Von A. Oldag und H. Wilhelm

Das Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds geht - laut Gerüchten - 2010 an die Börse. Das würde der umstrittenen Private-Equity-Gesellschaft Blackstone frisches Geld bringen.

Das Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds in London ist weltberühmt - und sorgt regelmäßig für Schlagzeilen. Vor drei Wochen gerade wieder mit einer überarbeiteten Wachspuppe des mageren britischen Top-Models Kate Moss, im "komplett neuen Fashionista-Glam-Look", wie das Museum das neue Ausstellungsstück anpries.

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Berlins Regierender Bürgermeister Klaus (rechts) Wowereit mit seiner Wachsfigur bei Madame Tussauds in Berlin. (© Foto: AfP)

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Und wie fast immer war die Figur ein Aufreger, die britische Boulevardzeitung Sun mäkelte sofort: "Wo sind ihre Falten, und was ist mit ihrer berühmten Nase?"

Im vergangenen Jahr drangen die Schlagzeilen sogar bis nach Deutschland vor: Der Berliner Ableger des Museums stellte unter dem Titel "Helden und Bösewichte" eine Figur von Franz Josef Strauß neben einer des DDR-Spions Günter Guillaume dar und zählte somit den früheren bayerischen Ministerpräsidenten wohl eher zu den Bösewichten.

Bayerisch-englische Beziehungen belastet

Eine Tatsache, die die CSU natürlich in helle Aufregung versetzte. Man sah gar die bayerisch-englischen Beziehungen belastet. Tja, das sind so die Schlagzeilen, die man von Madame Tussauds kennt.

Doch jetzt ist das berühmte Kabinett nicht mehr nur Thema auf den Gesellschaftsseiten der Zeitungen; nein, nun beschäftigt es die Finanzredaktionen. Der Grund: Madame Tussauds geht - laut Gerüchten - 2010 an die Londoner Börse.

Natürlich nicht wirklich die Madame persönlich, aber Merlin Entertainments. Das ist das britische Unternehmen, das mehrere Freizeiteinrichtungen betreibt, darunter Madame Tussauds, aber auch zum Beispiel die Legoland-Freizeitparks, den Heidepark Soltau, die Sea-Life-Zentren und das Riesenrad London Eye, das die britische Hauptstadt schmückt.

Auch mit diesem Plan sorgt Madame Tussauds für Schlagzeilen, wäre es doch der erste große Börsengang in London seit längerer Zeit. Der Markt für Börsengänge - im Branchensprech Initial Public Offering (IPO) genannt - liegt angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise am Boden.

"Geld fließt zurück in den Markt"

Merlin könnte so etwas wie ein Hoffnungsschimmer dafür sein, dass sich die Aussichten bessern", sagt ein Manager einer großen Londoner Bank. "Geld fließt zurück in den Markt. Der Appetit für IPOs wächst", gibt sich Analyst John Carey von Pioneer Investments optimistisch.

Analysten rechnen damit, dass Merlin bei einer Aktienemission mit etwa zwei Milliarden Pfund bewertet wird. Als Investmentbanken, die das Unternehmen beim Börsengang beraten sollen, stehen angeblich die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Citigroup und UBS bereit.

Nach Angaben der amerikanischen Researchfirma Renaissance Capital fanden in Europa im vergangenen Jahr lediglich 25 Börsengänge statt, die insgesamt rund zehn Milliarden Euro einbrachten. Das war ein starker Einbruch gegenüber dem Jahr 2007 mit 178 Unternehmen und einem Volumen von 93,1 Milliarden Dollar. Renaissance Capital erwartet in diesem Jahr eine leichte Belebung in Europa. Die Mehrzahl der Börsengänge werde jedoch in Asien stattfinden, da dort die Konjunktur bereits kräftiger angesprungen sei.

Ein Palast auf Long Island

Merlin Entertainments gehört größtenteils der US-amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft Blackstone - dessen streitbarer Chef Stephen Schwarzman wohl mindestens so oft für Schlagzeilen sorgt wie das traditionsreiche Wachsfigurenkabinett nahe der Londoner U-Bahn-Station Baker Street.

Der Lebemann besitzt in New York eine 35-Zimmer-Wohnung, auf Long Island einen Palast für 30 Millionen Dollar und gibt für seine Geburtstagsparty auch gerne mal drei Millionen Dollar aus.

Blackstone erwarb Merlin Entertainments 2005 für 102 Millionen Pfund und kaufte anschließend mehrere Freizeitparks zu. So wurde das Unternehmen zum zweitgrößten der Branche - größer ist nur noch Walt Disney.

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(SZ vom 27.10.2009/pak)