Milliarden-Überschuss bei Krankenversicherungen Diese Kassen zahlen ihren Versicherten Geld zurück

Gesetzliche Krankenkassen haben milliardenschwere Überschüsse erzielt - davon sollen jetzt auch die Versicherten profitieren. Zahlreiche Kassen wollen Prämien auszahlen oder ihre Leistungen verbessern, ein Wechsel lohnt sich dafür aber nicht immer.

Die Krankenkassen schwimmen derzeit förmlich im Geld. Erst vor einem Monat berichtete das Bundesgesundheitsministerium von knapp 22 Milliarden Euro dicken Finanzpolstern der Kassen. Minister Daniel Bahr (FDP) forderte die Kassen deshalb dazu auf, Prämien an ihre Mitglieder auszuschütten oder mehr Leistungen anzubieten. "Die Überschüsse sind das Geld der Versicherten und Patienten", sagte der FDP-Politiker. Diese sollten durch Leistungsverbesserungen und Entlastungen profitieren. Krankenkassen seien keine Sparkassen. Entsprechend schreibt das Gesetz auch vor, dass die Kassen nur über Rücklagen in Höhe von anderthalb Monatsausgaben verfügen dürfen.

Jetzt handeln die Kassen also. Die Versicherten sollen endlich von den Überschüssen profitieren, zahlreiche Krankenkassen wollen laut der Zeitung Die Welt Prämien zurückerstatten.

Wie hoch sind die Überschüsse?

[] Die baden-württembergische G&V BKK hat pro Versichterem im Jahr 2011 etwa 188 Euro Überschuss erwirtschaftet. Allerdings hat die Kasse nur etwas mehr als 2000 Versicherte.

[] Die BKK Schwarzwald-Baar-Heuberg hat im vergangenen Jahr ein Plus von 135 Euro pro Mitglied erzielt. Mehr als 20.300 Menschen waren zum 31.12.2011 bei dieser Kasse versichert.

[] An dritter Stelle ist die Techniker Krankenkasse (TK). Sie hat die meisten Versicherten, fast acht Millionen Menschen - pro Kopf hat die TK einen Überschuss von 122 Euro eingefahren.

[] Dicht darauf folgen mit 119 bzw. 115 Euro pro Versicherungsnehmer die Handelskrankenkasse mit knapp 350.000 Mitgliedern und die Hanseatische Krankenkasse mit etwas weniger als 300.000 Versicherten.

Die Höhe der Überschüsse sagt allerdings nichts darüber aus, wie hoch die Prämien für die Versicherten ausfallen. Einige Kassen entscheiden sich nur für die Prämien, andere verbessern das Leistungsangebot oder wählen einen Mix aus beiden Varianten. Wer von der Auszahlung der Überschüsse profitieren will, muss sich beim Wechsel der Krankenkasse beeilen.

Wie hoch sind die geplanten Rückzahlungen?

[] Mit der größten Prämie lockt die BIG direkt gesund: Bis zu 140 Euro sollen die Versicherten von der Kasse zurückbekommen, als Minimum sind 80 Euro veranschlagt. Wer davon profitieren will, muss bis zum 1. Januar 2013 wechseln.

[] Bei der TK steht noch nicht fest, wann und wieviel an die acht Millionen Versicherten ausgezahlt werden soll. Beschlüsse werden bis Mitte Oktober erwartet, die Kasse spricht von einem Betrag zwischen 60 und 120 Euro.

[] 75 Euro will die Hanseatische Krankenkasse zahlen, 72 Euro Prämie erhalten die Versicherten der BKK Wirtschaft und Finanzen, auch jene, die noch bis März 2013 wechseln. Die Versicherten der G&V BKK sollen ebenfalls 72 Euro erhalten. Auf die Überschüsse aus dem Jahr 2012 haben allerdings nur jene Versicherten Anspruch, die das ganze Jahr über versichert waren.

Ob sich ein Wechsel wegen der geplanten Prämienauszahlung wirklich lohnt, ist nach Ansicht von Experten jedoch fraglich. Bevor man sich für einen Wechsel entschließt, sollten Versicherte nochmal alle Leistungen der Kassen vergleichen. 95 Prozent seien zwar gleich, aber bei den Übrigen gebe es durchaus Unterschiede.

Ein weiteres Kriterium für einen Wechsel ist die Mindestvertragslaufzeit. Denn ein Versicherter muss mindestens 18 Monate bei seiner aktuellen gesetzlichen Versicherung sein - erst danach kann er kündigen und wechseln. Ein Sonderkündigungsrecht besteht nur dann, wenn die eigene Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt.