Bürgermeister und Manager versagen als Bauherren zusehends. Die Entgleisungen, die sich in zeitgenössicher Architektur ereignen, fallen mittlerweile immer fataler aus.
Wie im Straßenverkehr, so ereignen sich auch auf den Baustellen der Architektur täglich Unfälle. Dabei geht es nur selten um Tote und Verletzte.
Lindenoper zu Berlin: Die Rokoko-Oper befindet sich seit Jahren in baufälligem Zustand. Im Zuge der Sanierung sollten zwei Schwachpunkte der Oper beseitigt werden: die schlechte Akustik und die mangelhaften Sichtverhältnisse. Aber so weit kam es erst gar nicht. (© Foto: dpa)
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Aber dafür sind die ästhetischen Schäden, die in unseren Wohnungen und Büros oder auf den Straßen und Plätzen angerichtet werden, massenwirksam. Architektur, die "öffentlichste aller Künste" (Woods) geht, wie Adolf Loos sagte, alle an: "Man kommt ihr nicht aus." Ein Buch kann man weglegen, einen Film muss man sich nicht anschauen.
Aber von Häusern und Städten ist man auf Dauer umgeben. In unserem urbanen Millennium, in dem sich die Verstädterung zum unumkehrbaren Prozess verdichtet hat, wird es in absehbarer Zeit keinen Menschen geben, der nicht der Architektur ausgeliefert wäre. Auf dem Terrain der Baukultur werden unsere räumlichen Lebensgrundlagen verhandelt.
Wobei die Bedingungen, unter denen Architektur als sichtbarster Teil der Baukultur entsteht (oder als ihr Gegenteil: als hässliche, dysfunktionale Zumutung), vor allem von zwei Akteuren zu definieren sind - von Architekten und Bauherren. Es ist die Qualität ihres Dialogs, die über die Qualität unserer Räume entscheidet. Idealerweise befinden sich Bauherr und Architekt im Gleichgewicht. Zuletzt war allerdings viel mehr Negatives über die eine Seite zu erfahren als über die andere.
Die Krise der Architekten ist offenkundig. Man weiß, dass diese Berufsgruppe in Deutschland im Allgemeinen schlecht bezahlt wird und - unter Akademikern - überproportional von Arbeitslosigkeit bedroht ist. Es gibt ein regelrechtes Architektensterben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Bisweilen liegen sie auch auf Seiten der Architekten selbst, die sich nicht so recht entscheiden können, ob sie sich als kreative Baukünstler oder als technisch und ökonomisch versierte, dienstleistende Baumanager positionieren sollen.
Immer fatalere Unfälle
In Wahrheit müssen sie, wie seit Vitruvs Zeiten vor 2000 Jahren, beides sein: Künstler und Ingenieure. Zwischen beiden Bereichen gehen manche Architekten unter. Die Architektenschaft hat, auch infolge der rasant ausschreitenden und immer komplexer werdenden Bautechnologie und des osmotischen Ineinandergreifens von Architektur, Design und Urbanismus, ihr über die Jahrhunderte gewachsenes berufliches Selbstverständnis verloren - und muss sich nun eine neue Identität erst noch schaffen. Aber das ist bekannt.
Weniger prominent ist dagegen die Krise im Reich der Bauherren, wobei die Unfälle, die sich auf dieser Seite der Baukultur-Produktion ereignen, mittlerweile immer fataler ausfallen.
Etwa in Berlin, wo aus dem stilistischen Richtungsstreit um den Umbau der Lindenoper eine Posse geworden ist. Zur Erinnerung: Die Rokoko-Oper befindet sich seit Jahren in baufälligem Zustand. Im Zuge der Sanierung sollten zwei Schwachpunkte der Oper beseitigt werden: die schlechte Akustik und die mangelhaften Sichtverhältnisse. Man schrieb einen Wettbewerb aus und kürte einen Sieger: Klaus Roth. Dessen Entwurf geriet aber zwischen die üblichen Fronten aus Modernisten und Traditionalisten. Das Ergebnis dieser Debatte: Der Wettbewerb wurde für nichtig erklärt.
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Moderne Verwaltung
Neben Architekt und Bauherrn gibt es allerdings noch eine dritte Säule, die über Wohl und Unwohl der gebauten Umwelt entscheiden. Nicht mit einem Wort zu beschreiben, nebulös würde ich es unter dem Begriff Umfeld zusammenfassen. Am treffendsten ist wohl der anglikanische Begriff Common Sense, ein breit angelegtes Wissen und Wollen über Bau- und Planungskultur.
Das Fehlen eines solchen Bewusstseins spiegelt sich an vielen Stellen in unserer Gesellschaft wider. Ob bei der geringen Wertschätzung der Thematik bei der Gestaltung des Unterrichts an den Schulen, der Art und Weise, wie Stadtplanung in Politik und Verwaltung immer mehr durch Juristen umgesetzt wird, die Entscheidungswege bei Investoren darüber, was der Markt braucht, der Paradigmenwechsel bei der Wertschätzung von Gebäuden.
Aus diesem Mangel an Bewusstsein entstehen Argwohn, Misstrauen, Angst. Wovor oder wogegen weiß keiner so recht. Aber in diesem Windschatten trifft man auf Entscheider, die zahlreiche Argumente für ihre Entscheidungen ins Feld führen können, gestalterische Argumente gehören nicht dazu. Woher sollten diese auch kommen, wenn es an Wissen und Wollen mangelt? Sie wiederum treffen auf eine Bevölkerung, die genau so denkt.
