Mipim Trotz allem gelassen

Geschäftiges Treiben auf dem Messegelände.

(Foto: Yann Coatsaliou/AFP)

Auf der Messe in Cannes zeigen sich Städte und die Immobilienbranche gut gelaunt - trotz der vielen politischen Risiken und wieder steigenden Zinsen.

Von Andreas Schiller

An diesem Freitag geht in Cannes die 28. Mipim zu Ende. Tausende Teilnehmer trafen sich in dieser Woche auf dem "Marché international des professionnels de l'immobilier", wie die Messe mit vollem Namen heißt. Doch reisten nicht nur Immobilienprofis an, sondern auch Vertreter von Städten, Regionen und Ländern, um Investoren anzulocken. Zumeist präsentieren sie sich auf Gemeinschaftsständen mit Partnern aus der lokalen Immobilienszene. Architekten und Berater, Finanzierer und Anwaltskanzleien runden das Spektrum ab. Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr sogenannte Prop-Techs, zumeist Start-ups, die internetbasierte Lösungen für die Immobilienwirtschaft anbieten.

Schon lange reicht der Palais des Festivals für solche Massen nicht mehr aus. Auch die angebaute Ausstellungsfläche Espace Riviera platzt inzwischen aus allen Nähten. Metropolen wie London, Paris, Istanbul und Moskau präsentierten sich daher in großen Zelten, vornehm Pavillons genannt, außerhalb des Gebäudes. Gleich um die Ecke im Hafen liegen viele Yachten, deren Schilder auf temporäre Mieter hinweisen. Meistens sind das Immobilienunternehmer, Berater und Anwälte. Jede Menge Veranstaltungen in den großen Hotels kommen noch hinzu. Die Uferpromenade Croisette und die Innenstadt waren von der Immobilienbranche überrannt. So wie es in der Welt der Handelsimmobilien neuerlich Pop-up-Stores gibt, ergeht es Cannes beim Frühjahrstreffen der Immobilienwelt: Die Stadt ist für vier Tage in Besitz genommen.

Der Vielfalt der nach offiziellen Angaben 3150 Aussteller und circa 24 000 Teilnehmer aus 100 Ländern entsprach das Konferenzprogramm. Bot allein schon der Veranstalter Reed Midem viele Veranstaltungen, kamen noch Diskussionen und Präsentationen der Aussteller hinzu. Ein besonderer Schwerpunkt hat sich dabei nicht herauskristallisiert, dennoch gab es ein paar beherrschende Themen. Nahezu in jedem Gespräch war mindestens eines der beiden Wörter Trump und Brexit zu hören. Doch betonte zum Beispiel Brad Olsen, Präsident der Beratung Atlantic Partners aus den USA, dass "die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA keinen großen Einfluss auf die Immobilienwirtschaft" habe. "Dem Brexit kommt eine viel stärkere Bedeutung zu", meinte der Berater, der amerikanische und kanadische Investoren nach Europa begleitet. Am Donnerstag wurde auch viel über das Wahlergebnis in den Niederlanden diskutiert - mit Erleichterung darüber, dass vorerst kein weiterer nationaler Alleingang in Europa zu befürchten ist.

Auf diversen Konferenzen ging es in diesem Jahr vor allem darum, wie stark externe Faktoren auf die Immobilienwirtschaft einwirken und Unsicherheit produzieren. Andererseits ist es genau diese Unsicherheit, die viele Anleger lieber in Immobilien als in Aktien investieren lässt. Entsprechend positiv war die Gesamtstimmung. Allen Unwägbarkeiten zum Trotz präsentierte sich die Immobilienbranche auf der Mipim dieses Jahr selbstbewusst und optimistisch. Kapital, das nach Anlagemöglichkeiten sucht, ist jedenfalls genug im Markt. Die internationale Immobilienberatung JLL nannte für das Jahr 2016 bei gewerblichen Immobilieninvestments die Summe von 661 Milliarden US-Dollar. Für das laufende Jahr erwarten die Experten ähnliche Zahlen. Bleibt jedoch die Frage nach den passenden Produkten und Strategien. Hier schlägt die Stunde der Projektentwickler. Mehr und mehr steigen Investoren inzwischen auch schon zu einem frühen Zeitpunkt in noch unfertige Projekte ein. Über solche "forward purchases" wurde sehr viel mehr als noch vor einigen Jahren gesprochen. Wenn über Expansion diskutiert wurde, kamen rasch die Adjektive "behutsam" oder "vorsichtig" hinzu. Gleichwohl ist geografische Diversifizierung bei den großen institutionellen Investoren und Investmentmanagern nach wie vor angesagt. Doch auch hier wirken sich die unsicheren Zeiten aus. "Geopolitik ist für Investoren viel wichtiger als die Höhe von Zinssätzen", brachte es Jeremy Stewardson von der Asian Association for Investors in Non-listed Real Estate Vehicles auf den Punkt.

Deutschland gilt bei vielen der internationalen Anleger weiterhin als "sicherer Hafen" und damit als begehrtes Investmentziel. Daran ändern auch überschaubare Renditen und mancherorts enorme Kaufpreise nichts. Nach Cannes kamen Berlin-Brandenburg, Düsseldorf, die Region Frankfurt Rhein-Main, Hamburg, die nordrhein-westfälische Städtevielfalt unter dem Dach von NRW Invest, Stuttgart, aber auch Hannover, die Region Rhein-Neckar und Nürnberg mit Gemeinschaftsständen und aktuellen Projekten. Der Messestand München lockte mit bayerischem Bier, Weißwürsten und Brezen wie immer besonders viele internationale Besucher und Investoren an.

Bei den Anlegern hat sich das Suchverhalten verändert. Zwar sind die Metropolen wie München und Berlin und die besten Lagen noch immer sehr begehrt. Um höhere Renditen zu erzielen, gehen manche Investoren aber höhere Risiken ein und suchen zum Beispiel Objekte in B-Lagen. Doch das birgt auch Fallstricke. So gab Andreas Pohl, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Hypo, zu bedenken: "Schon seit einiger Zeit wird teilweise wieder in Objekte und Lagen investiert, bei denen man aus unserer Sicht vorsichtiger sein sollte. Liquidität ohne ausreichende Expertise ist eine ungute Kombination. Investoren und Finanzierer müssen deshalb die nachhaltige Immobilienqualität unbedingt im Blick behalten." Angebote, Themen und Geld gibt es in der Branche wie Sand am Meer.