In den kommenden Wochen rechnet der Vermieter ab: Die Abrechnungen fallen um bis zu 25 Prozent höher aus als im Vorjahr - vor allem das Heizen wird teurer
Wenn in diesen Tagen die Nebenkostenabrechnung für das Jahr 2004 im Briefkasten liegt, wird so mancher Münchner erschrecken. Mit einer Erhöhung von bis zu 25 Prozent im Vergleich zu 2003 rechnet man beim Deutschen Mieterbund in Berlin. Dies bedeute bei einer durchschnittlichen 70-Quadratmeter-Wohnung Mehrausgaben von 250 bis 300 Euro im Jahr, so Monika Schmid vom Mieterverein München.
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Schuld seien vor allem die im vergangenen Jahr deutlich gestiegenen Heizkosten: Die Fernwärme sei zweimal teurer geworden, insgesamt um rund zehn Prozent, die Gaspreise um sieben Prozent. Dazu kommen die Wasserkosten - und der Strom: Für die eigene Wohnung werde der zwar direkt mit dem Lieferanten abgerechnet. Der so genannte Hausstrom - Kosten für Treppenhauslicht oder Lift - fließe aber in die Nebenkosten ein.
Entscheidend für die Nachzahlungen sei auch, wann ein Hausbesitzer seinen Heizöltank aufgefüllt hat. Zu Beginn des Jahres 2004, so der Mieterbund, war Öl noch um 20 Prozent preiswerter als im Vorjahr. Im Mai dagegen seien die Preise schon 20 Prozent und im Herbst 40 Prozent über denen des Vorjahres gelegen.
Auch Rudolf Stürzer vom Münchner Haus- und Grundbesitzerverein erwartet "kräftige Nachzahlungen". Er hält allerdings ein Gesamt-Plus von "nur" zehn bis 15 für realistisch. Jedoch müssten sich Mieter, deren Nebenkosten erst zur Jahresmitte abgerechnet werden, auf höhere Kosten einstellen.
Mülle und Grundsteuer
Dann schlage nicht nur der lange und kalte Winter zu Buche, sondern auch die im Januar wirksam gewordene Grundsteuererhöhung von 22,5 Prozent, und in vielen Häusern auch gestiegene Müllgebühren. Zwar seien große Tonnen billiger geworden - die kleinen, 120-Liter-Gefäße aber um rund 25 Prozent teurer. Diese Tonnen, so Stürzer, würden vor allem in alten Mietshäusern verwendet, in denen es für die großen Behälter keinen Platz gebe.
Reguliert heizen
Ein wenig können die Münchner ihre Heiz- und Nebenkosten aber auch dämpfen. Wer seine Raumtemperatur nur um ein Grad senke, spare dadurch sechs Prozent Heizkosten. Besser, als seine Fenster ständig gekippt zu halten, ist es, mehrmals am Tag gründlich zu lüften, am besten mit kurzem Durchzug. Man sollte auch vermeiden, Möbelstücke vor den Heizkörper zu stellen. Selbst nachts kann man bei dieser Kälte sparen, wenn man die Rollläden herunterlässt.
Und die Müllgebühren lassen sich mit einer zweiwöchentlichen Leerung reduzieren.
Entwicklung in den vergangenen 30 Jahren
Dennoch - die Nebenkosten haben sich längst zur zweiten Miete entwickelt. Und die, so Stürzer, sei in München in den vergangenen 30 Jahren weit stärker gestiegen als die normale Miete (plus 140 Prozent). Die Kosten für Frischwasser seien seit 1975 um 265 Prozent, die Müll- und Abwassergebühr sogar um jeweils 450 Prozent gestiegen.
In den meisten Fällen kann der Vermieter diese Kosten weiterreichen. Nur Mieter, die noch über einen Bruttomietvertrag verfügen, können sich glücklich schätzen: In diesen Fällen muss der Hauseigentümer die Nebenkosten selbst tragen.
(SZ vom 8.3.2005)
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