Marshmallows, Bananen, Kuhfladen: Die Rhetorik bei der Abstimmung über das US-Hilfspaket war skurril, das Ergebnis ernüchternd. Wie das Debakel im Abgeordnetenhaus seinen Lauf nahm.
Es sollte der größte Rettungsakt der Geschichte werden - und es wurde eine beispiellose Blamage. Das Repräsentantenhaus hat den 700-Milliarden-Dollar-Fonds scheitern lassen, mit dem die amerikanische Regierung den Bankensektor sanieren wollte. Verantwortlich für das Debakel: republikanische Finanzfundamentalisten, die das gelobte Land des Kapitalismus auf dem Weg in die Staatswirtschaft wähnen. Mitschuldig: die demokratische Mehrheitsführerin Nancy Pelosi.
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Versteinerte Miene: Die demokratische Mehrheitsführerin Nancy Pelosi nach der gescheiterten Abstimmung. (© Foto: AP)
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Madam Speaker beliebt zu spalten. Selbst vor der wichtigsten Abstimmung seit der Billigung des Irakkriegs provoziert Pelosi die Republikaner mit einer überflüssigen Tirade gegen marktliberale Glaubenssätze. Überparteiliche Verantwortung wollte das Haus demonstrieren - am Ende liefert es parteiübergreifende Unverantwortlichkeit.
Die aberwitzigste Wortmeldung ist dem Abgeordneten Paul Broun vorbehalten, Republikaner aus Georgia: "Madam Speaker", hebt er an, "das hier ist ein riesiger Kuhfladen mit einem Marshmallow in der Mitte, und ich werde diesen Kuhfladen nicht essen."
Die Bürger bleiben fassungslos zurück. Vielleicht hat Princeton-Ökonom Paul Krugman die richtigen Worte gefunden: "Okay", überschreibt er seinen Kommentar, "wir sind eine Bananen-Republik." Am Ende unterstützen zwei Drittel der Demokraten den Plan. Doch trotz eindringlicher Appelle aus dem Weißen Haus verweigern zwei von drei Republikaner ihrem Präsidenten George W. Bush die Gefolgschaft. Das Gesetz scheitert.
Abends treten die Protagonisten mit erstarrten Mienen vor die Presse, und kündigen zerknirscht an, es am Donnerstag noch mal versuchen zu wollen. Doch da ist das Unheil schon angerichtet. Der US-Aktienmarkt hat den schwersten Einbruch in der Geschichte verzeichnet. Kurswerte von 1,2 Billionen Dollar wurden vernichtet. Am 29. September 2008 hat die Finanzkrise einen neuen Tiefpunkt erreicht und sich zur Vertrauenskrise in die politische Führung Amerikas ausgewachsen.
Ihre Opfer sind nicht mehr nur die hochnäsigen Spesenritter der Finanzwelt. Die Krise erwischt die Mittelschicht mit voller Wucht. Mit den fallenden Aktienkursen schmilzt die Altersvorsorge der Angestellten. Mit jeder gescheiterten Bank schrumpft die Chance von Familien auf eine neue Hypothek. Die Kreditklemme bedroht mittelständische Unternehmen und Zehntausende Arbeitsplätze. Bei den Amerikanern, die ohnehin schon unter hohen Benzinpreisen und stagnierenden Einkommen leiden, wächst die Erkenntnis, dass das Schlimmste noch bevorsteht.
Doch der Schaden, den das Repräsentantenhaus am Montag angerichtet hat, bleibt nicht auf die USA begrenzt. In Japan eröffnen die Märkte mehr als fünf Prozent im Minus. Der Dollar verliert an Wert und zieht den Euro mit sich. Das Zutrauen der Investoren in Amerika schwindet. Und auch auf Europa setzt kaum noch einer.
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(sueddeutsche.de/tob)
Verkehrssünderdatei in Flensburg
Es ist doch aberwitzig, dass der Steuerzahler für das Versagen der Banker, Spekulanten und Händler aufkommen soll! In diesem Fall haben die Abgeordneten eindeutig die Interessen der Bürger und Steuerzahler vertreten!
Herr Koch beliebt die Dinge auf den Kopf zu stellen: Würde der liberale Markt ausreichend funktionieren, wäre es zu dieser Situation gar nicht gekommen. Ein "Weiter so" auf Kosten ganzer Völker wäre die Pervertierung des Systems schlechthin, kommt ja vielleicht auch noch zur Geltung. Daß aber solche Zustände überhaupt erwogen werden, müßte Koch veranlassen, die Funktionsfähigkeit und Wirkungsweise der Wirtschaftsstrukturen zu hinterfragen. Nicht die Abgeordneten oder Frau Pelosi sind an diesem Desaster schuld, die Taten fallen auf die Täter zurück. Eine Verteilung der Lasten auf alle wäre das gewaltigste Argument seit Generationen, die de facto herrschende Clique zu enteignen und zum Teufel zu jagen.
Vielen Dank für diesen grandios recherchierten Artikel höchster Qualität. Der Autor ist ein echter Mikroökonom und Bankenkenner!
Nun ist es doch wohl so, dass Staat, Finanzwirtschaft und Wirtschaft in enger Beziehung stehen.
Die Annahme, dass der Staat als Vermittler zugunsten der abhängigen Beschäftigten auftreten und die Auswüchse der Wirtschaft bremsen könnte, ist eine Annahme die von vielen Linken vertreten wird.
Der Staat sitzt mit dem Kapital in einem Boot. Für mich ist die sog. Finanzkrise also daher auch kein seperates Phänomen irgendwelcher Hasardeure, sondern gewollte Politik.
Dass die Schwächsten in der Gesellschaft darunter leiden müssen (sollen) ist ebenso gewollt. Notfalls müssen sie auch die Interessen ihrer Herrschaften im Krieg mit ihrem Leben bezahlen. Was heute ja bereits wieder eine Normalität ist.
Mit dem Geld, was heute vom kriegslüsternen Westen ausgegeben wird, könnte mann doch ganz locker den Hungertod beseitigen. Ist das gewollt?
Habe selber sehr viele Jahre in einer Bank gearbeitet. Was habe ich dort gelernt. Niemals Schulden machen. Und diesen Grundsatz habe ich bis heute nicht durchbrochen.
Es wird doch Geld verbrannt, welches aber nur virtuell war.
Beispiel. Sie kauften vor 25 Jahren eine Wohnung für 100.000 in London. Nun stiegen dort die Wohnungspreise in den letzten Jahren dramatisch und ihre Bank erklärt Ihnen, Ihre Wohnung sei nun 500.000 wert. Darauf erhöhen Sie ihren Kreditrahmen auf 300000, den Sie auch voll ausschöpfen.
Nun krachen die Banken und in London sind 1000de von Yuppi-Wohnungen plötzlich auf dem Markt. Damit sinken die Preise für Wohnungen.
Verlierer sind Sie und Ihre Bank: Sie weil sie die 300000 zahlen müssen, die sie nicht mehr haben, und die Bank die eine Wohnung als Sicherheit übernimmt, die sie nicht verkaufen kann.
Nun können Sie sagen, sie hätten den Anbieter von 1000,- - Burger reich gemacht.Der hat aber auch sein Geld verschleudert.
Wir haben 2 Jahrzehnte mit Werten gerechnet, die nicht mehr vorhanden sind.
Betriebswirtschaft 1. Semester: Wenn die Nachfrage nach Gütern sinkt, sinkt auch deren Preis.
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