Wegen der Schuldenmisere und der Wirtschaftskrise werfen sichere Anlagen derzeit wenig ab. Wo dennoch etwas zu holen ist Von Simone Boehringer
und Hannah Wilhelm
Anzeige
München - Die Schuldenkrise vieler Staaten sorgt für weiter tiefe Leitzinsen und hat zudem schwer am Image der Staatsanleihen als sicherem Hafen für Anleger gekratzt. Je mehr Länder in und außerhalb der Euro-Zone ihre klamme Haushaltslage debattierten, desto stärker sanken die Bondkurse. Mit einer Ausnahme: deutsche Bundesanleihen. "Profi- wie Privatanleger schichteten um in deutsche Titel seit der Zuspitzung der Lage in Griechenland, weil Bundesanleihen als sichere Bastion gelten. Das ist wie die Flucht in eine sichere Wagenburg", sagt Klaus Stopp von der Baader Bank.
Die Folge: Gleich welche Laufzeit, die Kurse der wichtigsten und liquidesten Wertpapiere, mit denen die Bundesrepublik ihre Schulden finanziert, zogen in den vergangenen Wochen deutlich an. Das hatte entsprechend negative Konsequenzen für die Verzinsung: So sank die Umlaufrendite, welche die durchschnittliche Verzinsung von Bundespapieren verschiedener Laufzeiten angibt, zwischenzeitlich auf historisch tiefe 2,29 Prozent. Am Donnerstag lag sie bei 2,31 Prozent. Für ein Engagement in einjährige deutsche Staatstitel gab es am Donnerstagnachmittag nur noch 0,34 Prozent und damit nicht einmal mehr ein Drittel der Rendite wie für ein durchschnittliches Tagesgeldkonto. Aber auch bei diesen beliebten Sparformen sind die Zinsen seit Monaten unter Druck.
Auch ein längerfristiges Engagement etwa in die zehnjährigen Bundesanleihe lohnt sich kaum noch. Die Rendite sank auf 2,74 Prozent, "dem tiefsten Stand seit Einführung des Papiers in den siebziger Jahren", erklärt Klaus Holschuh, Leiter der Wertpapieranalyse bei der genossenschaftlichen DZ Bank.Der Schweizer Vermögensverwalter Felix Zulauf verkündete am Donnerstag sogar das Ende einer fast 30-jährigen Hausse am deutschen Rentenmarkt.Was bedeutet diese Entwicklung für Privatanleger? Welche sicheren Zinsanlagen lohnen noch?
Tagesgeld
In den vergangenen Jahren wollte jede Bank unbedingt bei Online-Vergleichen von Tagesgeldzinsen mit ganz oben dabei sein. Das war ein Garant dafür, dass frisches Geld eingesammelt werden konnte. Doch im Moment steht die Welt Kopf: Seit die Banken bei der Europäischen Zentralbank das Geld fast umsonst bekommen, sind viele offensichtlich auf die Mittel von Kunden nicht mehr angewiesen. Nun rufen sie schon mal bei einem Internetvergleichsportal an - mit der ungewöhnlichen Bitte, in den Zinstabellen doch bitte gar nicht erwähnt zu werden. Einige Banken sollen angeblich sogar Kontoeröffnungen zeitlich verzögern.
Dementsprechend gibt es kaum lohnende Schnäppchen für Zins-Suchende. Am meisten zahlt derzeit die Fidor Bank mit 2,55 Prozent (Tabelle). Horst Biallo von der Vergleichsplattform Biallo.de findet zudem die Angebote für Neukunden der Onlinebanken ING-Diba und 1822 direkt fair. Beide Banken zahlen zwei Prozent auf neue Einlagen. Biallo geht davon aus, dass nun der Tiefpunkt bei den Tagesgeldzinsen erreicht ist. Viel gibt es wirklich nicht. Aber immerhin: Das Geld ist soweit sicher, wenn man es bei einer Bank mit ausreichender Einlagensicherung anlegt. Hinzu kommt: "Die Inflationsrate ist aktuell nicht so hoch", sagt Biallo. "So wird die Rendite nicht gleich aufgefressen wie in anderen Zeiten."
Festgeld
Das Gleiche gilt für Festgeldanlagen. Gerade für Anleger, die sich nur für ein Jahr oder einige Monate festlegen wollen, ist wenig zu holen. Gleichzeitig ist das Geld immerhin sicher - wenn die Einlagensicherung stimmt. Fachmann Biallo rät: "Für Festgeld mit einer Laufzeit von vier Jahren gibt es immerhin 3,5 bis vier Prozent." Und damit mehr als für vergleichbare deutsche Staatsanleihen.
Bundesanleihen
Nach den jüngsten Äußerungen der Währungshüter rechnen die meisten Beobachter in den nächsten sechs Monaten nicht mit einer Leitzinserhöhung. "Eventuell prescht die amerikanische Federal Reserve Ende 2010 etwas vor und die EZB zieht erst 2011 nach", meint Christoph Rieger von der Commerzbank. Das bedeutet: "Die Risikoprämien für längerfristige Anlagen werden steigen", so Rieger. Diese Entwicklung impliziert jedoch keineswegs eine Anlageempfehlung in lang laufende Anleihen. Im Gegenteil: Wenn die Renditen steigen, ist das gleichbedeutend mit einem Kursverlust bereits im Umlauf befindlicher Staatstitel, weil letztere ja noch einen niedrigeren Kupon haben. Die Nachfrage nach den "alten" Papieren lässt entsprechend nach, der Kurs fällt.
Wer sich in so ein Szenario hinein beim Kauf von Staatsanleihen auf den höheren Kupon schielt, wird womöglich massive Kursverluste erleiden, ist sich Klaus Holschuh von der DZ Bank sicher. Er rechnet das Zinsänderungsrisiko genau vor: "Steigen die Leitzinsen und die Renditen lang laufender Bundesanleihen binnen eines Jahres um einen Prozentpunkt, muss ein Anleger mit einer fünfjährigen Anleihe einen Kursverlust von etwa 3,5 Prozent hinnehmen. Bei zehnjährigen sind es sieben Prozent und bei 30-jährigen Titeln gar bis zu 15 Prozent Kurseinbuße." Sein Rat lautet deshalb: "In Bundesanleihen mit maximal drei, vier Jahren Restlaufzeit investieren und die Titel bis zur Fälligkeit halten."
Der Vorteil einer solchen Strategie liegt auf der Hand: Bei kürzeren Laufzeiten müssen Anleger zwischenzeitliche Kursänderungen nicht beachten, solange der Schuldner am Ende den geliehenen Betrag sicher zurückbezahlt. Und daran zweifeln im Falle der Bundesrepublik als wirtschaftsstärkster Nation in Euro-Land bisher selbst Skeptiker nicht.
Aktualisierte Vergleiche von Tages- und Festgeldangeboten im Internet unter www.sueddeutsche.de/sparmeister.
(SZ vom 21.05.2010)
Moderne Verwaltung