Von Caspar Dohmen

Spitze in Europa: Die Vereine aus Englands Premier League hängen die europäische Konkurrenz bei den Einnahmen ab - deshalb können sie die besten Spieler kaufen.

Die Profi-Fußballklubs in Europa verdienen immer mehr Geld. So steigerten die fünf größten Fußballligen - die ersten Ligen in Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien - ihre Einnahmen in der Saison 2006/07 auf mehr als sieben Milliarden Euro, 402 Millionen Euro mehr als in der Spielzeit davor. Damit kommt das Quintett auf gut die Hälfte der europäischen Fußballeinnahmen. Diese Daten stellte Stefan Ludwig von dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte & Touche am Mittwoch in Düsseldorf vor. Die Firma untersucht jedes Jahr die wirtschaftliche Situation der Vereine.

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Englands Fußballmeister 2008: Manchester United mit dem Pokal. (© Foto: AFP)

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Weit weniger nehmen die Ligen aus kleineren Ländern wie den Niederlanden, Österreich oder Schottland ein. Entscheidend dafür seien die geringeren Fernseheinnahmen, sagte Ludwig. Allerdings gibt es auch bei den fünf größten Fußballligen große Unterschiede. Fast schon uneinholbar vorne liegt die englische Premiere League mit einem Umsatz von 2,3 Milliarden Euro. Die englischen Topklubs verdienten traditionell mehr Geld an den einzelnen Spieltagen; sie kommen auf 61 Euro je Zuschauer, in Spanien sind es 35 Euro und in Deutschland 17 Euro.

Teure Logenplätze

Unter anderem liegt dies daran, dass ihnen in der Regel die Stadien gehören und sie mehr komfortable Sitzplätze oder Logenplätze anbieten, so wie Arsenal London: Der Verein verfügt in dem neuen Emirates-Stadion über 2000 statt vorher 350 Logenplätze; die Zahl der sogenannten Business-Sitze stieg von 180 auf 7000. Nun nahmen Manchester United & Co der italienischen Liga auch noch den Spitzenplatz bei den TV-Einnahmen ab, und die Bundesliga verdrängten sie bei den Erlösen aus Sponsoring und sonstigen Einnahmen vom ersten Platz.

Insgesamt landet die Bundesliga gemessen an den Einnahmen von 1,4 Milliarden Euro auf dem zweiten Platz. Spanien verdrängte Italien vom dritten Platz. Schlusslicht bleibt Frankreich. Und der Vorsprung der englischen Liga dürfte sich in der gerade abgelaufenen Saison auf mehr als eine Milliarde Euro vergrößert haben, schätzt Ludwig.

Steigende Einnahmen

Ganz anders sieht es dagegen mit der Profitabilität aus. Hier schaffte die Bundesliga den Sprung ganz nach vorne und verdrängte die Engländer vom Spitzenplatz. Die 18 Vereine der Bundesliga kommen auf ein Betriebsergebnis von 250 Millionen Euro, die Klubs der Premiere League auf 141 Millionen Euro. Die Klubs der italienischen Serie A schrieben einen Verlust von 40 Millionen Euro. Die hohen Gewinn der deutschen Vereine resultieren vor allem daraus, dass sie die Gehälter ihrer Fußballspieler vergleichsweise langsam anhoben.

Obwohl die Einnahmen kräftig stiegen, gaben die Bundesligaklubs nur wenig mehr für Löhne aus. Die Autoren der Studie sprechen von einem Sonderfall, "da eine Einnahmesteigerung historisch gesehen zumeist mit einer entsprechenden Steigerung der Lohn- und Gehaltskosten einherging". Dagegen sattelten die Clubs der englischen Premiere League von der Saison 2005/06 auf 2006/07 171 Millionen Euro auf die Gehälter drauf. Dank ihrer prall gefüllten Kassen ziehen die englischen Klubs die besten Spieler an. Am meisten steigerten in der Saison 2006/07 der FC Chelsea, West Ham United, Portsmouth und Newcastle United die Ausgaben - jeder dieser Vereine legte bei den Gehältern für seine Spieler mehr drauf, als alle Bundesligaklubs gemeinsam.

Dabei geben die deutschen Vereine von ihren Einnahmen ohnehin recht wenig für die Profifußballer aus. Während die Konkurrenten aus England, Frankreich, Italien und Spanien zwischen 62 und 64 Prozent ihrer Einnahmen für die Spieler ausgeben, kommen die Bundesligisten auf eine Quote von 45 Prozent. Überhaupt achten die europäischen Topvereine wenig auf Gewinne. Daran hat auch der Einstieg von Investoren wie Roman Abramovich beim FC Chelsea nichts geändert.

Premier League dominiert

Der FC Bayern München, der Hamburger SV, Schalke 04 und Werder Bremen gehören laut der Studie zu den 20 umsatzstärksten Vereinen in Europa. Erstmals sind damit vier Bundesligisten in den Top 20 vertreten, die Deloitte & Touche seit 17 Jahren ermittelt. Dortmund, Leverkusen und Stuttgart verpassten demnach den Einzug nur knapp. "Der Medienvertrag ab der Saison 06/07, stetig wachsende Sponsoringeinnahmen, der anhaltende Zuschauerboom sowie eine moderne Stadioninfrastruktur sind ausschlaggebend für die Rekordumsätze der Bundesligisten", sagte Ludwig.

Allerdings dominiert die englische Premiere League mit sechs Klubs, vier der umsatzstärksten Mannschaften kommen aus der italienischen Serie A. Die höchsten Umsätze hatte Real Madrid mit 351 Millionen Euro. Die Mannschaften aus den fünf finanzstarken Ligen haben die Champions League in den vergangenen Jahren beherrscht. Während der fünf Spielzeiten bis 2007/08 erreichten beispielsweise nur fünf Mal Mannschaften aus kleineren Ligen ein Viertelfinale der Champions League.

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(SZ vom 28.08.2008/tob)