Mutmaßliche Anlagebetrüger S&K Die Akte Midas

Sie liebten teure Autos und horteten ihr Geld in großen Säcken: Zwei junge Männer wollten leben wie Dagobert Duck, sie sollen Tausende Anleger betrogen haben. Es könnte der größte Anlagebetrug seit langem sein. Nun sitzen beide in U-Haft. Doch wo sind die Millionen? Eine Spurensuche.

Von Christoph Giesen, Wolfgang Wittl und Markus Zydra

Normalerweise stellen Polizisten bei Hausdurchsuchungen Akten und Festplatten sicher. Als die Beamten am 19. Februar die Geschäfts- und Privaträume der Frankfurter Immobilienfirma S&K filzten, waren aber selbst gestandene Ermittler vom Protz überwältigt. Ölgemälde an den Wänden, schwülstige Sofas, viel Marmor. Der Reichtum, den sie vorfanden, hatte mit einer Immobilienklitsche, die ihr Geld mit Zwangsversteigerungen verdienen soll, nicht viel tun. Der teure Kitsch erinnerte manchen Fahnder eher an die Vorlieben russischer Oligarchen. Sie beschlagnahmten teure Sportwagen, aus einer Wohnung schleppten die Ermittler sogar mit Münzen gefüllte Geldsäcke - offenbar hatte jemand vor, ein Geldbad zu nehmen wie Dagobert Duck.

Insgesamt durchsuchte die Polizei 130 Wohnungen und Büros in sieben Bundesländern. S&K soll Tausende Anleger betrogen haben. "Es geht um einen dreistelligen Millionenbetrag", heißt es bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main. Mehrere Verdächtige, darunter die S&K-Gründer Stephan Schäfer, 33, und Jonas Köller, 31, sitzen in Untersuchungshaft. Zwölf Prozent Rendite versprachen die beiden den Anlegern. In Niedrigzinszeiten ein attraktives Angebot. Doch statt das Geld zu vermehren, sollen Schäfer und Köller es verprasst haben. Sie sollen ein raffiniertes Schneeballsystem aufgebaut haben - es ist womöglich der größte und schillerndste Anlagebetrug seit Jahren.

Eine Spurensuche an den Orten des Geschehens führt quer durch Deutschland. Von Frankfurt über Siegburg bei Bonn bis nach Regensburg und Berlin.

Die Zentrale

Kennedyallee, Hausnummer 123, Stadtteil Sachsenhausen. Nach der Razzia haben die S&K-Mitarbeiter die Stadtvilla offenbar panisch verlassen. Am Klingelbrett hat ein Kurierfahrer einen Zettel hinterlassen. Das Nachbargrundstück ist eine Brache, doch langsam beginnen dort die Bauarbeiten. Ein Zaun ist errichtet, und provisorische Halteverbotsschilder sind aufgestellt. Ein Fahrzeug eines S&K-Mitarbeiters steht einsam hinter dem Bauzaun. Wie alle Dienstwagen von S&K beginnt das Kennzeichen mit F-SK. Wenige Meter weiter residiert das türkische Generalkonsulat, davor parkt auf dem Bürgersteig ein Kleinbus der Polizei, Wachschutz. Zwei Beamte haben sich Pizza kommen lassen. "Der Bauzaun ist vor ein paar Tagen errichtet worden", sagt einer der Polizisten und schaut seinem Kollegen dabei zu, wie der seine Pizza mit einem Messer viertelt. "Einfach um das Auto herum. Das ist wohl so."

Lange Zeit war S&K ein Star der Fonds-Szene. Kaum eine Firma warb so aggressiv. Und kaum eine Firma wuchs so schnell. Doch nun ist aus dem Schwan des Kapitalmarkts ein graues, hässliches Entlein geworden. Verlassen und verdammt wie die leere Stadtvilla; die Macher eingesperrt. Wie ihr Auto hinter dem Bauzaun.

27 beschriftete Messingtafeln sind am Briefkasten der Kennedyallee 123 angebracht. Ein sehr undurchsichtiges Netz haben Stephan Schäfer und Jonas Köller aufgebaut, ein verschlungenes Firmen-Wirrwarr, wie bei so vielen Anbietern auf dem Grauen Markt. Manche von ihnen hantieren mit Genussscheinen, andere investieren in Hollywood-Filme oder bündeln das Geld der Anleger in Schiffsfonds und kaufen davon Frachter. Welche Geschäftsidee Firmen auch immer verfolgen, eines eint sie: Sie werden sehr lax überwacht.

Die knapp 200 Anbieter von geschlossenen Fonds in Deutschland werden bei Weitem nicht so stark reguliert wie börsengelistete Unternehmen, daher auch der Name: grauer Kapitalmarkt. Die Lage ist undurchsichtig wie bei Smog - und manchmal auch genauso ungesund. Trotzdem sammelten diese Fonds im vergangenen Jahr drei Milliarden Euro ein. Den angeblichen Traumrenditen und Steuervorteilen können, trotz des enormen Risikos, viele Anleger offenbar nicht widerstehen.