Die neuerliche Zinssenkung der US-Notenbank Fed hat an den Weltbörsen nur für ein Strohfeuer gesorgt - nun warten die Händler gespannt auf die nächste Sitzung der EZB.

Die erneute Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Fed hat an den Weltbörsen kaum nachhaltige Spuren hinterlassen: Zwar stieg der Dow-Jones-Index in New York bis zur Schlussglocke um ein Prozent, der Preis für die Feinunze Gold sprang nach der Entscheidung der Fed auf 800 Dollar und auch an der asiatischen Leitbörse in Tokio ging es in der Nacht noch bergauf. An den Aktienmärkten Europas aber setzte sich die Rally nicht fort. Der Dax startete am Donnerstag kaum verändert, an den Börsen in London und Paris ging es sogar abwärts.

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Börsenmakler in New York: Der Preis für die Feinunze Gold sprang nach der Entscheidung der Fed auf 800 Dollar. (© Foto: AFP)

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Zweifel an weiteren Zinssenkungen in den USA haben den Euro und festverzinsliche Papiere belastet. Die Gemeinschaftswährung wurde am Donnerstag um 1,4430 Dollar gehandelt, nachdem sie am Mittwochabend unmittelbar nach der US-Zinssenkung erstmals die Marke von 1,45 Dollar geknackt hatte. Damit war der Euro so teuer wie nie zuvor.

"In einer ersten Euphorie hat die erfüllte Zinsspekulation den Euro noch einmal angetrieben, aber das Statement ließ dann darauf schließen, dass zunächst keine weiteren Zinssenkungen zu erwarten sind. Jetzt fehlt erst einmal die Argumentation, den Euro weiter nach oben zu treiben", sagte Händler Volker Weber von MM Warburg.

Die US-Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke hatten am Mittwochabend den Zielsatz für Tagesgeld um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent gesenkt, um die weltgrößte Volkswirtschaft gegen den drohenden Abschwung zu stärken.

Zur Begründung erklärte die US-Notenbank, Aufwärtsrisiken bei der Inflation und Abwärtsrisiken beim Wachstum hielten sich ungefähr die Waage. "Das Wachstumstempo wird sich in naher Zukunft wahrscheinlich abschwächen, teilweise als Folge der verschärften Korrektur am Häusermarkt."

Experten überrascht vom Tonfall der Fed

Experten zeigten sich überrascht vom neutralen Tonfall der Fed. "Das war so nicht erwartet worden und hat jetzt erstmal die Luft aus Spekulationen über weitere Zinssenkungen rausgenommen", sagte Rainer Guntermann von der Investmentbank Dresdner Kleinwort.

Nach der Aussage der Fed rechnet der Markt nicht mehr mit einer weiteren Zinssenkung im Dezember. "Fast die Hälfte der Anleger geht davon aus, dass sogar bis März nichts mehr passiert", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. "Dieses Stimmungsbild kann sich aber sehr schnell wieder ändern, wenn Schwächeanzeichen von den Verbrauchern kommen."

Die Entscheidung der Fed erfolgte entgegen den üblichen Gepflogenheiten nicht einstimmig. Ein Mitglied des für die Zinspolitik verantwortlichen Offenmarkt-Ausschusses sprach sich für eine Beibehaltung des Zinsniveaus aus. Die Notenbank hatte die Zinsen jüngst zum ersten Mal seit vier Jahren überraschend stark um 50 Basispunkte auf 4,75 Prozent reduziert, um die Folgen der Krise an den Märkten abzufedern und ein Übergreifen auf weite Teile der Wirtschaft zu verhindern.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuletzt wegen der Finanzkrise auf geplante Zinserhöhungen verzichtet. Mit der Entscheidung der Fed, die Geldpolitik weiter zu lockern, steigt nun der Druck auf die Europäer, da die Zinsdifferenz zwischen Euro und Dollar bei einem weiteren Schritt der EZB nach oben noch mehr schrumpfen würde und den Euro Richtung 1,50 Dollar treiben könnte. "Der Knackpunkt ist der Wechselkurs, aber er ist nur ein Punkt, den die EZB auf ihrer Rechnung haben muss", sagte Michael Schubert von der Commerzbank.

Ein weiterer Anstieg der Gemeinschaftswährung würde die Exporteure noch stärker belasten. Auf der anderen Seite war die Inflation in der Euro-Zone zuletzt wegen der Preisexplosion beim Rohöl deutlich Richtung drei Prozent gestiegen. Dies könnte nach Ansicht mancher Experten eine Straffung der Geldpolitik nötig machen könnte, obwohl sich das Wachstum abzuschwächen beginnt. Der EZB-Rat trifft sich nächste Woche zu seiner Zinssitzung. Volkswirte rechnen mit keinen Zinsänderungen.

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(sueddeutsche.de/Reuters/sma/schä)