Managergehälter: Gewinner und Verlierer Wo der Rubel rollt

Maßhalten in der Krise? Da fühlt sich nicht jeder angesprochen! sueddeutsche.de zeigt, welche Konzernvorstände abkassierten und welche Zurückhaltung übten.

Das Krisenjahr 2008 macht sich auch in den Bezügen der Dax-Vorstände bemerkbar. Um mehr als 20 Prozent reduzierte sich ihre Gesamtvergütung. Das hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) München errechnet. Dennoch kommen die Vorstände der Großkonzerne auf einen durchschnittlichen Jahresverdienst von 2,28 Millionen Euro.

Vorstände, Top-Verdiener, dpa, ddp

Siemens-Chef Peter Löscher (Mitte) hat im Jahr 2008 prächtig verdient - bei Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (rechts) Martin Blessing von der Commerzbank (links) sah das etwas anders aus.

(Foto: Foto: dpa,ddp)

Bei Siemens rentierte sich im Jahr 2008 ein Posten im obersten Führungsgremium ganz besonders. Mit einer durchschnittlichen Gesamtvergütung von 4,11 Millionen Euro lagen die Top-Manager des Münchner Technologiekonzerns ganz vorne im DSW-Ranking.

Aber auch die Vorstände von Linde (durchschnittliches Jahreseinkommen: 3,7 Millionen Euro), Eon (3,67 Millionen Euro) und Volkswagen (3,57 Millionen Euro) gehörten zu den Top-Verdienern im Dax - sie alle konnten alle ihre Jahresverdienste deutlich steigern.

Geschwächt durch die Finanzkrise, die im September 2008 mit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers eskalierte, waren vor allem Geldinstitute und Versicherer. Und so mussten vor allem Finanz-Manager deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen. Besonders deutlich merkten dies die Vorstände der Commerzbank.

Die Bank, die vom Staat gestützt wird und darum die Gehaltszahlungen kürzen muss, zahlte ihren Vorständen im Schnitt 718.000 Euro und liegt damit im deutschlandweiten Vergleich ganz hinten. Für die Manager ergab dies ein Minus von mehr als 60 Prozent.

Kritik am Vergütungssystem

Die Vorstände der Deutschen Bank kassierten im vergangenen Jahr fast 87 Prozent weniger. Sie mussten sich mit ihrem Fixgehalt begnügen - Boni und aktienbasierte Vergütungen (Aktien oder Aktienoptionen) gab es im abgelaufenen Jahr gar nicht. Konzernchef Josef Ackermann findet sich im Vergleich mit seinen Dax-Vorstandskollegen auf dem viertletzten Platz - mit einer Gesamtvergütung von 1,33 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der bestbezahlteste Dax-Vorstandschef, Siemens-Mann Peter Löscher, kam den Berechnungen zufolge auf 9,84 Millionen Euro.

Scharf kritisierten die Experten die Vergütungssysteme der Dax-Konzerne. Die Entlohnung habe "zu stark den kurzfristigen Erfolg im Blick", sagte Gunther Friedl, Professor an der TU München. So seien die aktienkursorientierten Vergütungsbestandteile in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Den größten Anteil der Vorstandsvergütung machten demnach die Bonuszahlungen aus. Sie seien mit einem Anteil von durchschnittlich 33 Prozent zwar zurückgegangen, bilden jedoch noch immer den größten Teil eines Dax-Vorstandsgehalts. "Darüber hinaus bezahlen die meisten Unternehmen Boni auf Basis kurzfristiger, das heißt jährlicher, Ziele", sagte Friedl.

Gehalts-Schlaraffenland USA

Trotzdem - bei der Bezahlung gebe es "keine Anhaltspunkte für größere Exzesse irgendwelcher Art", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.

In den USA sieht es anders aus: Die Konzernchefs der Dow-Jones-Unternehmen kamen im Jahr 2008 auf ein durchschnittliches Jahressalär von 11,35 Millionen Euro. Der Top-Verdiener hieß den DSW-Berechnungen zufolge Marc Hurd und sitzt auf dem Chefsessel beim Computerhersteller Hewlett Packard.

Hurd erhielt im vergangenen Jahr eine Gesamtvergütung von 28,48 Millionen Euro. Lee Scott, der Vorstandschef des Handelskonzerns Wal Mart kassierte umgerechnet 20,48 Millionen Euro - und damit mehr als das Doppelte des deutschen Dax-Spitzenreiters Peter Löscher.

Im europäischen Vergleich müssen sich die Konzernchefs von Dax-Vorständen jedoch nicht verstecken. Mit einer durchschnittlichen Vergütung von 3,69 Millionen Euro liegen sie auf ganz vorne. In der Schweiz kommen die Konzernlenker im Schnitt auf ein Jahresgehalt von 3,45 Millionen Euro, in Frankreich sind es 3,27 Millionen Euro.