Ein Investmentbanker der WestLB hat seiner Bank einen Schaden von rund 100 Millionen Euro beschert - weil er sich bei Aktienspekulationen nicht an die Regeln hielt.
Längst beschäftigen sich Banken nicht mehr nur mit klassischen Geldgeschäften wie der Kreditvergabe. Einen großen Teil ihrer Erträge erzielen sie inzwischen mit dem Handel von Devisen, Rohstoffen oder Aktien. In der Regel legen Geldhäuser solche Aufgaben in die Hände erfahrener Mitarbeiter - wie Friedhelm Breuers'.
Der Eingang der Zentrale der WestLB in Düsseldorf (© Foto: dpa)
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Bei der WestLB lief es jahrelang gut für den gelernten Investmentbanker, bis sich Breuers nun mit Volkswagen-Aktien verspekulierte. Damit wurde sein Arbeitgeber rechnerisch erst einmal um rund 100 Millionen Euro ärmer. Der Verlust fiel so hoch aus, weil sich der Händler nicht an die Regeln der WestLB hielt.
Der Banker muss sehr von seiner Strategie überzeugt gewesen sein. Jedenfalls habe er sein Limit trotz Ermahnungen mehrmals überschritten, sagt ein WestLB-Sprecher. Warum er dies tat, ist bislang noch sein Geheimnis. Vielleicht habe ihn der Erfolg der vergangenen Jahre blind gemacht, sagen Kollegen.
Platz Zwei auf Hitliste von Bankbetrügern
Breuers wäre nicht der Erste in der Bankwelt, dem es so ergeht. Berühmt wurde Nick Leeson, der mit seinen Betrügereien die jahrhundertealte britische Traditionsbank Barings in den Abgrund riss. 1992 schickte die Bank Leeson nach Singapur. Dort stieg der Jungbanker schnell zum Star auf.
Er verdiente an den asiatischen Terminmärkten manchmal zehn Prozent der gesamten jährlichen Einnahmen von Barings. Als die ersten Wetten missglückten, konnte er die Verluste noch verstecken. Lange fiel der Bank nichts auf. Am Ende fehlten 1,2 Milliarden Dollar in der Kasse, zu viel für Barings. Die Bank brach zusammen, und Leeson wanderte ins Gefängnis.
Gleichwohl schafft es Leeson in der Hitliste von Bankbetrügern nur auf den zweiten Rang. Die zweifelhafte Ehre des Spitzenplatzes gebührt Yasuo Hamanaka, der bei dem japanischen Finanzriesen Sumitomo den Kupferhandel leitete.
Zehn Jahre lang manipulierte er durch das Horten von Kupfervorräten den Markt für das Edelmetall. Schließlich versagte sein System. Insgesamt verschwanden zwei Milliarden Dollar. Dafür musste der Händler für acht Jahre in Haft. Einen Schaden von 350 Millionen Euro richtete Peter Young bei der damaligen Deutschen-Bank-Tochter Morgan Grenfell an.
Erinnerung an unrühmlichen Teil der Geschichte
Von Betrug ist bei der WestLB keine Rede. Gleichwohl weckt die Affäre Erinnerungen an die eigene Bankgeschichte: Der Fall Boxclever verursachte bei der WestLB vor vier Jahren einen Verlust von 1,7 Milliarden Euro.
Damals liefen Beteiligungen bei dem britischen Fernsehvermieter unter der Managerin Robin Saunders aus dem Ruder. Die WestLB geriet in eine existenzbedrohende Krise und konnte nur durch eine Kapitalspritze der Eigentümer gerettet werden.
Eine Neuauflage schließt die Bank aus. Die Verluste seien durch die neu eingeführten Sicherungssysteme stark begrenzt. Gleichwohl ist der Imageschaden für die Landesbank enorm. Schließlich hatte das Institut erst vor kurzem angekündigt, dass 2007 das erste normale Jahr seit der Boxclever-Krise werden könne.
