Viele Menschen halten Gold für eine besonders sichere und gute Wertanlage. Manche verstecken es sogar im Haus. Experten sehen beide Punkte als kritisch an
Es fühlt sich gut an. Es glänzt. Und es ist kostbar. So kostbar, dass dieGrabkammer des ägyptischen Pharaos Tutenchamun reich damit gefüllt war. Grabbeigaben aus Gold sollten dem verstorbenen Herrscher ein angenehmes Leben im Jenseits garantieren.
(© Foto: dpa)
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Für ein Leben nach dem Tod sorgt zwar heute kaum noch jemand mit Gold vor. Wohl aber für die Zeit davor. Vielen Menschen gilt das Edelmetall nach wie vor als sichere Reserve für Krisenzeiten. Und so legen sie sich einen kleinen Vorrat als Altersvorsorge in den Safe, den Kleiderschrank oder vergraben ihn gar im Garten. Ob der Kauf von physischem Gold zur Vorsorge sinnvoll ist, ist strittig.
Tanja Beller, Sprecherin des Bundesverbands deutscher Banken, rät ab: "Gold wirft keine laufenden Erträge ab, Anleger spekulieren also allein auf einen höheren Preis." Und die Erwartungen sollten schon hoch sein. Schließlich fallen beim Kauf am Bankschalter im Vergleich zu Wertpapiertransaktionen hohe Gebühren an. Hinzu kommen die Kosten für ein Schließfach. "Wer darauf verzichtet und sein Gold zu Hause aufbewahrt, hat zudem ein Sicherheitsproblem", sagt Beller.
Sie weist auf einen weiteren Punkt hin, den viele Käufer gerne vergessen. Der Goldpreiswird international in Dollar angegeben. "Dadurch entsteht ein zusätzliches Risiko der Wertveränderung, je nachdem, wie sich das Verhältnis von Dollar und Euro entwickelt", sagt die Expertin. Zudem ist Altersvorsorge eine kontinuierliche Sache. Monat für Monat zahlen die Menschen in einen Sparplan ein. Theoretisch können sie für dieses Geld auch Gold kaufen. "Dann müsste man aber theoretisch in regelmäßigen Abständen zur Bank gehen und einen Barren erwerben, dies ist doch sehr viel unbequemer als ein Dauerauftrag vom Girokonto", sagt Beller.
Bei der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) sieht man das anders. "Früher war es üblich, einen Teil seines Vermögens in Gold oder andere Wertgegenstände zu investieren, aber das ist völlig aus der Mode gekommen", heißt es auf Nachfrage. Als Schutz vor Inflation, Wirtschaftskrisen oder gar einem Krieg sei das Edelmetall durchaus geeignet. "Gold hat schließlich seit 5000 Jahren seinen Wert, der Euro gerade Mal seit acht Jahren", sagen die Anlegerschützer.
Auch Merten Larisch, Spezialist für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Bayern, empfiehlt Gold allenfalls als eine kleine Beimischung neben anderen Anlageklassen. Vom physischen Kauf rät er jedoch ab. "Wenn dasGold tatsächlich eine Reserve für Krisen- oder Kriegszeiten sein soll, dann dürfte es der Anleger nicht in seiner Nähe sondern an sicheren Orten lagern", sagt Larisch. Das Edelmetall müsste demnach rundumden Globus verteilt werden. "Die Kosten für Transport und Lagerung sind dann aber so hoch, dass es sich nicht lohnt", sagt der Verbraucherschützer. Er weist daher auf andere Möglichkeiten hin, in Gold zu investieren, beispielsweise mit Zertifikaten oder börsengehandelten Indexfonds (ETFs).
Dem widerspricht die SdK vehement: "Das Gold soll ja noch vorhanden sein, wenn das Wirtschaftssystem zusammenbricht, dann sind Zertifikate aber wertlos." Ob Investoren von ETFs und ETCs dann noch an ihre Einlagen herankommen, bezweifelt er ebenfalls. Wenn sich Anleger für den Kauf von physischem Gold entscheiden, haben sie noch die Wahl zwischen Barren und Münzen. Bei Barren ist die Sache einfach. Das Gewicht bestimmt den Preis. Bei Münzen wird es schon schwieriger. "Es gibt Münzen für Sammler und Münzen, die nach Gewicht bezahlt werden", sagt Hubert Ruß, Münzexperte bei Hauck&Aufhäuser Privatbankiers. Er nennt ein Beispiel: Als in den siebziger Jahren Goldmünzen ein Modethema wurden, prägte Österreich die Ein-Dukaten-Münze mit der Jahreszahl 1915 nach. Für diese wird lediglich der Materialwert von circa 60 Euro bezahlt. "Bei den Originalen aus den Jahren 1848 bis 1914 sind es je nach Jahrgang, Münzstätte und Erhaltung auch mehr als 1000 Euro", sagt Ruß. Das ist allerdings ein Preis für Liebhaber. Im Falle einer Krise wird niemand mehr den Aufschlag für Seltenheit zahlen - der Wert wird auf den Materialwert reduziert. "Münzsammeln ist keine Anlage sondern ein Hobby", sagt Ruß.
Wie unrentabel eine langfristige Investition in Gold sein kann, zeigt auch die Preisentwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Zwar erreichte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold im März ein Allzeithoch von mehr als 1014,40 Dollar. Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 1980 und lag bei 850 Dollar. Doch wer damals gekauft hat, hat trotz des höheren Preises dieses Jahr Geld verloren. "Inflationsbereinigt entspricht der Preis von 1980 einem Wert von 2300 bis 2500 Dollar je Feinunze", sagt Thorsten Proettel, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg.
(SZ vom 26./27. Juli 2008)
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