Lücken bei Versicherungszeiten So bekommen Sie mehr Rente

Viele der 42 Millionen Rentenkonten haben Lücken. Wer die Versicherungszeiten nicht rechtzeitig abklärt, riskiert Einbußen. Was Sie jetzt beachten müssen, um im Ruhestand das zu bekommen, was Ihnen zusteht.

Von Berrit Gräber

Gut 21 Millionen Rentner können sich jetzt über ein kleines Plus auf dem Konto freuen. Ab 1. Juli, also ab diesem Dienstag, bekommen Ruheständler im Westen 1,67 Prozent mehr vom Staat, im Osten 2,53 Prozent. Und was ist mit denen, die noch mitten im Berufsleben stecken? Wer im Alter so viel gesetzliche Rente rauskriegen will, wie ihm zusteht, sollte frühzeitig seine Ansprüche prüfen. Denn viele der gut 42 Millionen jährlich verschickten Rentenprognosen sind lückenhaft.

Aber nur gemeldete Schul- oder Ausbildungszeiten bringen auch Geld. Je länger Arbeitnehmer mit ihrer Kontenklärung warten, desto mehr Mühe kann damit verbunden sein, sagt Andreas Feuser von der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin. Kurz vor der Rente können wichtige Unterlagen verloren sein. Wer seine Versicherungszeiten nie kontrolliert und aufs Nachbessern verzichtet, riskiert, dass er nicht so viel Rente bekommt, wie er verdient.

Was besagt die Renteninfo?

Seit 2004 geben die gesetzlichen Rentenkassen ihren Versicherten über 27 Jahre, die schon seit mindestens fünf Jahren Beiträge einzahlen, schriftlich eine Vorstellung darüber, ab wann sie Altersrente bekommen, wie viel sie eingezahlt haben, welche Monatsrente erworben wurde und welche sich in Zukunft voraussichtlich ergeben wird. Diese Renteninformation wird einmal im Jahr per Post verschickt. Die Prognose garantiert nichts, sie gibt nur eine Orientierung. Nach Vollendung des 54. Lebensjahres wird die Renteninfo alle drei Jahre durch eine Rentenauskunft ersetzt.

Was ist der Versicherungsverlauf?

Sind Versicherte mindestens 43 Jahre alt, bekommen sie auch einen Versichertenverlauf zugeschickt. Das ist eine Art Konto-Auszug der persönlichen Rentenansprüche. Wer möchte, kann ihn aber auch jederzeit anfordern - am besten nicht erst kurz vor der Rente. Je früher, desto besser, rät Feuser. Denn: Nur die Zeiten, die darin aufgelistet sind, bringen Rente. Beispielsweise die von Arbeitgebern gemeldeten Daten. Durch die Lappen gehen aber in der Regel die Schulzeit ohne eigene Beiträge, die Berufsschule, Ausbildungs- und Universitätsjahre, Arbeitslosigkeit, längere Krankheit mit Bezug von Krankengeld oder Kindererziehungszeiten. Manchmal gibt es auch Zahlendreher. Wer Lücken nicht nachmeldet, verliert definitiv Geld.

Warum müssen Lücken geschlossen werden?

Drei Varianten

Die jährliche Renteninformation soll auf Versorgungslücken im Alter aufmerksam machen. Vorgerechnet werden dabei drei Varianten für die Altersrente: Eine Hochrechnung ohne Rentensteigerung (also ohne Anpassung an steigende Löhne), eine Prognose mit einer einprozentigen Erhöhung pro Jahr und eine mit zwei Prozent Rentensteigerung. Wichtig ist, die vorgerechneten Zahlen wie einen Bruttolohn zu betrachten. Denn die aufgeführten Summen gibt es im Alter nicht etwa eins zu eins. Abgezogen werden davon noch die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Und dann langt eventuell noch die Steuer zu. Außerdem muss der Kaufkraftverlust, sprich: die Inflation, berücksichtigt werden. In zehn oder 20 Jahren lässt sich mit 100 Euro vielleicht deutlich weniger kaufen als heute. Außerdem wurde 2005 ein sogenannter Nachhaltigkeitsfaktor in die Formel zur Rentenberechnung eingeführt. Das bedeutet: Gibt es mehr Rentner und weniger Beitragszahler wie zurzeit, fallen die Renten geringer aus. Berrit Gräber

Was viele unterschätzen: Auch Schulzeit bedeutet Rentenzeit, nicht nur das Berufsleben zählt. Schule und Studium wirken sich zwar nicht mehr rentensteigernd aus wie früher einmal. Aber sie werden auf die Mindestversicherungszeit angerechnet: Fünf Jahre braucht jeder, um überhaupt eine Rente zu kriegen. Deshalb ist es so wichtig, dass jeder Monat, in dem ein Versicherter in Schulen, an der Hochschule oder in Ausbildung war, auch im Versicherungsverlauf auftaucht. Selbst die Lehrstellensuche als Schulabgänger zwischen 17 und 25 Jahren zählt, ebenso ein Freiwilligenjahr, Zeiten von Arbeitslosigkeit, Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen. Eine Berufsausbildung spielt sogar für die Höhe der Rente eine Rolle, egal, ob sie in einem Betrieb oder an einer Fachschule stattfand.

Wie profitieren Eltern?

Für Millionen Eltern sind die Kindererziehungszeiten wichtig. Auch das steigert die Rente des Elternteils, der den Nachwuchs erzogen hat. Meist sind es Frauen, die ihre spätere Rente mit dem Nachmelden aufpeppen können. Für Nachwuchs ab 1992 bekommen sie die ersten drei Jahre nach der Geburt angerechnet. Bei Müttern, die davor Kinder geboren haben, wurde bislang nur ein Jahr Erziehungszeit pro Kind berücksichtigt. Ab 1. Juli sind es zwei Jahre. In Euro und Cent macht das monatlich 28,61 Euro Extra-Geld im Westen aus und 26,39 Euro im Osten. Hatten betroffene Frauen bisher noch gar keinen Kontakt zum Rententräger, sollten sie sich in nächster Zeit melden und die Kindererziehung für ihre vor 1992 geborenen Sprösslinge speichern lassen. Wer schon einmal sein Rentenkonto klären ließ und Kinder geltend machte, bekommt automatisch das zweite Jahr zugeordnet.

Wie lassen sich Zeiten nachmelden?

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Die Kontrolle der im Versichertenverlauf gespeicherten Zeiten, die ja meist über viele Jahre gehen, macht zwar Mühe, zahlt sich aber aus. Wer Fehler findet oder unsicher ist, ob alles vollständig erfasst ist, kann jederzeit nachbessern. Lücken können durch Zeugnisse und andere Dokumente problemlos geschlossen werden. Das geht über die kostenlose "Kontenklärung" mit Hilfe des Rentenversicherers oder eines Versichertenberaters in der Nähe. Wer einen persönlichen Termin ausmacht und gleich alle Nachweise im Original mitbringt wie Geburtsurkunde des Kindes, Ausbildungs- oder Abiturzeugnis fährt am besten und am schnellsten. Der Antrag kann aber auch im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de (Suchbegriff "Kontenklärung") heruntergeladen werden. Telefonische Unterstützung gibt es unter 0800 - 10 00 48 00 (kostenlos aus dem Festnetz der Deutschen Telekom). Wichtig ist immer, seine Sozialversicherungsnummer parat zu haben. Ein Rentenkonto lässt sich zumindest bis zum endgültigen Rentenbescheid noch nachbessern.