Musterprozess in München Aktionäre verklagen Skandalbank HRE

Sie haben viel verloren - nun wollen sie Schadenersatz: Aktionäre der Hypo Real Estate fordern nach SZ-Informationen mehr als 200 Millionen Euro. Da die HRE verstaatlicht wurde, müsste die Zeche am Ende der Bund zahlen - und damit die Steuerzahler.

Von Daniela Kuhr und Klaus Ott

Zahlreiche Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) wollen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in einem Musterprozess mindestens 200 Millionen Euro Schadenersatz einklagen. Der frühere Vorstand soll Risiken verschwiegen haben. Hinter der Massenklage stehen Fonds mit Tausenden Anlegern. Da die HRE verstaatlicht wurde, müsste am Ende der Bund zahlen.

Am Donnerstag kommender Woche wird beim Landgericht München I ein Schadenersatzantrag gegen die HRE verhandelt, der weit über bisherige Forderungen anderer Aktionäre im Umfang von einigen Millionen Euro hinausgeht. Die neue Klage könnte die Steuerzahler zusätzliches Geld kosten, nachdem der Bund das Immobilien- und Pfandbriefinstitut vor der Pleite gerettet hat, um eine Bankenkrise in Deutschland zu verhindern.

Der Jurist Christian Wefers aus Nordrhein-Westfalen verlangt für mehrere Kapitalanlagefonds aus Deutschland und anderen Ländern, die HRE-Aktien besitzen, nach eigenen Angaben in einem ersten Schritt mehr als 200 Millionen Euro Schadenersatz. Eine Aufstockung der Klage um mehrere Hundert Millionen Euro ist absehbar. Zu den Fonds zählen auch Pensionsgesellschaften, die Vermögen von Anlegern verwalten, das als Altersvorsorge gedacht ist. Beim Niedergang der HRE haben deren Aktionäre viele Milliarden Euro verloren.

Wefers tritt bei Gericht als Kläger auf, vertreten wird er von dem Tübinger Anleger-Anwalt Andreas Tilp, der bereits andere Musterverfahren führt, darunter auch einen Prozess in Frankfurt gegen die Deutsche Telekom. Dort klagen 17.000 Aktionäre auf Schadenersatz. "Der Fall HRE ist mindestens genauso bedeutsam", glaubt Tilp.

Er und Wefers werfen der HRE vor, die Aktionäre systematisch über den wahren Zustand des inzwischen in Deutsche Pfandbriefbank AG umbenannten Instituts getäuscht zu haben. Hätten die Anleger die prekäre Lage der HRE gekannt, hätten sie keine Aktien gekauft und keinen Schaden erlitten, sagte Tilp. "Wir gehen von fortlaufenden Verstößen von Juli 2007 bis Oktober 2008 aus." Damals war noch der alte HRE-Vorstand um Ex-Bankchef Georg Funke im Amt, gegen den die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt.

Opposition: HRE-Rettung zu teuer

Der Absturz der HRE beschäftigte am Dienstag wieder den Untersuchungsausschuss des Bundestags in Berlin. Die Krise der HRE, die im Herbst 2008 beinahe zu deren Kollaps geführt hätte, sei nicht frühzeitig erkennbar gewesen, sagte der ehemalige Finanz-Staatssekretär Thomas Mirow. Die Lage der HRE habe sich erst zugespitzt, als sich die Banken nach der Pleite des US-Instituts Lehman-Brothers gegenseitig kein Geld mehr geliehen hätten.

Der Bund und private Banken hatten die HRE mit Bürgschaften gerettet, die sich inzwischen auf mehr als 100 Milliarden Euro belaufen. Das Risiko trägt vor allem der Bund, der außerdem zehn Milliarden Euro zahlt, damit die heutige Deutsche Pfandbriefbank AG genügend Eigenkapital hat.

Der Untersuchungsausschuss soll klären, ob der Staat die Schieflage der Bank hätte verhindern können und ob die Hilfen gerechtfertigt waren. Die Opposition wirft der Regierung vor, sich auf eine für den Steuerzahler zu teure Lösung eingelassen zu haben. Nach Ansicht des heutigen Vorstandschefs Axel Wieandt musste die Regierung einspringen. "Die Rettung der HRE war alternativlos", sagte Wieandt als Zeuge im Ausschuss. Er verfolge die Entwicklung auf den Immobilienmärkten mit Sorge und sehe neuen Abschreibungsbedarf. Nach Wieandt sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aus.

Zeugen eines Desasters

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