Von wegen "Götter in Weiß": Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts stehen Ärzte im Zentrum der Korruption im Gesundheitswesen. Viele Mediziner erhalten dabei nicht nur Kopfgeld für Patienten.
Karl Lauterbach! Als der Name des SPD-Gesundheitspolitikers fällt, ist es vorbei mit Andreas Köhlers Gelassenheit. Eine Stunde lang hatte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung die unerträglich komplizierten Feinheiten der jüngsten Honorarverhandlungen dargelegt und dann das: Gefragt wurde er nach ganz etwas anderem, nämlich den "Fangprämien", die Krankenhäuser niedergelassenen Ärzten zahlen, wenn sie ihnen Patienten überweisen. Und es ging nun um die Aussage Lauterbachs, der den Ärzten vorgeworfen hatte, durch diese Praxis das Leben ihrer Patienten zu gefährden.
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Die Ärzte geben nun eine beruhigende Diagnose aus: 14 Millionen Mal im Jahr überweisen deutsche Mediziner ihre Patienten ins Krankenhaus oder empfehlen eine Klinik - und nur in wenigen Fällen fließe Geld. (© Foto: dpa)
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Was für ein Gefühl die Patienten wohl hätten, die von ihrem Doktor gerade ein Krankenhaus empfohlen bekämen?, schimpfte Köhler. Dies geschehe etwa 14 Millionen Mal im Jahr und nur in wenigen Einzelfällen fließe Geld.
"Da kriege ich das Kotzen"
Es handele sich um eine Übertreibung der Medien, "um die Nachwehen, den Mutterkuchen des Sommerlochs", polterte der Ärztechef. "Da wird wieder mal der gesamte Berufsstand verunglimpft" - und das auf Kosten der Patienten. "Da kriege ich das Kotzen."
Tatsächlich ist die Debatte über die Fangprämien exemplarisch für zweierlei: Sie zeigt einmal mehr, dass Betrug und illegale Tricksereien alltäglich sind im medizinisch-industriellen Komplex und sie zeigt, wie empfindlich die Spieler im System reagieren, wenn sie über die offensichtlichen Missstände im System sprechen müssen.
Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) stehen die Ärzte im Zentrum der Korruption im Gesundheitswesen. Die allermeisten registrierten Delikte werden von ihnen verübt. Aber auch Labore, Kliniken, die Pharmahersteller, Apotheker, Zahntechniker, Sanitätshäuser und Krankenkassen-Mitarbeiter mischen kräftig mit.
Nur die Spitze
Das BKA macht vor allem das weitgehend unkontrollierte Abrechnungssystem für die Betrugs- und Korruptionsfälle verantwortlich. So hätten Kassenpatienten keine Möglichkeit, die Arztrechnungen mit den tatsächlich erbrachten Leistungen abzugleichen.
Die Kassen als Geschädigte seien oftmals nur auf Schadenersatz aus und sie verzichteten auf eine strafrechtliche Verfolgung, weil dies noch höhere Kosten verursache. Deshalb dürfte es sich bei den etwa 3800 Betrugsfällen, die 2007 von den Behörden erfasst wurden, nur um die Spitze handeln. Die Dunkelziffer sei erheblich höher, vermuten die Experten des BKA.
Der Verein Transparency International geht davon aus, dass durch Korruption im medizinischen Betrieb Kosten von bis zu 14 Milliarden Euro im Jahr entstehen. Das Gesundheitsministerium ist vorsichtiger und spricht nur von einem dreistelligen Millionenbetrag.
Es waren die Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Bundesärztekammer, die dieses Mal Alarm schlugen. Sie meldeten einen deutlichen Anstieg der Fälle, in denen "niedergelassene Ärzte ihre Patienten an Krankenhäuser verkaufen". DKG-Präsident Rudolf Kösters sagte, immer öfter setzten Ärzte die Kliniken unter Druck.
"Geld oder Patient"
Nach dem Motto: "Geld oder Patient". Ärztekammer-Chef Jörg-Dietrich Hoppe machte die fortschreitende Kommerzialisierung der Medizin für das Phänomen verantwortlich. Bald darauf warfen sich Vertreter von Ärzteschaft und Krankenhäusern gegenseitig vor, für die Kopfgelder verantwortlich zu sein. Die einen, weil sie sie zahlten. Die anderen, weil sie sie kassierten.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sprach von Betrug, wenn die vom Krankenhaus geleisteten Zahlungen auch noch über die Krankenkassen abgerechnet würden. Der Verband Volkssolidarität argumentierte, die Kliniken seien zu den Prämienzahlungen gezwungen, weil sie sonst dem Wettbewerb nicht standhielten.
Schuld trage die Gesundheitspolitik, die solche Rahmenbedingungen geschaffen habe. Schließlich kam Lauterbach und warf den Ärzten sinngemäß vor, sie würden den Tod ihrer Patienten in Kauf nehmen, wenn sie sie in die falsche Klinik überwiesen.
