machen", gab er später bei der Polizei an.

Als er später im Supermarkt einkaufte, hatte er das vergessen und bezahlte mit dem Schein. Die Kassiererin merkte nichts, gab Wechselgeld heraus. Erst danach fiel ihr die Fälschung auf. Sie meldete es der Polizei, die es über Rundfunk verbreiten ließ, und auf diese Weise erfuhr es auch die Ehefrau des Finders. "Das kannst eigentlich nur du sein", sagte sie zu ihrem Mann. Der meldete sich, gab an, dass ihm die Angelegenheit furchtbar peinlich sei. Jetzt liegt die Angelegenheit bei der Staatsanwaltschaft Münster, sie muss entscheiden, ob sie ein Verfahren gegen den schussligen Finder eröffnet.

Nicht immer ist das Motiv des Fälschens so offensichtlich von Humor getrieben. Das weiß kaum jemand besser als Elisabeth Schulz, 50, die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt für Falschgeld zuständig ist. Zwölf Jahre arbeitete sie vorher bei der Polizei als Gutachterin für Urkundenfälschung, seit 2000 ist sie bei der EZB. Sie war schon dabei, als die Euro-Scheine der ersten Generation entwickelt wurden. In den vergangenen Jahren war sie mit der zweiten Generation beschäftigt, die Bürger nun erstmals in Händen halten.

Wer ab diesem Donnerstag Bares vom Geldautomaten abhebt, bekommt einen Fünf-Euro-Schein, der anders aussieht als der bisher bekannte, nicht mehr so blass, irgendwie bunter, grünlich, gelblich, bläulich. Legt man einen alten Schein daneben, fällt auf, dass sich auf der Vorderseite noch mehr verändert hat. Die Zahl "5" ist von rechts oben in die Mitte gewandert. Die "5" unten links wechselt von Smaragdgrün ins Tiefblaue, wenn man den Schein kippt. Hält man ihn gegen das Licht, ist unter der Unterschrift von EZB-Chef Mario Draghi das Porträt der Mythengestalt Europa zu erkennen. Dasselbe gilt für das Hologramm rechts. Und an den Rändern gibt es dünne Linien, die sich mit dem Finger erspüren lassen.

Alte Scheine werden nicht ungültig

Alles neu macht der Mai, aber warum ist neues Geld nötig? "Die aktuellen Euro-Scheine wurden vor etwa 15 Jahren entwickelt, das ist eine lange Zeit", sagt Schulz. Die neuen Banknoten seien notwendig, weil sich Sicherheitstechnologien überlebten. Noch sei es nicht kritisch, die Zahl der Fälschungen nicht alarmierend. "Aber wir müssen den Fälschern um eine, am besten um zwei Nasenlängen voraus sein."

Auf jedem Schein befinden sich nicht nur Sicherheitsmerkmale, die jeder durch Fühlen, Schauen und Kippen überprüfen kann. Es gibt auch welche, die versteckt sind und sich an Ladenkassen, in Banken und Notenbanken mit besonderen Maschinen checken lassen. Je länger eine Generation von Scheinen in Umlauf ist, desto mehr Zeit haben Fälscher, die Sicherheitsmerkmale auszukundschaften und zu kopieren. Deshalb braucht es von Zeit zu Zeit neues Geld. Der Fünfer-Schein macht den Anfang, jedes Jahr wird eine weitere Stückelung ausgewechselt, 2014 der Zehn-Euro-Schein, bis hin zum 500er im Jahr 2020.

Die alten Scheine werden nicht ungültig, sondern nach und nach eingezogen. "Ihren Wert verlieren sie nie, aber irgendwann werden sie kein offizielles Zahlungsmittel mehr sein, dann kann man sie nur noch in den Filialen der Zentralbank eintauschen", sagt Schulz. Aber das werde einige Zeit dauern. Die EZB hat bei der neuen Serie Kritik berücksichtigt, die es nach der Einführung des Euro 2002 gab. So sind die Ziffern jetzt größer und lesbarer. Ein anderer Punkt war, dass sich der Zehn- und der 50-Euro-Schein farblich zu sehr ähneln. In der nächsten Generation werden sie besser zu unterscheiden sein.

Der Fünf-Euro-Schein ist derjenige, der am schnellsten kaputt geht. Er wird kaum zum Aufbewahren genutzt, stets wandert er von einer Hand zur anderen. Deshalb muss er im Durchschnitt schon nach 13 Monaten ausgetauscht werden - zerfleddert, verschmutzt, abgenutzt. Beim 500-Euro-Schein dauert es dagegen mehr als zehn Jahre, bis er am Ende ist.

Durch eine neue Beschichtung, eine Art Lack, ist die Haltbarkeit des neuen Fünf-Euro-Scheins verbessert worden. Er fühlt sich glatter an, dafür ist er auch etwas schwerer, er wiegt 0,71 statt bisher 0,63 Gramm. Das könnte in der Übergangszeit zum Problem für manche Geldautomaten werden; ihre Vorrats-Kassetten müssen noch angepasst werden. Sonst aber erwartet die EZB keine Probleme, die Umtauschaktion ist von langer Hand vorbereitet und ein Klacks im Vergleich zur Einführung des Euro vor elf Jahren.

Fälschungs-Expertin Schulz wird mit dem neuen Fünf-Euro-Schein künftig nicht viel mehr Arbeit haben. Wegen des geringen Werts werden die Noten selten gefälscht. Schulz ist Herrin über einen dicken Katalog. "Man kann sich das durchaus vorstellen wie eine Briefmarkensammlung", sagt sie. Nur dass statt Briefmarken Geldscheine ins Album geklebt sind. Es handelt sich um einzelne Exemplare des Werkes eines bestimmten Fälschers, Fälschungsklasse genannt. Im Katalog befinden sich etwa 400 Klassen. Die detaillierten Merkmale dazu sind auf einer Datenbank hinterlegt. "Unsere Aufgabe ist es auch, neu aufgetauchte Fälschungen mit früheren zu vergleichen und Verknüpfungen herzustellen", sagt Schulz. Manchmal entwickelten Fälscher ihre Technologie weiter, aber sie hinterließen in jedem Fall eine Art Fingerabdruck.

Beim Stichwort "Fingerabdruck" fällt Schulz einer der interessantesten Fälle ein, den sie je in Händen hielt. "Durch Zufall habe ich entdeckt, dass ein Fälscher auf einem seiner Scheine den eigenen Fingerabdruck hinterlassen hat", erzählt sie. Sie hat die Polizei informiert, leider war der Fingerabdruck bei ihr nicht registriert. "Aber er ist jetzt auf jeden Fall vorhanden und zuzuordnen, falls er noch einmal auftaucht", sagt die Falschgeld-Jägerin.