Von Thomas Öchsner

Zeit zum Durchatmen: Bei Tages- und Festgeld sowie Bundeswertpapieren müssen Anleger trotz Finanzkrise nicht um ihr Erspartes fürchten.

Es klingt paradox, ist aber trotzdem wahr: Die Finanzkrise hat für die Sparer in Deutschland auch ihre gute Seiten. "Die Geldinstitute vertrauen sich gegenseitig kein Geld mehr an", sagt der Münchner Bankenexperte, Professor Klaus Fleischer. Weil aber die Geldleihe unter den Banken nicht mehr so gut funktioniert, wird bei vielen Instituten das Geld knapp. Und davon profitieren wiederum die Privatanleger, um deren Kapital die Banken mit hohen Zinsen werben. Viele Sparer fragen sich allerdings jetzt, ob sie den Kreditinstituten noch vertrauen und wo sie ihr Geld sicher anlegen können - ein Überblick.

Anzeige

Die Entwicklung der Zinsen

Wie stark das Misstrauen ist, zeigt der Euribor. Dieser Zinssatz gibt an, was die Banken zahlen, wenn sie sich Geld untereinander leihen. Mitte Juli 2007, vor Ausbruch der Finanzkrise, lag der Euribor-Zins für eine Laufzeit von sechs Monaten noch bei 4,37 Prozent, am Mittwoch betrug er dagegen 5,20 Prozent. Für Banken ist es deshalb weniger risikoreich und in der Regel auch deutlich günstiger, Privatanleger als Geldgeber zu gewinnen. So sind parallel mit Euribor und dem Leitzins der Europäischen Zentralbank seit Sommer 2007 auch die Zinsen für Tages- und Festgeld gestiegen.

In den vergangenen drei Tagen, seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, haben sich die Konditionen nach Angaben des Verbraucherportals biallo.de aber kaum verändert. Einzige Ausnahme: Die niederländische Credit Europe Bank hat den Zinssatz für täglich verfügbares Geld für Neukunden auf 5,75 Prozent erhöht. Im Markt gilt dies als Kampfansage an Kaupthing Edge. Das isländische Institut garantiert beim Tagesgeldkonto schon länger 5,65 Prozent zumindest für sechs Monate.

Die Einlagensicherung

Grundsätzlich gilt: Mit Fest- und Tagesgeld sind Kunden derzeit auf der sicheren Seite. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, rät aber, sich bei den einzelnen Angeboten die Einlagensicherung der Banken genau anzuschauen. Am sichersten ist das Geld bei den Instituten geparkt, die Mitglied in einem deutschen Einlagensicherungsfonds sind.

Die attraktivsten Konditionen hat hier die Santander Consumerbank. Die deutsche Tochter der spanischen Großbank Santander lockt für Zwölf-Monats-Festgeld mit 5,35 Prozent Zinsen. Bei den meisten ausländischen Instituten ist die Einlagensicherung jedoch auf 20.000 Euro pro Person beschränkt. Zu den besten Festgeld-Anbietern in dieser Gruppe zählen neben der Credit Europe Bank die Deniz Bank, die Amsterdam Trade Bank und die Garanti Bank. Nauhauser rät, mit dem Anlagebetrag die Untergrenze der jeweiligen Einlagensicherung nicht zu überschreiten, um im Fall einer Bankenpleite kein Geld zu verlieren. Doch reicht dies aus? Professor Hartmut Weber, Chef des Bundesverbands deutscher Banken, beruhigt: "Anleger in Deutschland müssen auf Grund der Finanzmarktturbulenzen keine Sorgen um ihre Ersparnisse haben." Falls eine Bank pleitegehe, könnten sich die Kunden auf die Einlagensicherungssysteme verlassen.

Verbraucherschützer Nauhauser ist dagegen skeptischer: "Wenn es wirklich zum Super-Gau käme und reihenweise große Banken pleitegehen würden, dürfte das Geld der Einlagensicherungsfonds nicht reichen." Dann könnte nur noch der Staat helfen.

Die Papiere des Staates

Viele Anleger setzen deshalb gleich auf Staatspapiere - schließlich kann der Staat nicht pleitegehen. Die Nachfrage nach Bundesanleihen ist deshalb seit Beginn der Finanzkrise gestiegen - und die Erträge sind entsprechend gefallen. So wirft eine Bundesanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren gerade einmal eine Rendite von 4,03 Prozent ab. Wirklich Geld verdienen lässt sich damit nicht: Wer seinen Sparerfreibetrag ausgeschöpft hat und auf die Zinsen Steuern zahlen muss, dürfte bei einer Inflationsrate von 3,1 Prozent mit den Staatspapieren sogar real Geld verlieren. Dafür können solche Anleger Bankenpleiten ganz gelassen zur Kenntnis nehmen.

Leser empfehlen 

(SZ vom 18.09.2008/mel)