Von Claus Hulverscheidt und Andreas Oldag

Wichtige Öl-Förderstaaten haben beim Krisengipfel am Wochenende Produktionserhöhungen in Aussicht gestellt - trotzdem steigt der Ölpreis weiter.

Saudi-Arabien will seine Ölproduktion steigern, um den Ölpreisanstieg zu stoppen. Sein Land sei bereit, die für Juli angestrebte Tagesfördermenge von 9,7 Millionen Barrel weiter zu erhöhen, sagte der saudische König Abdullah beim Krisengipfel der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec). Experten erwarten indes keine nachhaltige Entspannung am Ölmarkt.

Auch das ist Dschidda: In der einen Ecke der Stadt wird verzweifelt versucht, dem weiter steigenden Ölpreis Einhalt zu gebieten, in der anderen Ecke wird getankt wie immer. (© Foto: Reuters)

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Der US-Ölpreis stieg am Montag trotz der in Aussicht gestellten Produktionserhöhungen wichtiger Öl-Förderstaaten weiter deutlich an. Im frühen Handel kostete ein Barrel US-Leichtöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Auslieferung 136,48 US-Dollar. Das waren 1,12 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag.

Nur ein Beruhigungstropfen

Die Zusage der Saudis sei nur ein "Beruhigungstropfen", hieß es bei Londoner Analysten. Saudi-Arabien will zugleich eine Milliarde Dollar in einen Fonds der Opec einzahlen, aus dem Entwicklungsländer unterstützt werden. Die Ankündigung des Landes, seine Erdölförderung zu steigern, wurde auch von Kuwait unterstützt, stieß jedoch bei anderen Opec-Mitgliedern auf Widerstand. Saudi-Arabien ist der größte Erdölexporteur der Welt. Die Opec kontrolliert mit ihren 13 Mitgliedern etwa 40 Prozent der weltweiten Erdölförderung; die Tagesförderung der Opec beläuft sich auf derzeit etwa 32 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter).

An der Konferenz in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda nahmen Vertreter von 36 Staaten sowie der weltweit führenden Ölkonzerne teil. In einer Abschlusserklärung sprachen sie sich für mehr Investitionen zur Erhöhung der Ölproduktion und für mehr Transparenz bei der Preisgestaltung aus. Von einer unmittelbaren Erhöhung der Fördermenge ist im Text nicht die Rede. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der Deutschland in Dschidda vertrat, forderte die Ölförderländer auf, die Produktion umgehend und deutlich zu erhöhen. Dies wäre das dringend notwendige Signal an die Finanzmärkte, nicht auf einen weiter steigenden Ölpreis zu setzen, sagte der Minister bei dem Treffen. Die Frage, welchen Einfluss Spekulanten auf den Ölpreis nähmen, müsse unvoreingenommen untersucht werden.

Hauptbetroffene des hohen Ölpreises sind Glos zufolge die ärmsten Länder der Welt. Diese hätten keine Möglichkeit, den Kostenschub aufzufangen. Aber auch die Industriestaaten hätten zu leiden. "Der Entzug der Kaufkraft beeinträchtigt die wirtschaftliche Entwicklung und treibt die Inflation an", erklärte der Minister. Er forderte die Regierungen weltweit dazu auf, Energiesparprogramme voranzutreiben und die Energieeffizienz zu erhöhen.

Glos steht wie die gesamte große Koalition unter Druck, weil vor allem die Linkspartei und die FDP seit Wochen von der Bundesregierung verlangen, gegen die hohen Öl- und Gaspreise vorzugehen. Dabei plädiert die Linke für Sozialtarife, während die FDP die Steuern senken will. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat jedoch beide Ideen als untauglich zurückgewiesen.

Nach Ansicht von Diplomaten haben vor allem die USA politischen Druck auf Saudi-Arabien ausgeübt. "Die Daten zeigen uns, dass die Produktion nicht mit der wachsenden Nachfrage Schritt gehalten hat, was zu höheren und immer instabileren Preisen geführt hat", erklärte US-Energieminister Samuel Bodman. Der britische Premierminister Gordon Brown, der als einziger Regierungschef auf der Konferenz vertreten war, forderte eine "neue Übereinkunft" von Ölexporteuren und -importeuren.

Schuld den Spekulanten zugewiesen

Der Ölpreis, der erst zu Jahresbeginn die Schwelle von 100 Dollar pro Barrel überschritten hatte, war in den vergangenen Wochen bis auf knapp 140 Dollar angestiegen. Ende der vergangenen Woche lag der Preis bei 135 Dollar. Experten rechnen mit einer Erhöhung auf bis zu 180 Dollar. Dies könnte die weltweite Konjunktur erheblich bremsen. Die Öl-Produzenten geben die Schuld an den Preissteigerungen den Spekulanten an den Rohstoffbörsen, die auf eine Verknappung des Öls setzen. Geprägt war die Konferenz in Dschidda auch durch Differenzen der Opec-Mitglieder.

Opec-Präsident Tschakib Chelil, der zugleich algerischer Ölminister ist, lehnte eine Fördererhöhung strikt ab. Die auf den Märkten gezahlten Preise hätten absolut nichts mit dem Angebot und der Nachfrage zu tun, betonte der Minister. Das nächste reguläre Opec-Treffen finde im September statt, erst dann solle über die Fördermenge des Erdölkartells beraten werden, forderte er. Auch Katar wies das Argument zurück, dass Ölknappheit hinter der Ölpreishausse stecke.

Der kuwaitische Ölanalyst Hadschadsch Buchdur äußerte sich indes skeptisch, ob Saudi-Arabien die angekündigte Produktionserhöhung überhaupt umsetzen könne. Die Folge wären Einbußen bei der Qualität und das Risiko von Unfällen und Lieferausfällen, warnte der Ölexperte. Zudem werde eine höhere Förderung vor allem nichts daran ändern, dass die Produktion der Förderländer nicht so schnell steigen wird wie die weltweite Nachfrage nach dem wichtigen Energieträger.

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(SZ vom 23.6.2008/dpa/jkr)