Es spricht nichts dagegen, Laien bei solchen Prozessen mitzunehmen solange diese fachlich kompetent begleitet und moderiert werden. Und genau daran mangelt es. Welch Ironie bei der Vielzahl der arbeitslosen Architekten. Weil die Architekten sich jahrzehntelang nicht für diese Arbeit interessiert haben aber auch, weil die Gesellschaft glaubt darauf verzichten zu können. Um das nötige Umfeld zu schaffen, braucht es mehr Kompetenz und Wissen; in Planungsämtern, bei Investoren, großen Bauherren, in der Politik und zahlreichen anderen Stellen.
Der Kreis schließt sich an der Stelle, wo man nach den tieferen Gründen sucht, versucht die Antwort auf die Frage Warum zu finden: Es fehlt an Wissen, Geduld und Mut. Und damit stellt man fest, dass wir die beste Baukultur haben, die man haben kann. Städtebau und Architektur spiegeln den Zustand unsere Gesellschaft wider.
In Deutschland sieht man oft das mangelnde Verständnis und auch Interesse an Architektur.
Egal ob es um den Neubau der Kuppel auf dem Reichstagsgebäude ging, die EZB in Frankfurt oder die Nationalbibliothek der Tschechei: Überall sind Diskussionen zu
lesen, die am Kern der Sache vorbeigehen.
So wird über politsche Koalitionen, Vorlieben und Abneigungen (Tschechei), über Nationalität des Architekten (Reichstagskuppel) oder über durch veränderte
Baukonjunktur gestiegene Kosten (EZB) gestritten.
Der Grundstein für ein besseres Verständnis müsste schon früher gelegt werden.
Ein sehr interessantes Beispiel für fundierte Architekturkritik findet man in den niederländischen Medien über die neue niederländische Botschaft in Berlin.
So wurde von den meisten Kritikern anerkannt, dass der Bau einzigartig ist und es wohl ein Meisterwerk des Niederländers Rem Koolhaas ist.
Wodurch solche Diskussionen möglich sind? Nur dadurch, dass sich bereits junge Leute ohne Vorurteile im Schulunterricht mit Architektur befassen. Dies ist in den Niederlanden üblich, bei uns jedoch (von einem halben Jahr, das man zudem freiwillig in der Kollegstufen besucht) nicht der Fall.
Letztendlich graben sich aber die Architekten auch selber ein Grab. So scheint z.B. der Kollege josky01sich anscheinend von Sozialneid dazu getrieben, anerkanntere und innovativere Architekten anzugreifen. Leider ist dies kein Einzelfall.
Herr Kollege, Sie nehmen nicht Teil an den Architektouren, die ja den Sinn haben, dem Bürger neuartige Bauten zu präsentieren?
Warum nehmen Sie nicht teil? Doch wohl nur, weil Ihre Bauten nicht qualitativ hochwertig genug sind, um mit z.T. guten Bauten mithalten zu können.
Sie lehnen Flachdächer pauschal ab?
Ich bin mir sicher, dass ihr Büro gut geht. Denn Sie bedienen eindeutig den Mainstream.
Leider wird es auf nähere Sicht keine Änderung der Architekturkultur in Deutschland geben. Man kann`s nur mit Humor nehmen und versuchen, im Ausland bessere Changen zu bekommen.
das Problem beim "ungebildeten" Bauherren zu suchen. Ist es nicht vielmehr Aufgabe des guten Architekten, dem Bauherrn sein Wissen verständlich zu vermitteln? Da scheint mancher "Künstler" (ich kenne einen, der aus Prinzip nur kleinschreibt) überfordert zu sein.
Auch darf man gerade bei uns nicht vergessen, dass das dritte Reich die "Monumentalbauten" nachhaltig geschädigt hat. Niemand will doch in die Verlegenheit kommen müssen, über die Ähnlichkeit seines neuen Rathauses z.B. mit irgendwelchen Speer-Entwürfen reden zu müssen. Auch in dem Sinne ist Einheitsbrei gefahrlos.
Mitschuld tragen aber auch die Medien, die einerseits des Kaisers neue Kleider zu sehen vermeinen (wenn einer der internationalen Stars ein praktisch völlig unbrauchbares Monstrum gebaut hat), aber andererseits auf "Gebrauchsarchitektur" einprügeln.
Die schlechte Architektur hat in Deutschland eine lange Tradition. Noch heute wird an den Unis die Hausfassade als transzendenter Glaskörper favorisiert, obwohl wir uns an dieser Hässlichkeit wohl schon lange abgesehen haben. Wissen wir doch, das einst Beton den selben Stellenwert hatte, einzig weil er billig war.
Die Zerstörung durch Moderne Bauwerke in München waren seit jeher heftiger als die welche Kriege ausgelöst haben. Man betrachte nur einmal Bilder um 1900.
Auf den Stadtfest kann man nun Zukunftsprojekte bestaunen, welche eins gemeinsam haben, sie sehen alle gleich aus. Ein Quader, einige große Quadratische Löcher und sonst nichts. Hat man einst gesagt ein Haus müsse einen Menschen gleichen, Füsse, eine Kopf und einen Hut haben, so habe wir heute mathematische Kuben ohne Bezug zur Natur. Nur am Rande sei erwähnt, das schon die alten Griechen sich die Natur zum Vorbild machten und daher ihre Säulen danach formten. Nein so intelligent sind die Architekten heute nicht mehr. Sie sind ja auch nicht gut bezahlt, vielleicht aber weil sie so einen Mist bauen.
Auch die Stadträte sind mit an diesem Dilemma: Erhöhung de Geschossflächenzahl und Aufhebung des Ensemlble-Schutzes. Zur Ruf-Ausstellung hier ein Beispiel: Die letzte, weitgehend erhaltene Siedlung des Architekten Ruf nahe des Luise-Kiesselbach-Platzes hat seinen Ensemble-Schutz verloren,. Nun werden nu toskanische Villen und andere nicht ins Konzept passende Hässlichkeiten genehmigt und gebaut.
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