Müßiggang-Profi Tom Hodgkinson "Meist bin ich nicht sehr faul"

Prophet der Faulheit: Der Brite Tom Hodgkinson.

(Foto: imago stock&people)

Seit Tom Hodgkinson mit der "Anleitung zum Müßiggang" einen Bestseller landete, gilt er als Prophet der Faulheit. Sein eigenes Leben findet er trotzdem hart.

Von Björn Finke und Lea Hampel

Für einen Propheten der Faulheit wirkt Tom Hodgkinson ziemlich unentspannt. Der Engländer redet schnell, während des Gesprächs schaut er auf die Uhr, weil er noch etwas zu erledigen hat. Für das Interview bittet er in den Keller seines Buchladens im Londoner Stadtteil Notting Hill. In dem puristisch eingerichteten Raum - ein einfacher Tisch, Bänke mit Kissen - fanden immer wieder die Kurse seiner Idler Academy statt, der Akademie für Müßiggang. Deren Symbol hängt an der Wand: eine Schnecke. Mit Kursen etwa für schöne Handschrift oder Tierausstopfen sollen hier gestresste Londoner wieder Langsamkeit und Müßiggang lernen.

Es ist ein Projekt von vielen, mit denen der Autor des Bestsellers "Anleitung zum Müßiggang" versucht, Geld zu machen. Denn auch wenn er mit seinem Thema dem Zeitgeist von 30-Stunden-Woche und Achtsamkeitsseminaren entspricht: Reich ist er damit nicht geworden, erzählt er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Wenige Wochen nach dem Treffen wird auch der Laden geschlossen sein. Die Miete war schlicht zu hoch. Seine Seminare richtet Hodgkinson nun an wechselnden Orten aus, Bücher verkauft er künftig online. Der Mann predigt Faulheit - nicht Armut.

Seine Karriere als Prophet der Faulheit begann damit, dass er mit einem Freund eine Zeitschrift gründete: "The Idler", zu deutsch: der Müßiggänger. Hodgkinson hasste seinen Job in der Redaktion einer Zeitung; er wollte nicht mehr "gefangen sein und langweilige, erniedrigende und unterbezahlte Dinge tun". Da habe er die Idee gehabt, ein Magazin zu starten für all die anderen Menschen, die ihre Jobs nicht mögen. "Es gibt viele, die ihre Arbeit hassen", sagt er.

Nach der Zeitschrift kamen die Bücher und die Akademie. Als Geschäftsmann kann Hodgkinson heute nicht mehr allzu oft dem Müßiggang frönen: "Meist bin ich nicht sehr faul, eher geschäftig", sagt er. "Auch ich muss meinen Lebensunterhalt verdienen. Ich bin auch nur ein durchschnittlicher, mittelalter Mann mit zwei kleinen Kindern. Da ist das Leben hart." Wie er seinen Mitarbeitern das Faulenzen abgewöhnte und wie er künftig der ganzen Welt Müßiggang beibringen will, erklärt er im Interview.

"Ich wollte einfach nicht für Geld arbeiten"

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