Vorteil Nachsorge
Die Heftigkeit der Debatte lenkt aber davon ab, dass es die Gesundheitsreform war, die das Tor zu den Fangprämien-Zahlungen öffnete. Grob gesprochen sind die Kliniken aufgefordert, ihre Patienten früher zu entlassen. Das Ziel ist es, Geld zu sparen. In bestimmten Fällen dürfen dann niedergelassene Ärzte auf Kosten der Krankenkasse die Nachsorge übernehmen.
Der Arzt bekommt also im Fall der Fangprämien Geld von der Klinik, damit er diese auswählt. Die Klinik wiederum bevorteilt ihn dann noch, in dem sie ihm die Nachsorge überträgt. Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, das die Kassenärzte und Krankenhausgesellschaften künftig unterbinden wollen - und müssen.
- Bestechliche Ärzte Krankenkasse ruft nach dem Strafrecht 03.09.2009
- Ärzte und ihr Honorar Jammern auf hohem Niveau 28.07.2009
- Lohnplus für Ärzte Doktor Gutverdiener 02.09.2009
(SZ vom 04.09.2009/pak)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
... ausgelassen ,Herr Bohsem : die verdeckten Mittäter unter den BT-Parlamentariern . Ein so mafiös durchseuchtes Gesamtkunstwerk wie unser Gesundheitssystem ist nicht denkbar ohne jahrzehntelange "Mitarbeit" des Gesetzgebers !
Liebe Moderatoren. irgend etwas stimmt doch da nicht. Wenn ich Originaltexte aus dem Artikel zitiere, werden diese als " Schimpfworte" gesperrt. Das kann ja nun alles nicht mehr wahr sein!!!
Liebe gnädige Frau, es ist wohl jedem Leser und Kommentator völlig klar, dass es sich bei den Vorwürfen um eine Minderheit dreht. Ich glaube, dass muss nicht immer aufs Neue erwähnt werden. Das der Ruf der Ärzte unter derartigen Skandalen nicht unerheblich leidet, ist klar. Das es eine sehr große Arztgemeinde, die aufopferungsvoll an ihrem Arztberuf hängt und ihn mit Leidenschaft und Augenmaß ausübt, sollte jedem Bewusst sein! Nur, bitte, bedenken Sie: es hat in den vergangen Jahren, fast Jahrzehnten, immer wieder Skandale gegeben, die man getrost als ungeheuerlich bezeichnen darf. Wenn der Vorsteher der Bundesärztekammer in seine Rage am liebsten " Kot.... " möchte, dann geht das vielen Patienten schon sehr viel länger so. Wenn weiterhin derselbe Dr. Köhler im vorliegenden Falle von einer Minderheit spricht, sagt er niemals die Wahrheit. Oder, warum bitte sehr, wurde heute in den Nachrichten erwähnt, dass die Bundesärztekammer mit den betroffenen Organisationen in Berlin tagt, um dieses " Problem " zu diskutieren? Wegen angeblich drei (!) bekannt gewordenen Fällen ? Wenn Köhler das glauben machen will, macht er sich doch öffentlich lächerlich. Hinzu kommt aber, dass es doch, wenn ich mich recht erinnere, in diesem Jahr Demonstrationen gab, wo die Ärzte ( hoffentlich waren auch welche, nicht wie vor 2 Jahren) auf die Strasse gingen, weil ihre Honorare derart niedrig seien, dass sie um ihr Überleben fürchteten. Und das, obwohl ihnen zugesichert worden war, ( und zwar im Jahre 2008) in diesem Jahr 2 Milliarden mehr als Gage zu erhalten. Und da waren auch noch Ärzte, die gewisser massen Vorkasse verlangten, bevor sie mit ihrer Behandlung anfingen. Umso peinlicher war es jedoch, als im Juli bekannt wurde, dass die Mediziner in diesem Jahr 7,5 % höhere Einkommen erhalten! und zu allem Überfluss soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass Dr. Köhler Anfang des Jahres massive Aktionen gegen die Politik angedroht hat und diese um eine bestimmte Partei zu honorieren. Diese Machenschaften sind, mit Verlaub nicht mehr nur peinlich! Das die Frau Gesundheitsministerin die Lieblingsfeindin aller beteiligten im Medizinisch-Industriellen Komplex und der damit verbundenen Lobbys ist, wissen wir alle.
" ... durchschnittliche Mehrkosten für die Kassen von 1 Mio pro Jahr . "
Man wird langsam fassungslos, angesichts der Begründungen für die diversen Zusatzeinkommen in Arztpraxen.
Ein Arzt hat den Patienten an das Krankenhaus zu überweisen, das die benötigte Leistung sicher, wirksam und wirtschaftlich anbietet. Diese Entscheidung ist nach objektiven Grundsätzen und unter Einbeziehung des Patientenwunsches zu treffen!
Eine fadenscheinig begründete Provision trägt mit Sicherheit nicht dazu bei, objektiv das richtige Krankenhaus auszuwählen.
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