Neue Berechnung Warum das Elterngeld sinkt

Eigentlich sollte alles einfacher werden. Doch die neue Berechnung des Elterngeldes ist so komplex, dass die Internetseite des Familienministeriums falsche Ergebnisse vorlegt. Vor allem aber zeigt sich bei genauer Betrachtung: Für viele Familien gibt es durch die Umstellung deutlich weniger Geld.

Von Guido Bohsem, Berlin

Seit Anfang des Jahres gilt das neue Elterngeld. Na ja, so richtig neu ist das Elterngeld nicht. Es gibt immer noch 65 Prozent vom Nettolohn und maximal 1800 Euro im Monat. Neu ist nur, wie das Elterngeld berechnet wird. Einfacher, sagt die schwarz-gelbe Koalition, die für die Regelung verantwortlich ist. Statt wie zuvor das Einkommen der vergangenen zwölf Monate umständlich zu prüfen, wird nun mit pauschalen Annahmen gearbeitet.

Frank Hechtner, Professor für Steuerwirkungslehre an der Freien Universität Berlin, hat sich die Sache einmal genauer angeschaut und dabei festgestellt: Durch die Umstellung gibt es für viele Eltern weniger Geld. Und die Vereinfachung ist so komplex, dass zumindest der Elterngeldrechner des Familienministeriums mitunter kapituliert und falsche Ergebnisse errechnet.

Laut Hechtners Kalkulation liegt das neue Elterngeld im ungünstigsten Fall um genau 40,43 Euro im Monat unter dem alten. Wer also den gesamten Zeitraum (ohne Vätermonate) des Elterngeldes ausschöpft, wird für ein im Dezember 2013 geborenes Kind gut 485 Euro weniger bekommen als für ein Kind, das noch im Dezember 2012 geboren wurde - was in etwa einem Kinderwagen der mittleren Preiskategorie entspricht.

Weil die Höhe des Elterngeldes am Verdienst hängt, sind die Einbußen um so höher, je mehr einer verdient. Die 40,43 Euro im Monat ergeben sich für eine verheiratete Mutter (oder einen Vater) mit einem Bruttoeinkommen von 4100 Euro im Monat. Doch auch für Leute, die nur die Hälfte verdienen, ist der Ausfall nicht unbedingt zu vernachlässigen. Bei einem Brutto von 2000 Euro fällt das Elterngeld monatlich um 10,18 Euro niedriger aus als bei der bisher gültigen Kalkulation.

Niedrigeres Nettogehalt als Berechnungsgrundlage

Die Elterngeld-Kürzung kommt durch die Art und Weise zustande, wie das Nettogehalt berechnet wird, und da hat es laut Hechtner zwei entscheidende Neuerungen gegeben. Zum einen werde die Obergrenze für die Beiträge zur Krankenversicherung nicht berücksichtigt. Das heißt, Gutverdienern unterstellt man bei der Berechnung des Elterngeldes höhere Beitragszahlungen, als sie real geleistet haben. Das drückt das Nettogehalt und sorgt für ein niedrigeres Elterngeld.

Zum anderen erfasst die Berechnung des Elterngeldes zwischenzeitliche Steuersenkungen nicht. Nach Hechtners Worten wird die Steuerlast vom Beginn des vergangenen Jahres angenommen. Die Anhebung des Grundfreibetrages in diesem Jahr wird also nicht berücksichtigt. Auch das sorgt wieder für höhere Abzüge vom Brutto und weniger Elterngeld.

Falscher Elterngeldrechner

Ja, und dann ist da noch die Sache mit dem Elterngeldrechner. Der sagt einem bei einem monatlichen Bruttolohn von 4200 Euro ein Elterngeld von 1770,29 Euro voraus. Tatsächlich würde der Vater oder die Mutter aber nur 1748,35 Euro erhalten, wie das Familienministerium bestätigt. "Der Rechner berücksichtigt die Änderung bei der Beitragsobergrenze für die Krankenkasse nicht", sagt Hechtner.

"Für Kinder, die 2014 geboren werden, stimmen sämtliche Werte nicht", sagt Hechtner. Denn hier gehe der Rechner von falschen Annahmen für die Steuer aus. Eine Vereinfachung also, die so schwierig ist, dass selbst das Ministerium ins Schleudern kommt.

Ratgeber Elterngeld