Nun hat ein Händler aus dem eigenen Haus einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er setzte darauf, dass sich die Kursdifferenz zwischen zwei Arten von VW-Aktien, die beide an der Börse gehandelt werden, verringern würde. Doch dann stockte der Autohersteller Porsche überraschend seinen Anteil an einer der beiden Aktienarten auf, wodurch sich die Kursdifferenz vergrößerte - und in den Finanzen der WestLB tut sich ein gähnendes Loch auf.
(SZ vom 7. April 2007)
Eurovision Song Contest
Ich glaube, ich kann ernsthaft behaupten, dass Börse ungleich Wette ist.
Die Arbeit von Investmentbankern, Portfoliomanagern, Buchhaltern, "Researchlern", Kapitalanlagecontrollern etc. darf sich durchaus als Arbeit bezeichnen. Zumeist stecken bei sog. "Profitradern" unzählige Stunden an Arbeit in Käufen und Verkäufen. Analysen (Fundamental- sowie Chartanalysen), Marktmeinungen, Beobachtungen, Gerüchte & Spekulationen etc. werden intensiv durchleuchtet... ich will hier nicht langweilen mit einer Aufzählung diverser Arbeitschritte, jedoch nur gleich Abstand davon nehmen, die Börse als Spiel und Wette ab zu tun.
Auf Binsenweisheiten wie "Geld hineinpumpen" etc. kann ich genauso wenig geben - der eine rät so, der andere so. Ich will mich aber ebenfalls nicht in zum Gähnen motivierenden Begriffen wie "Risikostreuung, Cost Average Effekt" etc. ergießen...
Hinter jeder Finanzanlage, die in größerem Rahmen getätigt wird, steckt nur ein Bruchteil Bauchgefühl oder gar Wettgeist. Zumindest sollte dies so sein.
Wenn einem Investmentbanker der Freiraum gegeben wird, 100 Mill EUR unbeobachtet und unkontrolliert zu "verspielen", dann muss sich doch der Arbeitgeber fragen, ob nicht Fehler im internen System diesen Schaden ermöglicht haben. Ausschließlich im internen System.
Abschließend noch ein sehr schönes Zitat von einem gewissen Herrn Kostolany:
"Wer viel Geld hat, kann spekulieren. Wer wenig Geld hat darf nicht spekulieren. Wer kein Geld hat, muss spekulieren."
Fazit: Es gibt wohl andere Wege an der Börse als pure Spekulationen.
Schuld ist nicht der Spekulant, der ja nur dafür bezahlt wird für das, was er tut. Schuld ist ein System, das glaubt, man kann mit Wetten auf Dauer verdienen. Natürlich ist das leichter als normal arbeiten.
fakt ist:
Bis auf die Erkenntnis der Trader habe sein Limit überschritten, ist hier nicht viel zu holen. Das andere sind Beispiele spektakulärer Pleiten, die aber mit diesem FAll nicht in Zusammenhang stehen (müssen).
In der REgel dürften die Banken für jeden Angestellten Investmentslimits festlegen, die er nicht überschreiten darf. Dann gibt es verschiedene Produkte, mit denen man mit der Differenz zweier Aktien Geld verdienen kann.
Dass Porsche bei VW Aktien kaufte war mir bereits zwei bis drei Tage vor Veröffentlichung der Meldung klar, als ich Intraday nur noch Aufschläge bei 106 EUR aufwärts erkennen konnte. Da mussten Leute im Markt sein, die auf fast jedem Niveau kaufen.
So kam es ja dann - einige wussten wieder mehr. Ich erkannte das aber anhand der Beobachtung der Charts und ein wenig Fantasie bzgl. Porsche und dem VW-Gesetz. Und ich bin kein prof. Trader.
Der Kardinalfehler liegt aber anscheinend wieder im gieriger Individuum: Verluste muss man schnell realisieren, Gewinne laufen lassen. Indem man immer mehr in dasselbe Produkt schießt um die vorherigen Verluste wett zu machen, verlässt man sein System und befindet sich schon mit einen Bein in Schulden.
Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller