Von Marco Völklein

Wie es war, als Klaus und Klaus mich zum Einstieg an der Börse überredeten.

Schatzbriefe - du Memme! Das war im Herbst 2000. Abends beim Bier. Da war Klaus noch zuversichtlich. Eine drohende Baisse? Ach was! Anzeichen für einen Wirtschaftsabschwung? Papperlapapp!

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Klaus hatte keine Zweifel. Mit EM.TV und Telekom hatte er gute Gewinne eingefahren - zumindest auf seinem Depotauszug, den er sich wöchentlich am Automaten zog.

Mein Studienfreund Klaus hatte alles richtig gemacht. Und ich wohl alles falsch. Als Manfred Krug seine Unterarme in Werbespots zu einem T geformt und so für die Volksaktie getrommelt hatte, herrschte bei mir noch studiumsbedingt Ebbe in der Kasse. Und mit was EM.TV eigentlich genau handelt, hatte ich erst verstanden, als die Aktie schon dreistellig notierte. Der Börsenzug war abgefahren. Ich war Schatzbriefsparer. Das sollte sich ändern.

Zuviel Zuversicht

So kam der andere Klaus. Nicht Klaus aus dem Politik-Kurs. Sondern Klaus aus Bonn. Der hatte seinem Unternehmen, der Bundespost, gerade den Namen Deutsche Post World Net verpasst. Und im Fernsehen ließ er Thommy für seine Aktie Gelb werben, die eigentlich P-Aktie heißen sollte (doch dagegen hatte sich der Konzern mit dem T verwahrt und Klaus mit einem Rechtsstreit gedroht).

Ich also vertraute auf Klaus. Und Klaus. Beide waren zuversichtlich: Die Aktie Gelb, sie werde vielleicht nicht abheben wie Infineon oder EM.TV. Aber aufwärts werde es mit Sicherheit gehen. Du wirst schon sehen! Sagte Klaus.

Ich kaufte. Und sah zu, dass ich nicht mehr hinschaute: Börseneinbruch, Wirtschaftskrise. Von mehr als 20 Euro fiel der Kurs bis auf 8 Euro. Von Klaus aus Bonn hörte ich nur, dass der World-Net-Konzern gut aufgestellt sei. Von Klaus aus meiner Abi-Klasse hörte ich plötzlich gar nichts mehr.

Seit zwei Wochen höre ich von Klaus wieder mehr. Von Klaus aus Bonn. Der Staatsanwalt war bei ihm und auch die Polizei. Die Aktie Gelb notiert wieder etwas über 20 Euro. Den World-Net-Konzern hat Klaus verlassen. Um den kümmert sich nun ein Frank. In meiner Studienjahrgang war auch ein Frank. Ich glaub, den ruf ich mal an. Vielleicht hat er ja Zeit auf ein Bier.

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(SZ vom 26.2.2008/hgn)